Wolfsberater bestätigt Sichtung

Ministerium gibt Wolf zum Abschuss frei

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Wildeshausen - Nachdem in Wildeshausen im Landkreis Oldenburg ein Wolf in einem Wohngebiet gesichtet wurde, hat das niedersächsische Umweltministerium für den Notfall auch drastische Maßnahmen genehmigt. Wegen der befürchteten Gefahren könne das Tier mit Gummigeschossen vergrämt, betäubt oder in letzter Konsequenz auch getötet werden.

Der Wolf kommt dem Menschen immer näher. Nachdem jüngst ein Raubtier in der Nähe eines Waldkindergartens im Landkreis Vechta gesichtet wurde, hat am Sonntagabend ein Wolf ein Wohngebiet in Wildeshausen durchkreuzt. Am Montagmorgen wurde vermutlich derselbe Wolf im 15 Kilometer entfernten Großenkneten gesehen – nach Angaben eines Bewohners ebenfalls in der Nähe von Wohngebieten. Als Konsequenz erteilte das niedersächsische Umweltministerium am Montagabend die Genehmigung, das Tier „gegebenenfalls mit Gummigeschossen zu vergrämen, zu betäuben oder es in letzter Konsequenz zu töten“.

Eine Anwohnerin hatte den Wolf am Sonntagabend in Wildeshausen aus ihrem Auto heraus fotografiert. „Bei uns sind kurz vor 18 Uhr zwei Hinweise auf das Tier eingegangen“, sagte eine Sprecherin der Polizei Oldenburg. Ein Streifenwagen sei in das Wohngebiet gefahren, ein Beamter habe das Tier noch weglaufen sehen. Ob es sich um einen Wolf handelte, konnten die Polizisten allerdings nicht erkennen. Die Bestätigung kam dann Montagnachmittag. Ein Wolfsberater des Landkreises Oldenburg habe das Tier anhand des Handyfotos „eindeutig als Wolf identifiziert“, sagte der Sprecher der Stadt Wildeshausen, Hans Ufferfilge.

Schnappschuss mit dem Smartphone: So lief der Wolf durch das Wohngebiet in Wildeshausen.

Quelle: dpa

Erst im Februar war ein Wolf in der Nähe eines Waldkindergartens von Vechta gesichtet worden und hatte für Unruhe gesorgt.

„Wir möchten nun absolut vermeiden, dass hier Panik entsteht“, betonte der Sprecher des Landkreises Oldenburg, Oliver Galeotti. Dass ein Wolf in einem Wohngebiet auftaucht, sei aber schon eine neue Entwicklung, sagte der Sprecher weiter. Einen Wolf, der am helllichten Tage durch ein Wohngebiet streife, habe es noch nicht gegeben. Das Areal mit vielen Einfamilienhäusern grenzt an ein großes Waldgebiet. Etwa 15 Kilometer südlich liegt Goldenstedt. Dort wurde im Februar in der Nähe des dortigen Waldkindergartens ein Wolf entdeckt. Ob es sich um dasselbe Tier handelt, bleibt Spekulation. Ausschließen wollte am Montag der Sprecher des Landkreises Gerüchte, wonach in Wildeshausen gleich mehrere Wölfe gesichtet wurden. „Dafür gibt es keine Belege.“

Ebenfalls ein Wolf wurde am Montag in Großenkneten gesehen. „Bei mir waren am Vormittag zwei Anwohner und haben davon berichtet“, sagte Frauke Asche vom Ordnungsamt der Gemeinde. Das Tier sei gegen 8.45 Uhr von einer Anwohnerin auf einem Feld sowie von einem Anwohner auf der Straße am Ortsausgang in Richtung Döhlen gesehen worden. „Das heißt, das Tier war auch bei uns in der Nähe von Wohngebieten unterwegs“, sagte Asche. Panik habe sie aber weder unter den Zeugen noch unter den Bewohnern der Gemeinde feststellen können. Trotzdem überlegt der Landkreis Oldenburg nun nach Aussage seines Sprechers Oliver Galeotti, in einer Informationsveranstaltung Fragen von Bürgern zu beantworten. Ein fertiges Konzept habe der Landkreis aber nicht in der Schublade. „Das ist für uns ja auch eine neue Situation“, sagte der Sprecher.

Interview: „Wir können nur reagieren“

Nachgefragt bei Gerhard Frensel, Wolfsberater des Landkreises Oldenburg.

Herr Frensel, ein Wolf ist durch ein Wohngebiet gelaufen. Ist das typisch für diese Tiere? Nein. Das ist ein absolut atypisches Verhalten. Wölfe sind normalerweise menschenscheu. Aber offenkundig hat sich dieses Tier bereits an menschliche Nähe gewöhnt.

Besteht eine Gefahr für die Bewohner Wildeshausens und der angrenzenden Ortschaften? Man muss eines deutlich sagen: Der Wolf ist ein Großraubtier und damit immer eine potenzielle Gefahr – auch für den Menschen. Niemand kann die Garantie geben, dass Wölfe Menschen nicht angreifen. In Wildeshausen und Umgebung hat sich das Tier aber bislang eindeutig auf Erkundungs- und nicht auf Beutetour befunden. Schließlich hat der Wolf niemanden angegriffen oder auch nur angeknurrt.

Das Umweltministerium hat die Vergrämung oder in letzter Konsequenz Tötung des Wolfs genehmigt. Wie vergrämt man denn ein solches Tier? Man könnte den Wolf betäuben und ihm durch negative Konditionierung – etwa durch das Zufügen von Schmerz – beibringen, dass der Mensch für ihn gefährlich ist.

Was sind die Konsequenzen aus dem Fall Wildeshausen? Wir müssen lernen, mit dem Tier zu leben, aber auch abwarten, was weiter passiert. Momentan bestimmt der Wolf das Geschehen. Wir können nur reagieren.

Interview: Kristian Teetz

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