Osteuropäische Billiglöhner

Nach der Räumung blieb nur der Wald

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Foto: Perspektivlos in ihrer Heimat suchen sie ihr Glück in Deutschland – und enden in selbst gebauten Unterkünften im Wald.

Hannover - Im Landkreis Vechta leben Rumänen und Bulgaren illegal in selbst gebauten Lagern – sie waren aus einem baufälligen Haus vertrieben worden. Jetzt droht ihnen die Abschiebung.

Sie leben im Wald, in Lagern und Hütten, die sie sich selbst aus Ästen, Planen und Decken zusammenzimmern - Tagelöhner aus Rumänien und Bulgarien, die in ihrer Heimat noch weniger Perspektiven haben als in Deutschland. Die Kommune Steinfeld im Landkreis Vechta fühlt sich von dem Problem überfordert – das hat Bürgermeisterin Manuela Honkomp (parteilos) jüngst öffentlich bekannt. Nun droht den Wanderarbeitern die Abschiebung.

Viele der ausländischen Arbeiter hatten früher einmal Werkverträge, die mittlerweile ausgelaufen sind. In ihre Heimat sind sie aber nicht zurückgekehrt und leben seitdem illegal in Deutschland. Werkverträge dieser Art waren zuletzt in die Kritik geraten, als zwei rumänische Arbeiter der Meyer Werft in Papenburg bei einem Brand in einem völlig überfüllten Wohnhaus starben. Auch in Steinfurt lebten Arbeiter mit Werkverträgen bis vor Kurzem in einem Wohnhaus, „unter menschenunwürdigen Bedingungen“, sagt Heinrich Luhr, Fraktionsvorsitzender der Unabhängigen Wählergemeinschaft Steinfeld. Deshalb sei die überlastete Unterkunft geräumt worden - und viele der Männer lebten seitdem in notdürftigen Unterkünften im Wald.

In Steinfeld seien die Menschen deshalb nun beunruhigt. „Sie haben ein beklemmendes Gefühl, wenn sie abends unterwegs sind“, berichtet Luhr. Ein Lager wurde neulich von der Polizei geräumt. Fünf Wanderarbeiter hätten dort gelebt, in der Gemeinde gebe es aber noch viele weitere - sie hausen in einer alten Ruine oder schlafen unter freiem Himmel auf der Wiese vor dem Bahnhof.

Der Landkreis Vechta fühlte sich lange nicht zuständig, die Betreuung der Obdachlosen sei Aufgabe der Gemeinde, hieß es damals. Nun aber will man doch etwas tun, nämlich die Ausweisung einleiten und die Arbeiter zur freiwilligen Ausreise aus Deutschland auffordern. So steht es in einer schriftlichen Stellungnahme. Wenn keine freiwillige Ausreise erfolge, drohe Abschiebung. Alle Maßnahmen würden in enger Abstimmung mit den betroffenen Städten und Gemeinden durchgeführt.

Auch im Landkreis Cloppenburg erinnert man sich an einen Fall aus dem vergangenen Jahr. Damals lebten zwei rumänische Familien in einer Hütte im Wald, die einem Bauern gehörte. Als dieser die Bewohnung bemerkte, verwies er die Familien des Grundstücks und riss anschließend die Hütte ab, berichtet ein Mitarbeiter des Ordnungsamts Cloppenburg. Seitdem habe man aber keine weiteren Auffälligkeiten registriert.

Ab 2014 gilt für Rumänien und Bulgarien die volle Freizügigkeit innerhalb der Europäischen Union – und in Steinfeld hat man die Befürchtung, dass die Zahl der Armutsflüchtlinge dann noch steigen könnte. Der für die Landkreise Vechta und Cloppenburg zuständige Europaabgeordnete Hans-Peter Mayer (CDU) bestätigt: „Anfangs gibt es sicherlich eine Aufbruchsstimmung in den Ländern, das kennen wir schon aus der Geschichte vom Beitritt Spaniens und Portugals.“ Allerdings vermutet er, dass sich der Ansturm schnell wieder legen werde. Wenn nicht, müssten die Europaparlamentarier das Problem erneut diskutieren - und Lösungen finden.

Anne Grünberg

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