Rechte Immobiliengeschäfte

Neonazi kauft barockes Schloss

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1999 nach einer Brandstiftung beinahe vollständig zerstört, seitdem nicht wieder aufgebaut: Das Barockschloss Groß Germersleben gehört jetzt dem Rechtsextremisten Oliver Malina.

Oschersleben - Das verfallene Schloss Groß Germersleben bei Oschersleben in Sachsen-Anhalt ist in Niedersachsen bislang wohl kaum bekannt. Ein Besitzerwechsel dürfte das nun schlagartig ändern. Die Ruine ist nun in der Hand eines berüchtigten Rechtsextremisten aus Niedersachsen.

Oliver Malina aus Salzgitter, ein in der rechten Szene bekannter Konzertveranstalter, hat die markante Ruine wenige Kilometer jenseits der Landesgrenze samt Grundstück für 12.000 Euro ersteigert. „Nun müssen wir leider davon ausgehen, dass auf dem 48.000 Quadratmeter großen Gelände Konzerte und Parteiveranstaltungen mit einer Vielzahl von Anhängern der rechtsextremen Szene stattfinden werden“, sagte gestern Oscherslebens parteiloser Bürgermeister Dieter Klenke der „Leipziger Volkszeitung“.

Das Schloss Germersleben ist ein barockes Gebäude aus dem 16. Jahrhundert. 1999 wurde es bei einem Brand fast vollständig zerstört und nie wieder aufgebaut. Darum war es für Malina günstig zu haben: Bei der Zwangsversteigerung am 21. März in Oschersleben lag der angesetzte Verkehrswert bei einem Euro.

Die Ruine steht unter Denkmalschutz. Doch das Gebäude selbst dürfte für Malina kaum von Interesse sein, das Gelände hingegen schon. Es liegt strategisch günstig an der Grenze von Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, unweit der Autobahn 2. Rechtsextreme Parteien wie die NPD oder die neue Partei Die Rechte könnten hier ungestört ihre Parteitage abhalten. Für ein erstes Konzert am 26. Mai habe der neue Eigentümer bereits eine Genehmigung beantragt, berichtete Bürgermeister Klenke. Malina, der vor ein paar Jahren aus Niedersachsen nach Nienhagen (Landkreis Harz) in Sachsen-Anhalt gezogen war, hat Erfahrung mit der Organisation großer Rechtsrock-Veranstaltungen. Seine bisherige Wahlheimat Nienhagen war mehrmals schon Schauplatz rechter Konzerte. So reisten etwa 1000 Anhänger der Neonazi-Szene im Sommer 2011 zu Auftritten einiger Bands an, die dem in Deutschland verbotenen Musiknetzwerk „Blood & Honour“ zugerechnet werden.

Am 26. Mai 2012 kamen zu einer Open-Air-Veranstaltung ebenfalls rund 1000 Rechte nach Nienhagen. Unter dem Motto „European Skinheadparty“ spielten dort neben der berüchtigten Band „Endstufe“ auch „Faustrecht“, die italienische Band „Legitima Offesa“, „Les Vilains“ (Belgien) und „Brassic“ aus den USA. Versuche, die behördlich gemeldeten Konzerte gerichtlich zu verhindern, scheiterten. Allerdings gab es Auflagen, da viele der auftretenden Bands wegen Volksverhetzung oder rassistischer Aussagen verbotene Titel in ihrem Programm führten.

Die ungebetenen Konzertbesucher, dazu die großen Polizeiaufmärsche, nervten die Einwohner des kleinen Dorfes. In einer vom „Bürgerbündnis Nienhagen rechtsrockfrei“ organisierten Abstimmung im November 2012 gab schließlich eine deutliche Mehrheit zu verstehen, dass sie keine Neonazi-Treffen in ihrem Ort haben will. Fortan galt es als offenes Geheimnis, dass Malina nach einem neuen Veranstaltungsort sucht.

„Oliver Malina ist ein über Sachsen-Anhalt hinaus bekannter neonazistischer Konzertveranstalter“, so gestern Pascal Begrich, Geschäftsführer von Miteinander e.V. in Magdeburg. Anscheinend war der Kommunalverwaltung weder Malinas Kaufabsicht noch dessen rechtsextremer Hintergrund bekannt, kritisierte Begrich. „Zumindest das Land hätte die Aktivitäten Malinas im Blick haben müssen. Nachdem ein bisheriger Veranstaltungsort in Nienhagen nicht mehr zur Verfügung steht, war davon auszugehen, dass Malina nach neuen Möglichkeiten Ausschau halten würde.“

Bereits 2010 hatten Neonazis das Schloss Trebnitz bei Könnern erworben. Damit verfügen Rechtsextreme mittlerweile über zwei Großimmobilien in Sachsen-Anhalt.

Bernd Lähne und Karl Doeleke

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