Attacke von Rechts?

Mysteriöser Überfall auf Roma-Familie

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Foto: In diesem Haus wurde die Familie überfallen.

Söhre - Eine Roma-Familie ist in der Nacht zum 4. Januar in Söhre im Kreis Hildesheim von mehreren Männern in ihrem Haus überfallen und ausgeraubt worden. Was sich genau abgespielt hat, liegt im Dunkeln. Der Flüchtlingsrat vermutet nach Gesprächen mit der Familie einen rassistisch motivierten Überfall.

Bestätigen kann die Polizei das nicht, ausschließen allerdings auch nicht. Die Ermittler konnten die Familie bislang nicht vernehmen. Alle Versuche, erneut mit den Mitgliedern Kontakt aufzunehmen und sie mithilfe eines Dolmetschers ausführlich zu befragen, scheiterten bisher.

Am Dienstag nun wandte sich der Flüchtlingsrat Niedersachsen an die Öffentlichkeit. Demnach haben in jener Nacht gegen 1.30 Uhr insgesamt acht junge Männer immer nachdrücklicher an die Wohnungstür geklopft. Schließlich habe der 32-jährige Familienvater geöffnet. Vor ihm habe ein Mann mit einer Pistole in der Hand gestanden – und ihm umgehend mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Danach seien insgesamt acht junge Männer ins Haus gedrängt. Sie forderten Geld, der verängstigte Mann will ihnen 1300 Euro ausgehändigt haben. „Als Asylbewerber ohne Bankkonto erhält die Familie Leistungen in Form von Bargeld“, erklärt der Flüchtlingsrat. „Nach der Beschreibung der Täter und dem Eindruck der Familie ist davon auszugehen, dass es sich um Neonazis handelt. Nach Angaben der Familie trugen zumindest einige von ihnen Springerstiefel und hatten kahl geschorene Köpfe.“

Die Polizei ermittelt wegen schwerer räuberischer Erpressung. Doch haben die Beamten in der Tatnacht von der Roma-Familie nicht viel erfahren. „Das lief mit ein paar Brocken Deutsch, ein paar Brocken Englisch und viel Zeichensprache“, sagt Polizeisprecher Claus Kubik. Demnach hatte der Familienvater den Beamten erklärt, ein 2,10 Meter großer Deutscher habe mit einer Pistole vor der Tür gestanden, insgesamt seien die Angreifer zu acht gewesen – doch die anderen Täter beschrieb er nicht. Auch mehrere Nachbarn, die die Polizisten vor Ort befragten, hätten nichts weiter mitbekommen. Die Ergebnisse der Spurensicherung würden noch ausgewertet.

Auch deshalb wollten die Ermittler das Überfallopfer und seine Familie noch einmal in Ruhe und mithilfe eines Übersetzers vernehmen, bekamen jedoch keinen Kontakt mehr: „Wir hoffen jetzt natürlich, mithilfe des Flüchtlingsrates wieder an die Familie heranzukommen“, sagte Kubik gestern. Antworten auf die Frage, ob die Ermittler ebenfalls Neonazis hinter der Attacke vermuten, wollte er nicht kommentieren. Dass es einen Überfall gab, scheint aber unstrittig zu sein.

Von Tarek Abu Ajamieh und Alexander Raths

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