Gute Stimmung beim „Hurricane“-Festival

Nach der Schlammschlacht kommt die Sonne

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Foto: Auf dem dreitägigen Hurricane-Musikfestival treten 90 Bands aus der Rock-, Pop- und Electro-Szene vor über 70.000 Besuchern auf.

Scheeßel - Schmutz, Schlamm und endlich etwas Sonne: Nach einem durchwachsenen Start konnten sich die Besucher des 17. „Hurricane“-Festivals am Sonnabend über perfektes Open-Air-Wetter freuen.

Mehrere Tausende von ihnen kamen schon um halb eins trotz kurzer Nacht vom Zeltplatz, um die Hamburger Deutschpop-Band Herrenmagazin auf der Hauptbühne zu sehen. „Kennt ihr den Text?“, fragte Sänger Deniz Jaspersen – und prompt wurde vor der Bühne „In toten Hügeln“ mitgesungen.

Ausgelassen wurde zwei Stunden später bereits bei Miles Kane zu neuen Britrock-Kleinoden wie „Come Closer“ getanzt. Der 27-jährige Brite, der vor zwei Jahren wegen technischer Probleme nach starken Regenfällen beim „Hurricane“ nur einen improvisierten Gig ohne Mikrofon und Gitarrenverstärker bestreiten konnte, dirigierte die Menge im zweiten Anlauf nun souverän. Mehr noch als über die zum Teil hochklassigen Bands freuten sich die mehr als 50.000 Besucher am Freitag aber über die Sonne.

Als die Wolkendecke am Freitagnachmittag zum ersten Mal aufgebrochen war, war lauter Jubel in der Zeltstadt auf dem Campingplatz aufgebrandet. Gegen 15 Uhr hatten die Organisatoren auf der eigens fürs Festival programmierten Smartphone-App zum zweiten Mal eine Unwetterwarnung weitergegeben: „Sichert eure Zelte und bringt euch bitte schnell in Sicherheit! Am besten im Auto!“

Die erste Warnung hatte die Besucher am Donnerstag ereilt. Windböen zerfetzen zahlreiche Zelte, Personen kamen aber nicht zu Schaden. Wegen der durchweichten Böden kam es bei der Anreise zu langen Rückstaus. Zum Teil mussten die Besucher mehr als vier Stunden wenige Kilometer vom Eichenring-Stadion entfernt nachts in ihren Autos ausharren, ehe sie endlich auf einen Parkplatz fahren konnten. Viele machten entnervt kehrt und wagten erst am Freitagabend einen zweiten Versuch, nach Scheeßel zu gelangen. Um am ersten von drei Festivaltagen Bands wie Billy Talent, Rammstein oder Portishead zu sehen, mussten sie anschließend durch eine Schlammlandschaft waten. Wer ohne Gummistiefel zum „Hurricane“ kam, braucht jetzt wohl neue Sneaker.

Am Sonnabend aber waren die Wetterkapriolen vergessen: Mit einem Wasserbombenkatapult oder „Flunkyball“-Trinkspielen vertrieben sich zahlreichen Abiturienten den Vormittag, andere kramten ihre eigens fürs Festival angeschafften Outfits aus den Rucksäcken. Der 21-jährige Luca etwa zog ein plüschiges Hai-Ganzkörperkostüm an, seine Freundin Tomke ein Affenkostüm. „Wegen der Arctic Monkeys“, erklärt die 18-jährige Wolfsburgerin. Die Arctic Mokeys sind ihre Lieblingsband, und die spielt als Headliner des zweiten Festivaltags am Sonnabend ab 23 Uhr auf der Hauptbühne. Und dann werden vermutlich auch die meisten der erwarteten 73.000 Besucher mit Tomke und Luca auf dem Gelände sein.

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