JVA Hameln

Mithäftlinge quälen 15-Jährigen

Hameln - Ein 15-Jähriger ist in der Jugendanstalt wochenlang von Mithäfltingen schikaniert worden. Vier Peiniger müssen sich jetzt vor Gericht verantworten.

Ein Untersuchungshäftling der Jugendanstalt Hameln ist nach Auffassung der Staatsanwaltschaft Hannover wochenlang von vier Mitgefangenen erpresst, gedemütigt und misshandelt worden. Laut Richterin Sabine Quak, Sprecherin des Amtsgerichts Hameln, war das Opfer zur Tatzeit erst 15 Jahre alt. Nach Informationen der Deister-Weser-Zeitung soll der Jugendliche mit Besenstiel, Gürtel und Antennenkabel sowie Fäusten geschlagen worden sein. Er soll gewürgt, an einen Stuhl gefesselt und kopfüber an einer Tür aufgehängt worden sein. Die Täter sollen den Wehrlosen gefesselt und minutenlang unter die eiskalte Dusche gelegt haben. Zweimal soll auf den Jungen uriniert worden sein - einmal war das Opfer ohnmächtig, ein anderes Mal gefesselt. Der 15-Jährige musste für seine Peiniger laut Gerichtssprecherin Frondienste verrichten, unter anderem die Zelle putzen.

Die Übergriffe sollen sich bereits zwischen Ende Dezember 2011 und Anfang Januar 2012 ereignet haben. Der mutmaßliche Haupttäter Ismet C. ist erst 16 Jahre alt. Er ist Anfang des Jahres vom Amtsgericht Hannover wegen Körperverletzung zu zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt worden. Er soll an zehn der insgesamt elf Straftaten gegen den 15-jährigen Untersuchungshäftling maßgeblich beteiligt gewesen sein. Die vier Insassen hätten sich Anfang der Woche eigentlich vor dem Amtsgericht Hameln verantworten sollen. Doch der Prozess wurde verschoben, weil eine Richterin krank geworden war.

Den Vorwurf, die Übergriffe verschwiegen zu haben, wies Anstaltsleiterin Christiane Jesse gestern zurück. Das Justizministerium sei sofort informiert worden, nachdem sich der misshandelte Junge den JVA-Bediensteten offenbart habe. Kurz danach seien auch die Landtagsabgeordneten im Unterausschusss „Justizvollzug und Straffälligenhilfe“ in Kenntnis gesetzt worden. Die Bekämpfung von Gewalt hat oberste Priorität bei uns“, sagte Jesse. Im Januar seien sofort die Sicherheitsbestimmungen verschärft worden. Untersuchungshäftlinge dürften jetzt nur noch maximal fünf Minuten allein in ihren Wohngruppen sein. Das Konzept der 1980 erbauten Jugendanstalt habe ursprünglich Rückzugsmöglichkeiten für die Häftlinge vorgesehen, aber dies biete auch Raum für Gewalt. Seit 2007 würden die Häuser nach und nach so umgebaut, dass die Bediensteten jederzeit Einsicht in die Wohngruppen hätten. Außerdem werde das Aufsichtspersonal aufgestockt.

Ulrich Behmann und Saskia Döhner

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