Gericht stoppt Zahnarzt

14 Monate Haft für sieben gezogene Zähne

+
Foto: Weil ein Zahnarzt einer Patientin sieben Zähne zu Unrecht zog, muss er nun 14 Monate in Haft.

Stendal - Mal zog er 20 Zähne zu Unrecht, dann waren es sieben, die der Zahnarzt ohne ausreichende Zustimmung der Patientin entfernte. Das Landgericht Stendal setzte seiner Arbeit nun vorerst ein Ende.

Weil er einer Patientin sieben Zähne zu viel gezogen hat, ist ein Zahnarzt aus der Altmark zu 14 Monaten Gefängnis verurteilt. Das Landgericht Stendal sprach den 42-Jährigen am Mittwoch der Körperverletzung schuldig und verhängte ein zweijähriges Berufsverbot.

Der Mann hatte einer Patientin 2010 insgesamt elf Zähne gezogen. Die Frau habe bei der Operation unter Vollnarkose aber nur mit maximal vier entfernten Zähnen rechnen müssen, entschied das Gericht. Strafverschärfend wertete die Kammer, dass der Zahnarzt zuvor schon einmal wegen 20 zu Unrecht gezogenen Zähnen bei einem anderen Patienten zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden war. Zudem wurde eine Geldstrafe wegen Abrechnungsbetrugs einbezogen.

„Jeder Zahnarzt begeht ständig Körperverletzung“, sagte der Vorsitzende Richter Gundolf Rüge. Dies sei aber nicht strafbar, wenn die Zustimmung des korrekt aufgeklärten Patienten vorliege. Im verhandelten Fall habe der Arzt aber selbst vor der Operation nicht Bescheid gewusst und auf notwendige weitere Untersuchungen verzichtet.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem Zahnarzt in ihrem Plädoyer vorgeworfen, „ins Blaue hinein“ operiert zu haben. Sie hatte sogar 16 Monate Haft gefordert, die Verteidigung hingegen einen Freispruch. In der ersten Instanz war der Zahnarzt zu 15 Monaten verurteilt worden. Dagegen hatte er Berufung eingelegt.

Das Urteil nahm der Angeklagte sichtlich getroffen auf. Sein Verteidiger kündigte an, eine Revision zu prüfen. Die Staatsanwaltschaft zeigte sich mit dem Urteil zufrieden. Bis zur Rechtskraft könne der Mann aber weiter als Zahnarzt praktizieren, sagte die Staatsanwältin. Auch ein getrenntes Verfahren vor den Verwaltungsgerichten über den Entzug der Zulassung ist noch nicht letztinstanzlich entschieden.

Das Motiv des Mannes wurde in dem Prozess nicht deutlich. Der Zahnarzt selbst erklärte in der Verhandlung, aus seiner ersten Verurteilung gelernt zu haben und seine Befunde nun genauer zu dokumentieren. Zustimmungen seiner Patienten wolle er zudem künftig auf Video festhalten, weil das Gericht seine Unterlagen angezweifelt habe.

Bei der Behandlung ging es auch um viel Geld. Einmal zahlte die Patientin 3000 Euro, später noch einmal mehr als 11.000 Euro. Nach Angaben der Kassenzahnärztlichen Vereinigung in Sachsen-Anhalt können Zahnärzte mit dem Ziehen von Zähnen und anschließendem Ersatz teils mehr verdienen als mit der Rettung von Zähnen. Das komme aber auf den Einzelfall an.

Der Vorsitzende Richter Rüge kritisierte bei der Verkündung des Urteils, dass der Angeklagte wenig zur Aufklärung beigetragen habe. „Das Gesamtgeschehen ist sehr eigentümlich.“ Mehrfach seien Dokumente erst später aufgetaucht. Auch wenn er keine Fälschungen unterstelle:„Das lässt einen fassungslos zurück.“ Ein Angeklagter, der zur Aufklärung beitragen wolle, verhalte sich anders.

dpa

Kommentare