Prozess

Mutter soll bei Missbrauch Regie geführt haben

Hildesheim - Eine Frau aus dem Landkreis Hildesheim soll gemeinsam mit ihrem Partner ihre kleine Tochter schwer sexuell missbraucht haben. Die Frau steht im Verdacht, den Missbrauch des Kindes durch ihren Freund gefilmt und dabei sogar Regieanweisungen erteilt zu haben.

Staatsanwältin Christina Pannek bestätigte am Montag Informationen der Redaktion, wonach das Paar am vergangenen Mittwoch verhaftet wurde. In sieben Fällen soll der heute 47-jährige Mann sich an dem zur Tatzeit erst fünf bis sieben Jahre alten Mädchen vergangen haben. Das belegen Filme, die bei ihm gefunden wurden. Die Frau steht im Verdacht, die Taten gefilmt und Anweisungen erteilt zu haben.

Auf die Spur des Paares kamen die Hildesheimer Behörden offenbar durch Ermittlungen des Landeskriminalamts (LKA). Dessen Kinderpornografie-Bekämpfer waren im vergangenen Jahr bei Kontrollen im Internet auf die Rechneradresse des Mannes aus dem Landkreis gestoßen. Im August durchsuchten die Ermittler die Wohnung der Familie und stellten umfangreiches Datenmaterial sicher. Die Auswertung haben dann Experten der Hildesheimer Polizei übernommen.

Sie entdeckten laut Sprecherin Pannek am vergangenen Dienstag die menschenverachtenden Videos und Fotos. Diese sollen bereits vor Jahren entstanden sein. Bei den Videos ist der Staatsanwaltschaft zufolge aus dem Hintergrund die Stimme der Mutter zu hören, die alles gefilmt und eine Art Regieanweisung gegeben haben soll. Am Mittwoch rückten die Kripo-Leute deshalb erneut bei der Familie an, wieder nahmen sie Beweismaterial mit. Diesmal aber auch das Paar, das am Donnerstag auf Antrag der Staatsanwaltschaft vom Amtsgericht Hildesheim in Untersuchungshaft geschickt wurde. Der Haftgrund: Fluchtgefahr.

Laut Staatsanwältin Pannek hat die 35-jährige Mutter die Vorwürfe „pauschal eingeräumt“. Sie soll ausgesagt haben, dass sie ihrem langjährigen Lebensgefährten hörig gewesen sei. Der 47-Jährige hat die Vorwürfe dagegen bestritten. Er habe zudem auf alkoholbedingte Erinnerungslücken verwiesen.

Das Paar soll der Polizei und der Justiz in der Vergangenheit nicht aufgefallen sein. Zum Haushalt der Familie gehörten insgesamt vier Kinder, alle sind vom Jugendamt in Obhut genommen worden. Bisher gebe es keine Hinweise darauf, dass auch die übrigen Kinder missbraucht worden sein könnten. Informationen dieser Zeitung zufolge hat der Verdächtige an seinem Wohnort als selbstständiger Handwerker gearbeitet. Nach einer ausschweifenden Jugend habe er zuletzt in der Partnerschaft mit seiner deutlich jüngeren Freundin solide gewirkt, heißt es im Ort. Auf seiner Facebook-Seite präsentiert der Mann sich zwar als stolzer Familienvater, zugleich fallen viele obszöne Sprüche und Scherzbildchen neben den Kindern auf.

Christian Wolters / Ulrike Ko

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