Naturschützer vs. Jäger

Neuer Zündstoff im „Gänsekrieg“ in Ostfriesland

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Unbekannte hatten Gänsen mit einem Messer die Brust herausgeschnitten und die Kadaver an einem Wasserlauf bei Nüttermoor im Kreis Leer zurück gelassen.

Leer - Der „Gänsekrieg“ zwischen Naturschützern und Jägern in Ostfriesland bekommt neuen Zündstoff. Gänsekadaver mit herausgeschnittener Brust sorgen für Aufregung. Nun wurde in den Kadavern auch noch verbotene Bleimunition nachgewiesen.

Naturschützer in Ostfriesland sind erbost über den Tod von Gänsen in einem EU-Vogelschutzgebiet. Unbekannte hatten den Tieren mit einem Messer die Brust herausgeschnitten und die Kadaver an einem Wasserlauf bei Nüttermoor im Kreis Leer zurück gelassen. Das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit teilte am Montag nach aufwendigen Untersuchungen mit, dass die Gänse Bleischrot enthielten. Die Jagd auf Wasservögel in Gewässernähe mit Bleischrot ist in Niedersachsen aber verboten. Der Landkreis Leer als Aufsichtsbehörde prüft jetzt weitere Schritte.

Jäger und ein Mitglied des Naturschutzbundes Nabu hatten zunächst spekuliert, die Tiere seien vom Sturm in einen Zaun gedrückt oder von anderen Tieren getötet worden. Naturschützer des Wattenrates erkannten dagegen deutliche Schnittspuren. Sie vermuten, dass die geschossenen Tiere ausgeweidet und dann an dem Graben entsorgt wurden - in örtlichen Zeitungsberichten war die Rede von einem „Gänseripper“. Das könnte eine Anzeige wegen Wilddieberei, unzulässiger Abfallbeseitigung und Gewässerverschmutzung nach sich ziehen.

„Das ist sehr unglücklich gelaufen“, sagte Kreisjägermeister Jan-Wilhelm Hillbrand auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Der verantwortliche Jäger sei bekannt und werde demnächst einbestellt. Mit Sicherheit werde es auf ein Ordnungsgeld hinauslaufen.

Polizei wegen fehlender Gummistiefel nicht ausgerückt

Beim Landkreis Leer sagte eine Sprecherin, in den vergangenen Jahren seien keine Jagdverstöße bekannt geworden. Allerdings hatten Gänseschützer mehrfach erfolglos Anzeigen erstattet und unter anderem nach Schüssen bei dichtem Nebel auf Gänse die Polizei gerufen. Die Beamten waren jedoch wegen fehlender Gummistiefel nicht ausgerückt. Ein Tierschützer, der Jagdverstöße mit seiner Kamera festhalten wollte, wurde später wegen Jagdstörung verurteilt.

Seit Jahren stehen sich in Ostfriesland Naturschützer auf der einen und Jäger sowie Landwirte auf der anderen Seite in einer Art Gänsekrieg weitgehend unversöhnlich gegenüber. Naturschützer protestieren dagegen, dass in EU-Vogelschutzgebieten die Gänsejagd erlaubt ist. Dabei würden auch immer wieder geschützte Arten getötet oder verletzt, lautet die Kritik.

Niedersachsens neuer Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) legte 2013 Pläne zur Einschränkung der Jagdzeiten offen. Dies stieß bei Jägern und Landwirten auf Kritik. Die Landwirte bekämen zu wenig Ausgleich für Fressschäden durch Gänse, hieß es Mitte Januar bei einem Treffen mit Vertretern aus Landwirtschaft, Politik und Behörden im ostfriesischen Wirdum. Die Landwirte sehen die Grenzen der Belastbarkeit durch Fraßschäden und durch Gänsekot-Verschmutzungen erreicht und teilweise schon überschritten, sagte Karin Mansholt vom Bundesverband Deutscher Milchviehhalter.

dpa

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