Unfälle beim Abbiegen

Neuer Spiegel soll Radfahrern das Leben retten

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Der Spiegel hängt unterhalb des Grünlichts und soll den toten Winkel für Lastwagen- und Busfahrer einsehbar machen.

Münster - Immer wieder sterben Radfahrer, weil Auto-, Bus- und Lastwagenfahrer sie schlicht übersehen. Ein neues System soll Abhilfe schaffen und den toten Winkel einsehbar machen – mit einem ganz simplen Trick.

Die Idee klingt einfach und doch kann sie Leben retten: Ein Spiegel am Ampelmast soll Lastwagen-, Bus- und Autofahrern künftig Einblicke in den sogenannten toten Winkel geben. Die Fahrrad-Hauptstadt Münster testet als erste Stadt in Deutschland das neue System aus den Niederlanden. Am Freitag stellten Vertreter von Stadt und Polizei die Spiegel-Ampel vor.

Vorerst testet Münster den Spiegel an zwei Stellen. Darunter ist eine Kreuzung, an der 2009 ein zwölfjähriger Junge auf seinem Fahrrad ums Leben kam. „Er wollte noch schnell über die Straße fahren“, erzählt Udo Weiss von der Polizei Münster. Ein Lastwagenfahrer übersah den Jungen beim Abbiegen - weil er mit seinem Rad im toten Winkel fuhr. Der Zwölfjährige geriet unter die Zwillingsreifen des schweren Fahrzeugs und starb. „Der Lkw-Fahrer hat sich mittlerweile das Leben genommen“, sagt Weiss.

Solch dramatische Situationen sollen die Neuerung in Zukunft vermeiden helfen. Mit einem kurzen Blick in den Spiegel unterhalb des Grünlichts können Lastwagen-, Bus- und Autofahrer sofort sehen, ob neben ihnen ein Fahrradfahrer oder ein Fußgänger steht. „Der ganz große Clou an der Sache ist, dass der Spiegel unter der Ampel angebracht ist. Jeder Lkw-Fahrer guckt sowieso auf die Ampel, ob sie grün ist“, sagt Verkehrsplaner Andreas Pott von der Stadt.

Das System könnte Schule machen. Jährlich sterben deutschlandweit 400 Radfahrer bei Verkehrsunfällen. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) schätzt, dass die Hälfte von ihnen schlicht übersehen wird. Allein in Nordrhein-Westfalen verletzten sich im vergangenen Jahr gut 500 Radfahrer, weil Autos, Lastwagen oder Busse sie beim Rechtsabbiegen anfuhren. Auch dabei dürfte die Ursache häufig der tote Winkel gewesen sein, vermutet das Innenministerium.

In der Fahrrad-Hauptstadt Münster suchte man schon seit längerem nach einer Lösung. Zufällig bemerkte Pott dann während einer Dienstreise in Amsterdam, dass unter einigen Ampeln Spiegel hängen. Er fragte bei seinen niederländischen Kollegen nach. Sie bestätigten, dass die Spiegel den toten Winkel einsehbar machen sollen.

Für 750 Euro pro Stück schaffte Münster vorerst zwei Spiegel an. Jetzt werden Polizei und Stadt beobachten, ob sich das neue System bewährt. Wenn ja, will die Stadt weitere Spiegel kaufen. Es gebe noch genügend Stellen in Münster, an denen sich eine Spiegel-Ampel lohne, sagt Weiss.

dpa

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