Miss Niedersachsen

Miss 100 Prozent

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Hannover - Isabel Krämer aus Hannover ist die neue Miss Niedersachsen. Am Wochenende zieht sie ins Miss-Germany-Camp. Die größte Herausforderung: Ein Laufsteg in 107 Meter Höhe.

„Alles, was ich mache, mache ich zu 100 Prozent“, sagt Isabel Krämer. Streng genommen hat sich bei der Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten da ein Rechenfehler eingeschlichen. Denn neben ihrem Vollzeitjob in einer Rechtsanwaltskanzlei tanzt die 22-Jährige bei den „Lindener Narren“ und hat jetzt noch einiges an Zusatzarbeit. Denn seit knapp zwei Wochen ist Isabel Krämer Miss Niedersachsen.

An diesem Sonntag geht es deshalb für sie ins „Tropical Islands“ in die brandenburgische Provinz. In der riesigen Halle sollte einst die Zeppelin-Dynastie neu aufleben. Das Projekt scheiterte, nun ist dort ein künstlicher Strand mit Wellenspaßbad. In diesem Ambiente werden die Preisträgerinnen der einzelnen Bundesländer zusammenkommen. „Ich bin schon sehr auf die anderen Mädels gespannt“, sagt Krämer. Am 8. Februar wird die neue Miss Germany gekürt. Bis dahin müssen die Kandidatinnen allerlei Übungen absolvieren. Von diesem Montag an bereiten sich die Teilnehmerinnen im brandenburgischen Krausnick bei Berlin zehn Tage lang mit einem „Missen Camp“ auf die Wahl vor. Auf dem Programm stehen Laufübungen für den Laufsteg, Schminktipps, Fitnesstraining, aber auch Ernährungsberatung, Benimmkurse, Gesangstraining und Wissensvermittlung. Gefördert werden soll der Teamgeist.Karaoke, Fotoshooting und das Stolzieren auf dem höchsten Laufsteg der Welt. „107 Meter“, sagt Krämer. Sie scheint sich auf den luftigen Auftritt unter dem Hallendach zu freuen. Vielleicht muss sie dann trotzdem ein bisschen die Zähne zusammenbeißen. Denn bei einem Tanzauftritt hat sie sich die Außenbänder im Sprunggelenk überdehnt. Spaziergänge am Maschsee oder durch die Altstadt müssen erst einmal ausfallen. Aber auf die Chance im Spaßbad will Krämer nicht verzichten.

Zum Interview in einer Cocktailbar neben dem Hauptbahnhof ist Krämer mit Armando Pinto Fernandes gekommen. Der 53-Jährige ist in der hannoverschen Partyszene als Ricky bekannt, hat etwa den Parkhausdachklub „Roof Garden“ geführt. Jetzt ist er als Manager unterwegs, versucht gerade, den Bachelor Paul Jahnke nachhaltig bekannt zu machen. Die beiden haben sich in Berlin kennengelernt.

Krämer hat sich eine Zigarette angezündet, blaue L&M. „Ich will Moderatorin werden“, sagt sie. Im Grunde sei sie das auch schon, sie hat schon bei kleinen Misswahlen durch den Abend geführt. „Sie hat so viel Talent“, sagt Fernandes. Deshalb habe er sie auch unter Vertrag genommen – eigentlich sei die Kundenkartei längst voll. Das große Vorbild ist Helene Fischer, das sagt Krämer, das sagt Fernandes. Nach der Wahl zur Miss Germany geht es ins Aufnahmestudio. „Da liegen schon Songs“, sagt Fernandes. Ein paar Coverversionen von Helene Fischer wird die Miss Niedersachsen dann aufnehmen. Und auch Stücke, die extra für sie geschrieben wurden.

Beim anstehenden Karneval wird Krämer schon einmal zur Probe singen. „Da sind dann 500 Leute, das ist schon ein guter Test“, sagt sie. Wahrscheinlich wird es ein Song von Helene Fischer. „Wie hieß das Lied, das wir vorhin im Auto gehört haben?“, fragt sie Fernandes. Nach kurzem Kramen in der Handyliedliste dann die Auflösung. „Atemlos“. Über die Zuschreibung zum Karneval kann sich Krämer nicht ärgern, aber das Tanzen ist für sie doch mehr als ein Lückenfüllen zwischen Tusch und Büttenrede. Sie trainiert viermal in der Woche und ist dabei, seitdem sie vier Jahre alt ist. „Da ist schon Disziplin gefragt“, sagt sie. An jedem Wochenende feiern, das geht deshalb nicht. Aber sie gehe schon gern Tanzen, am liebsten zu Schlager und Chartmusik.

Doch jetzt ist erst einmal Tanzpause. Für die nächsten drei Wochen hat Krämer Urlaub bekommen. „Meine Chefs sind super“, sagt sie. Am Montag nach der Wahl, da klingelte das Telefon ohne Pause, sagt sie. „An Arbeit war da nicht zu denken.“ Ihren Job, den will sie nicht so leicht aufgeben, selbst wenn die Karriere jetzt langsam so anläuft, wie sie es mit ihrem Manager plant. Sie mag besonders das Diktateschreiben, sagt sie, auch wenn das als blonde Frau doch etwas klischeehaft klinge. „Und ich mag es, Zwangsvollstreckungen auf den Weg zu bringen“, sagt Krämer, und muss dabei ein wenig lachen. Denn natürlich freue sie sich nicht, dass der Gerichtsvollzieher irgendwo Sachen abholt. Aber das selbstständige Arbeiten und der Kontakt mit dem Gericht, das mache schon Spaß. Den Spaß will sie auch nicht verlieren, wenn die Richter der Miss-Germany-Wahl sich für eine andere entscheiden. „Isabel ist sehr zielstrebig, sie wird ihren Weg schon gehen“, sagt Fernandes. Die angesprochene lächelt. Der Fußschmerz scheint jetzt ganz weit weg.

Von Gerd Schild

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