Verhandlungen beginnen am Montag

Ein neuer Tarifvertrag soll Altenpflege helfen

+
Foto: Bislang ist das Lohnniveau sehr unterschiedlich. Im Schnitt bekommt eine Pflegekraft in Niedersachsen 2209 Euro brutto, 500 Euro weniger als ein Altenpfleger in Baden-Württemberg.

Hannover - Die Nachricht sorgte vor einem halben Jahr für helle Empörung: In keinem anderen westdeutschen Bundesland verdienen Altenpflegerinnen so wenig wie in Niedersachsen. Am Montag beginnen die Verhandlungen über einheitliche Lohnstruktur in der Pflege.

Ministerpräsident Stephan Weil forderte höhere Löhne, Sozialministerin Cornelia Rundt drohte mit Eingriff in die Selbstverwaltung – geschehen ist bislang nichts. Am Montag könnte es einen Schritt voran gehen. In Hannover starten die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und Vertreter der Wohlfahrtsverbände AWO und Diakonie Verhandlungen über einen landesweit verbindlichen Tarifvertrag für etwa 105.000 Pflegekräfte.

Das Projekt „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit in der Altenpflege“ ist bundesweit einmalig. Sollte ein Durchbruch gelingen, müssten nicht nur einige Pflegeheime für ihre Mitarbeiter mehr zahlen, auch die Kassen gerieten unter Druck, die Pflegesätze zu erhöhen. Bislang ist das Lohnniveau sehr unterschiedlich. Im Schnitt bekommt eine Pflegekraft in Niedersachsen 2209 Euro brutto, 500 Euro weniger als ein Altenpfleger in Baden-Württemberg.

Überdurchschnittlich wird bei den kirchlichen Trägern verdient. Die Caritas zahlt wie kommunale, tarifgebundene Heime Brutto-Monatsgehälter von 2500 bis 3350 Euro. Private Pflegeanbieter, deren Marktanteil in Niedersachsen bei 60 Prozent liegt, entlohnen dagegen zumeist unterdurchschnittlich. Das DRK, das die Personalkosten von Haus zu Haus unterschiedlich regelt, zahlt mittlerweile bis zu ein Drittel weniger als im öffentlichen Dienst. Das DRK beteiligt sich – ebenso wie der Paritätische – vorerst nicht an den Tarifgesprächen.

Auch die Caritas, bei der im Gegensatz zur Diakonie noch kirchliches Arbeitsrecht gilt, schaut nur zu, aber hofft auf Einigung. „Es wird höchste Zeit, dass Pflegekräfte überall fair, angemessen und einheitlich bezahlt werden“, sagte Franz Loth, Caritas-Direktor der Diözese Osnabrück der HAZ. Die Caritas, die vor sechs Jahren fünf Senioreneinrichtungen in Hannover verkaufen und vor drei Jahren zwei Häuser in Wolfsburg schließen musste, appelliert an die Landesregierung, die Notlage der Altenpflege endlich ernst zu nehmen und für höhere Pflegesätze zu sorgen. Nur durch Subventionen der Träger oder Kürzung von Sonderzuwendungen könnten die eigenen Einrichtungen noch kostendeckend arbeiten. „Irgendwann bleibt uns nur noch die Schließung.“ Sollte sich nicht zügig etwas ändern, könne bald eine qualifizierte Pflege alter Menschen nicht mehr garantiert werden, warnt Loth. Bereits heute plage man sich mit einem dramatischen Fachkräftemangel.

Eine aktuelle Studie kommt zu dem Ergebnis, dass für 100 freie Stellen nur 38 Bewerber antreten. Viele Pflegekräfte steigen bereits nach wenigen Jahren aus dem Beruf aus; der Krankenstand ist überdurchschnittlich hoch. Eine eigenwillige Lösung hat jetzt ein CDU-Landtagsabgeordneter in Rheinland-Pfalz vorgeschlagen: Pflegeheimleitungen sollten in Asylunterkünften vorsprechen und dort Mitarbeiter anwerben.

Kommentare