Katzenbergtunnel

Mitten im Kalkstein macht die Bahn mächtig Tempo

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Der Katzenbergtunnel, der mit über 9300 Metern längste Zweiröhrentunnel in Deutschland, wird am 04.12.2012 feierlich eröffnet.

Efringen-Kirchen - Es ist der erste Tunnel, der keinen Knall mehr hat. Und er ist der längste aus zwei Röhren bestehende Eisenbahntunnel Deutschlands. Die Bahn macht unter der Erde Tempo. Und steuert ein Vorzeigeprojekt.

Mitten im Berg macht die Bahn mächtig Tempo. Die Züge beschleunigen auf bis zu 250 Kilometer pro Stunde, rauschen durch schweren Kalkstein, 110 Meter unter der Erdoberfläche. Bahnreisende sind dadurch auf der Strecke, die bis ins italienische Genua reicht, schneller am Ziel. Denn bislang müssen die schnellen Intercity-Express-Züge im Süden Baden-Württembergs stark abbremsen, gemächlich durch Dörfer fahren und Weinberge entlang kurven.

Vorzeigeprojekt Katzenbergtunnel

Mit dem Katzenbergtunnel zwischen Freiburg und Basel beschleunigt die Bahn den internationalen Reiseverkehr. Zugleich ist es ein Vorzeigeprojekt in jenem Bundesland, das sonst mit Stuttgart 21 Schlagzeilen macht. Die Route ist eine der bedeutendsten Fernverkehrsverbindungen Europas.

Thomas Zieger, Bauingenieur der Bahn, zieht sich den Schutzhelm auf und die rote Warnweste über. Zu Fuß geht es durch den Katzenbergtunnel. Noch ist das möglich. Aber nicht mehr lange. Zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember werden die Züge von der bisherigen, oberirdisch geführten Bahnstrecke in den Tunnel umgeleitet. Statt derzeit 70 km/h sind künftig 250 Kilometer pro Stunde möglich.

9,4 Kilometer durch den Katzenberg

Mit 9,4 Kilometern ist die Verbindung durch den Katzenberg nach Angaben der Deutschen Bahn AGder längste aus zwei Röhren bestehende Eisenbahntunnel in Deutschland. Nur zwei Tunnel sind länger als dieses Bauwerk, beide sind Teil der Strecke Hannover-Würzburg. Sie bestehen allerdings aus jeweils nur einer Tunnelröhre, zwei Gleise führen jeweils hindurch. Neu am Katzenberg ist, dass es zwei Röhren gibt und dass pro Röhre nur ein Gleis verlegt ist. Das dient der Sicherheit, macht den Tunnel zur längsten Zwei-Röhren-Durchfahrt und ermöglicht das Spitzentempo. In 2 Minuten und 15 Sekunden haben die Zugpassagiere den knapp zehn Kilometer langen Tunnel durchfahren.

Der Katzenbergtunnel, schnurgerade gelegen unter den kleinen Ortschaften Efringen-Kirchen und Bad Bellingen, dient der chronisch unter Pannen-Image leidenden Bahn als Prestigeobjekt. Er hat Technik in sich, die es sonst nirgendwo gibt. „Der Katzenbergtunnel ist eine Innovationsschmiede“, sagt Projektleiter Zieger. „Er wird für alle weiteren Tunnelbauten der Maßstab werden.“

Ziegers Kollege Heinz-Georg Haid denkt dabei unter anderem an das heftig umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21 mit seinen vielen Tunnelbauten. Aber auch an der Strecke Karlsruhe-Basel soll es noch weitere Tunnel geben.

Weniger Lärmbelastung für Anwohner

Ruhiger wird es für Anwohner. In die Decke und Wände des Tunnels sind Schlitze integriert. Sie verhindern, dass der Zug bei der rasanten Fahrt durch den Tunnel eine Luftdruckwelle vor sich her schiebt. Dadurch vermeiden sie den üblichen Knalleffekt. Dieser entsteht, wenn Züge mit hohem Tempo die Tunnelröhre verlassen. Überall ist das ein Ärgernis. Nur am Katzenberg knallt es nicht.

Erstmals wurden die Schienen nicht wie bisher auf Schotter gebaut, sondern in einer betonierten und mit Stahl ausgebauten Straße. Das bedeutet: Im Notfall können konventionelle, für die Straße gebaute Autos den Eisenbahntunnel befahren und über die Schienen problemlos die Unglücksstelle erreichen. Auch Busse können in den Tunnel fahren. Niemand muss mehr zu Fuß bis ins rettende Freie laufen.

Investition von 610 Millionen Euro, neun Jahre Bauzeit

Die Oberleitungen werden, auch das ist neu, direkt an die Tunneldecke verankert. Zudem gibt es alle 500 Meter einen Durchgang zwischen den beiden Tunnelröhren. Kommt es in einer der beiden Röhren zu einem Unglück, wird die andere Röhre zur Rettung genutzt.

In den Tunnel und die dazu gehörenden Schienenverbindungen hat die Bahn insgesamt 610 Millionen Euro investiert. Neun Jahre lang wurde gebaut. Profitieren sollen Zugreisende. Ist die gesamte Strecke Karlsruhe-Basel fertig und dann außerhalb der Tunnel von derzeit zwei auf vier Gleise erweitert, sind sie 31 Minuten schneller am Ziel. Davon bringt allein der Katzenbergtunnel sechs Minuten.

dpa

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