Fehlender Nachwuchs

In Naturwissenschaften droht Lehrermangel

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Dringend gesucht: Junge Lehrer, die Schülern Geometrie beibringen.

Hannover - Niedersachsen droht ein Lehrermangel: In den technischen und naturwissenschaftlichen Fächern werden in den kommenden Jahren viele Pädagogen fehlen. Das geht aus einer aktuellen Studie hervor. Bis 2025 könnte sich die Zahl der Lehrkräfte für die entsprechenden Fächer halbiert haben.

In den technischen und naturwissenschaftlichen Fächern werden in den kommenden Jahren in Niedersachsen sehr viele Lehrer fehlen. Das geht aus einer Studie des Essener Bildungsforschers Klaus Klemm im Auftrag der Telekom-Stiftung hervor. Laut Klemm wird sich die Zahl der Pädagogen in den sogenannten Mint-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) bis zum Schuljahr 2025/2026 bundesweit etwa halbieren. Klemm geht in seiner Studie von Daten aus Nordrhein-Westfalen aus. Der emeritierte Professor für Bildungsforschung und Bildungsplanung an der Universität Duisburg-Essen hält die Prognose aber für übertragbar auf andere Bundesländer, also auch auf Niedersachsen.

Der Vorsitzende des Philologenverbandes Niedersachsen bestätigt, dass das Land bei Technik und Naturwissenschaften schon heute ein Problem hat: „In den Mint-Fächern fehlen enorm viele Lehrer“, sagte Horst Audritz der HAZ. Eberhard Brandt von der GEW sieht die Haltung der Lehrergewerkschaft ebenfalls unterstützt. „Wir sagen schon seit zehn Jahren, dass wir mehr Absolventen in diesen Fächern brauchen.“ Brandt sieht einen „starken Mangel“ vor allem in den Fächern Chemie und Technik. Der Befund sei aber nicht neu.

Nur 21 Prozent studieren MINT-Fächer

Ursache für den erwarteten dramatischen Lehrermangel ist der Studie zufolge das fortgeschrittene Alter vieler Pädagogen in den Mint-Fächern - bei gleichzeitig zu wenig Nachwuchs. In Nordrhein-Westfalen hätten heute schon 45 Prozent der Lehrer in Naturwissenschaften das 50. Lebensjahr überschritten. Daher rechnet Klemm damit, dass sich bis 2025/2026 ihre Zahl halbiert haben wird. „Wenn nicht deutlich mehr Studien­anfänger ein Mint-Fach wählen, wird der Nachwuchs in keinem der Fächer die entstehende Lücke schließen können.“ Ein besonders hoher Mangel werde in Technik, Physik und Chemie entstehen. „Hier werden um 2025 nur zwischen 20 und knapp 50 Prozent des Bedarfs gedeckt werden können.“

Nach Angaben des Wissenschaftsministeriums studieren in Niedersachsen 6143 angehende Lehrer. Davon belegten nur knapp 21 Prozent ein Mint-Fach. Klemm empfiehlt, die Zahl der Studienanfänger in diesem Bereich zu steigern und dafür stärker bei Frauen zu werben - was in Niedersachsen bereits geschieht. Die hohen Studienabbrecherquoten in diesen Fächern seien das Hauptproblem.

Ein Sprecher von Kultusministerin Frauke Heiligenstadt sagte dieser Zeitung, es sei eine Herausforderung, dem drohenden Lehrermangel im Mint-Bereich zu begegnen. Man habe Schritte unternommen, die Hürden für das Lehramtsstudium mit diesem Schwerpunkt zu senken. So ist unter anderem inzwischen jede Kombination eines Mint-Fachs mit einem anderen Fach zugelassen. Im Referendariat haben bei 10 Prozent der Stellen Anwärter mit einem Mint-Fach bei der Einstellung Vorrang vor anderen Kandidaten - unabhängig von der Note.

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