Sorge über Medienrummel

Mordprozess gegen Oscar-Pistorius wird vertagt

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Der Beginn des Mordprozesses gegen den südafrikanischen Paralympics-Star Oscar Pistorius ist auf den 19. August vertagt worden.

Kapstadt - Der mordverdächtige Sportstar Oscar Pistorius bleibt weiter gegen Kaution in Freiheit. Der nächste Gerichtstermin ist für den 19. August angesetzt. Richter, Staatsanwalt und Anwälte kritisieren den Medienrummel.

Der Prozess gegen den mordverdächtigen Paralympics-Star Oscar Pistorius ist auf den 19. August vertagt worden. Das Magistratsgericht in Pretoria begründete die Entscheidung mit notwendigen weiteren Ermittlungen. Allerdings wird es auch im August wahrscheinlich noch nicht zum eigentlichen Prozessbeginn gegen den südafrikanischen Athleten kommen, sondern nur zur formalen Übergabe der Anklageschrift an Gericht und Verteidigung. „Wir hoffen, dass der Prozess noch dieses Jahr beginnen kann“, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Der 26-jährige Pistorius, der wegen Mordes an seiner Freundin Reeva Steenkamp (29) angeklagt ist, bleibt weiter gegen Kaution auf freiem Fuß. Die Verhandlung dauerte nur etwa 15 Minuten, da Verteidigung und Staatsanwaltschaft sich einig waren, dass der Prozess vertagt werden sollte.

Es war der erste Gerichtstermin für Pistorius seit Februar, als ein Richter den Angeklagten gegen Kaution freiließ. Der behinderte Profisportler hatte am 14. Februar seine Freundin erschossen. Er sagt, er habe nachts in seinem Haus versehentlich auf die 29-Jährige geschossen, weil er hinter einer verschlossenen Tür einen Einbrecher vermutete.

Richter Daniel Thulare äußerte sich besorgt über die umfangreiche und sensationsheischende Medienberichterstattung im Fall Pistorius. Vergangene Woche hatte ein britischer Fernsehsender sogar Tatortfotos veröffentlicht. Er sei „ein wenig besorgt“ über Aktivitäten, die das juristische Verfahren beeinflussen oder „skandalisieren“ könnten, sagte der Richter. Aber auch der Anwalt des Angeklagten, Brian Webber, meinte, die Berichterstattung sei „völlig überzogen und unverhältnismäßig“. Die Staatsanwaltschaft hatte bereits zuvor die Veröffentlichung der Fotos vom blutverschmierten Tatort kritisiert.

Pistorius, der sich in den vergangenen Wochen nach Angaben seines Onkels einen Bart hatte stehen lassen, betrat am Morgen mit ernsten Gesicht, glatt rasiert im dunklen Anzug den Gerichtssaal. Er sprach dann kurz mit einigen Familienangehörigen. Der für 60 Personen gedachte Gerichtssaal war mit etwa 90 Menschen überfüllt. Neben den Freunden und Verwandten von Pistorius drängelten sich zahlreiche Journalisten, Fotografen und Kameraleute in dem beengten Raum.

dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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