Katzencafé in Berlin eröffnet

Mocca mit Miezekatze

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Foto: Gar nicht scheu: Kater Caruso in „Pee Pee’s Katzencafé“. In Berlins erstem Katzencafé sind zwei Katzen zu Hause, die sich dort frei bewegen können.

Berlin - Neuer Trend für gestresste Großstädter: Berlin hat sein erstes Katzencafé. Die Tiere sollen Menschen glücklich machen, vor allem die vielen einsamen und gestressten Großstädter.

Pelles und Carusos Aufgabe ist klar definiert: Sie sollen Menschen glücklich machen, vor allem die vielen einsamen und gestressten Großstädter, die in „Pee Pee’s Katzencafé“ einen Ort der Ruhe suchen. Wenn die beiden Kater schnurrend um die Beine ihrer Gäste schleichen, sollen diese sich entspannen und bei Keksen, Kaffee und Kuchen die lärmende Metropole für einen Moment vergessen.

Dass Caruso zwischendurch auch mal einen der Café-Tische erobert und die Pfote in die Kaffeesahne hängt, stört hier offensichtlich niemanden. Denn wer in „Pee Pee’s Katzencafé“ zu Gast ist, ist in der Regel ein echter Katzenliebhaber. Nur einige Regeln müssen beachtet werden: Die Kater ärgern und am Schwanz ziehen ist verboten. Und Hunde mitbringen natürlich auch.

„Pee Pee’s“ im Berliner Stadtteil Neukölln ist bereits das zweite Katzencafé in Deutschland – und Inhaberin Andrea Kollmorgen ist von der therapeutischen Wirkung ihrer beiden Kater überzeugt. „Es ist mittlerweile wissenschaftlich bewiesen, dass Katzen den Blutdruck senken und Verstimmungen lindern können“, sagt sie. Die Idee, ein Katzencafé zu eröffnen, kam ihr vor gut einem Jahr. Damals war die 48-jährige Katzenmutti arbeitslos, und im Fernsehen lief eine Reportage über eine Japanerin, die gerade ein ähnlich ungewöhnliches Etablissement in Wien eröffnet hatte.

Wie so viele leicht abseitig erscheinende Trends, stammt auch dieser aus Japan. Beengte Wohnverhältnisse und viele Überstunden machen es den Menschen dort nahezu unmöglich, ein eigenes Haustier zu halten. Doch weil das Bedürfnis nach Streicheleinheiten auch in Asien groß ist, entstanden in Tokio und Osaka bereits vor Jahren die ersten Katzencafés. Das Konzept boomte und erreicht nun auch Europa. In München entstand vor gut einem halben Jahr das erste deutsche Katzencafé. Kollmorgen zog nach. Sie erfüllte zunächst alle behördlichen Auflagen, absolvierte einen Test beim Amtstierarzt und eröffnete vor gut zwei Wochen Berlins erstes Katzencafé. Für heute, am Weltkatzentag, haben sich gleich mehrere Fernsehteams angekündigt. Denn Katzen gehen immer: Egal ob im Internet, wo Katzen mittlerweile wie Popstars zelebriert werden, oder eben zu Hause auf dem Sofa. 12,3 Millionen Hauskatzen zählte das Statistische Bundesamt 2012. Die Katze ist damit nach wie vor auf Platz eins der beliebtesten deutschen Haustiere.

Trotz des großen Interesses an den zwei Café-Katern sind Pelle und Caruso übrigens alles andere als scheu. Kollmorgen hat die beiden etwa ein dreiviertel Jahr alten Kater extra für ihr Projekt ausgesucht. Denn ängstliche Tiere wären womöglich überfordert von den vielen Streicheleinheiten gewesen. Pelle und Caruso dagegen scheuen weder Blick- noch Körperkontakt. Das kann auch Annemarie Wilke bestätigen. Die Rentnerin wohnt nicht weit entfernt von dem neuen Neuköllner Katzentreff. „Vor allem, wenn man wie ich alleine lebt, kann man hier wunderbar entspannen“, sagt die Seniorin. Für Martina Köhler bietet das „Pee Pee’s“ vor allem einen gesunden Gegenpart zur sonst so hippen und oft hektischen Berliner Kneipenkultur. Köhler ist ebenfalls bekennende Katzenmutti und als solche froh, dass es im „Pee Pee’s“ nicht nur den Gästen, sondern auch den Katern gut geht. Kratzbäume stehen in den Ecken, Spielsachen liegen auf dem Boden herum, und es gibt genügend Möglichkeiten zum Klettern. Futter und Katzenklo stehen – glücklicherweise – in einem kleinen Séparée. Ein Rückzugsraum, in dem sich die Kater wohl auch mal vom ständigen Gekraule erholen.

Auch im Netz: Alle lieben Katzen

Eigentlich macht er nichts: Maru, ein etwas dicklicher Kater aus Japan, liegt auf dem Rücken, wedelt ein bisschen mit dem Schwanz und döst. Und trotzdem haben mehr als 1,7 Millionen Menschen das knapp 50 Sekunden lange, private Video bei YouTube angeschaut. Maru ist nur ein Beispiel von vielen. Denn Katzen bevölkern das Internet. In Videos, Fotos oder Fotomontagen trinken sie aus Waschbecken, schwimmen in Badewannen oder tapsen auf dem Klavier herum. Wer bei YouTube, Facebook oder Twitter unterwegs ist, kommt um den „Cat Content“ nur schwer herum.

Kleine Filmchen und Bilder von Katzen werden millionenfach geklickt. Nur: Warum eigentlich? „Wir finden Katzen ähnlich gut wie Süßigkeiten“, sagt der Medienpsychologe Frank Schwab von der Universität Würzburg. Die Tiere „parasitierten“ unsere menschlichen Brutpflegemechanismen: „Sie nutzen genau die Reize, auf die wir auch ansprechen, wenn wir Kinder aufziehen“, sagt Schwab. Zudem diene das Phänomen als „Gute-Laune-Mittel“ – die Filme und Fotos könnten bequem in Häppchen angeschaut werden.

Von Nora Lysk

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