Rechtsextreme ziehen vor das Wincklerbad

Nenndorfer wollen Nazis den Tag verderben

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Foto: „Bad Nenndorf wehrt sich“ steht im August 2013 auf dem Banner der Demonstranten.

Hannover - Wenige Tage vor dem sogenannten Trauermarsch von Rechtsextremisten zum Wincklerbad in Bad Nenndorf hat die Polizei ihre Präsenz im Kurort bereits erhöht. Grund ist die Schändung eines Gedenksteins der Jüdischen Gemeinde am vergangenen Wochenende.

Nach Angaben einer Sprecherin der Polizeiinspektion für den Kreis Schaumburg sind Beamte rund um die Uhr auf der Straße unterwegs. Für die Nächte seien zusätzliche Kräfte nach Bad Nenndorf beordert worden. Es sei „sehr wahrscheinlich, dass die Tat im Zusammenhang mit dem für Sonnabend angemeldeten Neonazi-Aufmarsch steht“.

Seit 2006 ruft ein sogenanntes Gedenkbündnis Rechtsextreme aus ganz Deutschland im August zum „Trauermarsch“ vor das Wincklerbad auf. Es wurde in der Nachkriegszeit von den Briten als Verhörzentrum genutzt. Historisch belegte Übergriffe auf Wehrmachtssoldaten nehmen die Rechtsextremisten zum Anlass für ihre „Gedenkmärsche“. Noch bis 2030 sind Versammlungen angemeldet.

Auch in diesem Jahr will sich ein breites Bündnis aus Bürgern, Verbänden, Kirchen und Politik dem wieder entgegenstellen. Innenminister Boris Pistorius ermunterte die Nenndorfer, „wieder ein Zeichen mutigen, bürgerlichen Protests zu setzen“. Im vergangenen Jahr war es friedlichen Demonstranten gelungen, den Zug der Neonazis vor das Wincklerbad zu verhindern. Ein direktes Aufein­andertreffen soll in diesem Jahr vermieden werden. Der Landkreis hat verfügt, dass die Gegendemonstranten erst nach Ende der Kundgebung der Neonazis um 15.30 Uhr vor das Wincklerbad ziehen dürfen.

Der Verfassungsschutz rechnet damit, dass die Zahl der Rechtsextremen die Größenordnung des vergangenen Jahres nicht überschreiten wird. Dasselbe gilt für die Zahl der Linksextremen. Im vergangenen Jahr waren etwa 300 Extremisten auf beiden Seiten aufeinandergetroffen.

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