Magaluf

Neue Benimmregeln für Mallorca-Touristen

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Trinken bis nichts mehr geht: Urlauber am Strand von Magaluf.

Magaluf - Rücksichtslose Party-Urlauber, die Kampftrinken betreiben und sich nach allen Regeln der Kunst daneben benehmen. Damit soll in Magaluf, einem Ort im Südwesten Mallorcas, jetzt Schluss sein. Der Ort führt "Benimmregeln" ein, die ab Dienstag in Kraft treten.

Wie soll man es ihnen bloß abgewöhnen? Das Kampftrinken, das Lärmen und Pöbeln und dazu noch unappetitliche Sexspielchen - vor allem britische Touristen benehmen sich im Ort Magaluf im Südwesten Mallorcas nach Kräften daneben.

Politiker, Hoteliers und Einwohner ziehen jetzt die Notbremse: Mit neuen, strengen Benimmregeln, die am Dienstag in Kraft treten, soll der „Freizeitpark für Hooligans“ entschärft werden. Künftig ist es in Magaluf zwischen 22 und 8 Uhr untersagt, auf offener Straße zu trinken. „Oben ohne“ soll nur am Strand oder in unmittelbarer Strandnähe geduldet werden, für organisierte Kneipentouren werden strenge Einschränkungen erlassen. Geldstrafen wird es in dieser ersten Phase noch nicht geben, man will es zunächst bei Verwarnungen belassen.

An den Erfolg dieses Versuchs glauben indes längst nicht alle. Ein Grund ist die Lage am „Ballermann“: Seit vergangenem Sommer gelten dort ähnlich strenge Regeln, wirklich besser geworden sei es dort trotz drohender Geldstrafen aber nicht, sagen Inselbewohner. Ähnliches fürchten sie auch für Magaluf: „Es wird leider alles beim Alten bleiben“, sagt ein Polizist, der seinen Namen nicht veröffentlichen wollte. Die Touristen Jamie und Kevin, die gerade in den Hochhausschluchten von Magaluf Ferien machen, denken genauso. „Wie will man so etwas wirklich durchsetzen? Da müsste schon die Armee hierherkommen“, sagen die Mittzwanziger aus Schottland und Neuseeland.

Auch Sebastián Darder, Präsident des Hotelierverbandes von Palmanova und Magaluf, glaubt nicht ernsthaft daran, die Unruhestifter erziehen zu können. Der Gedanke ist eher, sie zu vertreiben, auch wenn das nicht so offen gesagt wird. Allein der große spanische Hotelkonzern, für den Darder arbeitet, hat in Magaluf in den letzten Jahren 120 Millionen Euro investiert, um das Niveau des Angebots zu erhöhen und zahlungskräftigere Besucher anzulocken. Wenn alles teurer wird, so hofft man, werden sich die britischen Billigheimer künftig anderswo austoben müssen - wo immer das auch sei.

Den Ruf Mallorcas als Hort rücksichtsloser Party-Urlauber will auch die neu gewählte Mitte-Links-Regierung der Balearen bekämpfen. Die Politiker debattieren derzeit über die Wiedereinführung einer Touristenabgabe, ähnlich der Ökosteuer, die es schon einmal gab. Die Idee dahinter: Die Einnahmen sollen in Umweltschutz und Infrastruktur investiert werden und so die Auswirkungen des Tourismus auf die Insel lindern helfen.

Wie eine solche Steuer dieses Mal aussehen und ob es überhaupt dazu kommen wird, ist allerdings noch offen. Die Sozialisten stehen der Wiedereinführung einer Touristenabgabe skeptisch gegenüber, die neue Linkspartei Podemos (Wir können) und das linksökologische Bündnis Mér per Mallorca (Mehr für Mallorca) hatten sich in ihren Wahlprogrammen hingegen für eine solche Abgabe ausgesprochen. Auf Mallorca, Menorca, Ibiza und Formentera hatten die Urlauber bereits von Mai 2002 bis Oktober 2003 eine „ecotasa“ (Ökosteuer) zahlen müssen, die durchschnittlich einen Euro pro Tag betrug. Die Reisebranche hatte die Abgabe heftig bekämpft. Sie sah darin einen Hauptgrund dafür, dass viele Deutsche Mallorca damals den Rücken kehrten.

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