Paparazzi-Fotos

Nackte Kate schürt Ängste bei den Royals

London - Paparazzi mit langen Objektiven auf der Jagd nach privaten Bildern britischer Royals? Diese Zeiten sollten eigentlich seit dem Tod von Prinzessin Diana vor 15 Jahren vorbei sein. Bilder der nackten Kate lassen schüren bei den Royals jetzt neue Ängste.

Das britische Königshaus lebt von Bildern - etwa wenn Herzogin Kate wie eine Figur aus besten Kolonialzeiten mit Sonnenschirmchen durch tropische Gärten stolziert. Oder sie züchtig verhüllt in Malaysia eine Moschee besucht. Doch diese Fotos hätten sich die Royals gerne erspart: In der französischen Ausgabe des Magazins Closer prangten am Freitag Bilder von Prinz Williams Frau Kate wie sie barbusig auf dem Liegestuhl liegt und sich von ihrem Mann eincremen lässt. Eine Fotostrecke von fünf Seiten waren dem Blättchen die Brüste der Herzogin wert.

„Völlig harmlos“, hieß es am Freitag von Closer-Chefredakteurin Laurence Pieau. Die Bilder zeigten doch nur ein „glückliches, sich liebendes Paar“ und seien nicht annähernd schockierend. „Völlig harmlos?“ Da hat der Buckingham Palast eine komplett andere Meinung. Schließlich zeigt das Blatt in seiner französischen Ausgabe nicht einfach nur die nackten Brüste einer x-beliebigen Dreißigjährigen, sondern der Frau, die später eimal Königin werden soll.

In den Büros im Zentrum von London liefen am Freitag die Drähte heiß. Prinz William und seine Frau seien außer sich, hieß es. „Uns fehlt der Glaube“, sagte eine Sprecherin von Clarence House über die Veröffentlichung der anzüglichen Aufnahmen, dem Büro, das die Angelegenheiten von Thronfolger Prinz Charles und seiner Söhne William und Harry regelt. Dem am Abend bekanntgewordenen Versuch des Palastes, gegen die Veröffentlichung mit einer einstweiligen Verfügung vorzugehen, geben Experten wenig Chancen. „Es ist anmaßend, aber die Bilder sind draußen, der Geist ist aus der Flasche“, sagte der prominente Londoner Medien-Anwalt Mark Stephens.

Die Aufregung der Windsors hat einen Grund: Vor 15 Jahren starb Prinzessin Diana, Williams Mutter bei einem Autounfall, verfolgt von einer Meute Fotografen. Wieder ist es Frankreich, wieder ist es ein Paparazzo, der jetzt das blaue Blut in Wallung bringt. Dabei hatte sich das Verhalten der Boulevard-Medien auf der Insel zum Königshaus nach dem Tod der „Prinzessin der Herzen“ komplett gewandelt.

„Wir haben verstanden!“, hieß es damals verschämt aus den Chefredaktionen. Trotz allen Kampfes um Auflagen und Marktanteile setzte Vernunft ein - die Rivalität mit dem Palast wich einer Kooperation. Die Zeitungen und ihre Reporter legten ihre Aggressivität ab. Dafür änderte der Palast sein Medienverhalten, wurde offener. Inzwischen ist es möglich, dass Prinz Charles den Wetterbericht bei der BBC verliest und die Queen als Bond-Girl in einem Film zur Olympia-Eröffnungsfeier auftritt. Vorteile hatten beide: Die Zeitungen hatten ihre News, der Hof konnte sie bestimmen und für sein Image nutzen.

Die Bilder vom Freitag machen diesem stillschweigenden Agreement einen Strich durch die Rechnung. Nicht umsonst fühlt sich Clarence House in einem harschen Statement, an längst vergangen geglaubte Zeiten zurückerinnert. Der Vorfall erinnere an „die schlimmsten Exzesse der Presse und der Paparazzi während des Lebens von Prinzessin Diana“, heißt es dort. Die Anwälte der Windsors in Frankreich prüfen, was rechtlich möglich ist.

Was haben William und Kate falsch gemacht? Sollte eine künftige Königin halbnackt in der Sonne liegen, selbst wenn es auf Privatgrund im Urlaub ist? Die Frage stellte sich am Freitag halb Großbritannien - und kam zu keiner einheitlichen Meinung. Möglicherweise fühlten sich die beiden - in der Öffentlichkeit allseits beliebt und geachtet - zu sicher. Sie hatten wohl einfach nicht damit gerechnet, dass 15 Jahre nach Dianas Tod ein Paparazzi es wagen könnte, sich mit langer Linse ins Gebüsch zu verkriechen.

Zumal sie mit dem versteckt inmitten eines Waldes gelegenen Anwesen von Queen-Neffen Viscount Linley nahe des südfranzösischen Ortes Apt extra die Abgeschiedenheit gewählt hatten. „Wie jede junge Frau kann auch Kate keine Bikini-Ränder leiden“, sagte die Autorin und königliche Biografin Penny Junor der BBC.

Möglicherweise hat sich aber auch der mediale Wind wieder etwas gedreht. Die Veröffentlichung von Nacktfotos von Prinz Harry vor wenigen Wochen in der Boulevardzeitung „The Sun“, als er in seinem Hotelzimmer in Las Vegas mit jungen Frauen Strip-Billard spielte, mag ein Hinweis darauf sein. Die „Sun“ hatte sich damals über die ausdrückliche Bitte des Palastes hinweggesetzt. Medienjurist Stephens bringt es auf den Punkt: „Der Hunger nach solchen Bildern in aller Welt ist groß.“

dpa

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