Der Weltraum-Kolumbus

Neil Armstrong schrieb Menschheitsgeschichte

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Neil Armstrong war der erste Mensch, der einen Fuß auf den Mond setzte, sein Kollege "Buzz" Aldrin der zweite.

New York - Ein linker Fuß verändert die Welt: Der Amerikaner Neil Armstrong setzte ihn am 21. Juli 1969 als erster Mensch auf einen anderen Himmelskörper. Mit Gutenberg, Kopernikus und Kolumbus setzte man ihn gleich, doch Armstrong selbst sah es viel bescheidener.

Der Marineflieger Neil Armstrong musste ein ganzes Geschwader von Schutzengeln gehabt haben: Krieg, Testflüge und Weltraumabenteuer überstand er unverletzt und selbst eine Bruchlandung mit einem Testgerät überlebte er. Ebenso wie das größte Abenteuer, das die Menschheit in den vergangenen Jahrhunderten zu bieten hatte: Als erster Mensch setzte Armstrong am 21. Juli 1969 seinen Fuß auf einen anderen Himmelskörper, gewann die wichtigste Schlacht des Kalten Krieges und schrieb Geschichte. Und alles mit dem linken Fuß.

Der Wettlauf zum Mond war eine Revanche. Denn zehn Jahre zuvor schickten die Sowjets eine Rakete nach der anderen ins All, während die der Amerikaner schon beim Start explodierten. Solche Unglücke gab es zwar auch bei den Russen, in der Diktatur erfuhr nur niemand davon, während die amerikanischen Fehlschläge live im neuen Medium Fernsehen übertragen wurden. Als 1961 auch noch der erste Mensch im All ein Russe war, wollte US-Präsident John F. Kennedy der gedemütigten Nation den Mut zurückgeben. Noch bevor das Jahrzehnt zu Ende sei, würden die Amerikaner einen Mann auf den Mond bringen - und „auch sicher wieder zurück“.

Kennedys Versprechen wurde gerade eben eingehalten. Bis zum Ende der 60er Jahre waren es nur noch gute fünf Monate, als Dutzende Millionen Menschen auf der ganzen Welt eine Live-Übertragung in grässlicher Qualität verfolgten. Lange nach der Landung holperte eine graue Gestalt, es war ja alles in Schwarz-Weiß, eine Leiter herunter, stampfte in die dünne Staubschicht des Mondes und sagte den Satz, der zu einem der berühmtesten Zitate wurde: „Dies ist ein kleiner Sprung für den Menschen, aber ein gewaltiger Sprung für die Menschheit.“

Das heißt, eigentlich sagte Armstrong das nicht, er vergaß nämlich einen Buchstaben: Das „a“, im Englischen für „ein“. Jahrzehnte wurde darüber gestritten, ob die Technik den Buchstaben verschluckt habe oder Armstrong selbst. Einem anderen Pionier, Edmund Hillary, war der Satz ohnehin zu schwülstig: „Es wäre besser gewesen“, sagte der Erstbezwinger des Mount Everest 1974, „er hätte etwas ganz natürliches gesagt wie: „Herrgott, wir sind da“.“

Solche Kritiken wie auch die späteren Spekulationen an der Echtheit der Mondlandung, schienen den medienscheuen und zurückhaltenden Armstrong nie zu treffen. Noch viel weniger interessierte ihn Ruhm, Anerkennung und die Aufmerksamkeit, die sein historischer Mond-Schritt mit sich brachte. Dabei hatte Armstrong alles, was zum Traumbild eines großen Helden gehörte: Intelligenz, Willensstärke, Mut, Visionen - obendrein war er auch noch attraktiv. Schmuck sah er auf den offiziellen Nasa-Bildern im Astronautenanzug aus, den Helm lässig in der Hand, die US-Flagge auf der Schulter.

Der Weg zum Star oder Politiker wäre ein leichter gewesen. Armstrong mied ihn mit Nachdruck und geradezu sturer Beharrlichkeit. Er gab irgendwann keine Autogramme mehr weil ihm die Vermarktung seiner Unterschrift für hohe Summen ein Gräuel war, verweigerte Interviews und hielt nur selten eine Rede.

„Ich bin und werde für immer ein weißer Socken tragender, auf seine Tasche aufpassender, streberhafter Ingenieur bleiben“, erklärte er einmal bei einem seiner wenigen öffentlichen Auftritte. Auf die immer wiederkehrende Frage, wie es sich denn anfühle, der erste Mann auf dem Mond zu sein, stellte er sich stets zurück. „Mir war auf jeden Fall bewusst, dass es die Summe der Arbeit von 300.000 bis 400.000 Menschen über einen Zeitraum eines Jahrzehntes war“, war laut der „Los Angeles Times“ seine bescheidene Antwort.

Nach der Rückkehr vom weit entfernten Himmelskörper ließ er sich mit der Crew kurz feiern und gab bald bekannt, dass er nicht mehr ins All fliegen wolle. 1971 verließ er die Nasa und lehrte acht Jahre Luft- und Raumfahrt Ingenieurwissenschaften an der Universität von Cincinnati (Ohio). Danach nahm der in zweiter Ehe verheiratete Armstrong hin und wieder Sprecherfunktionen an und war Vorstandsmitglied in Unternehmen.

Seine Begeisterung für die Raumfahrt und auch die Fliegerei verflog aber nicht. Er besaß ein Privatflugzeug, verfolgte weiter die Geschehnisse rund um die Raumfahrt und hielt sich beispielsweise 2010 nicht mit Kritik in Form eines offenen Briefes zurück, als Präsident Barack Obama die Abkehr von einem neuen Nasa-Mondprogramm verkündete.

Am 5. August 1930 in Wapakoneta (Ohio) geboren, soll Armstrong schon als Zweijähriger von Flugzeugen fasziniert gewesen sein. Im damals ungewöhnlich jungen Alter von sechs Jahren saß er zum ersten Mal in einer Maschine. Als andere Jugendliche mit 16 den Führerschein machten, absolvierte er lieber seine Fluglizenz. Er studierte Luftfahrt-Ingenieurwissenschaften und wurde Marineflieger.

Die Wolken reichten aber nicht, Armstrong wollte noch höher hinaus: 1962 akzeptierte ihn die Nasa als Astronauten, 1966 vollbrachte er als Chefpilot von „Gemini 8“ das Andocken an ein unbemanntes Raumfahrzeug im Orbit - das erste Rendezvous im All. Drei Jahre später leitete er die „Apollo 11“-Mondmission. Vor seinem Kollegen „Buzz“ Aldrin stieg Armstrong als erster aus der Luke, trat mit dem linken Fuß auf - und schrieb für immer Geschichte.

dpa

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