Viele Knackpunkte

Neustart des Kali-Abbaus wird zur Hängepartie

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Giesen/Sarstedt - Baut der Düngemittelkonzern Kali+Salz (K+S) bei Giesen bald wieder Kali ab und errichtet zugleich eine Fabrik auf dem alten Schachtgelände? Knackpunkte gibt es bei dem Großvorhaben im nördlichen Landkreis Hildesheim jedenfalls reichlich.

Es sind so viele, dass ein entscheidender Erörterungstermin mit K+S, Kommunen, Anliegern, Umweltschützern und dem Landesamt für Bergbau, Energie und Geowissenschaften (LBEG) als Genehmigungsbehörde jetzt von September auf November oder Dezember verschoben wurde – die Sichtung der Antragsunterlagen und Stellungnahmen dauert schlicht zu lange.

So geht es unter anderem um die Frage, ob es einen zweiten Kaliberg geben darf. Umwelt- und Bodenschützer sowie viele Anlieger sind dagegen, K+S hält diese Variante für die einzig gangbare Möglichkeit aus wirtschaftlicher Sicht. Umstritten ist zudem, welchen genauen Streckenverlauf die Verbindung von Bergwerk und Fabrik zur Bahnlinie Hildesheim-Lehrte nehmen soll.

Auch die zusätzliche Salzbelastung der Innerste könnte zum Problem werden. K+S kündigt an, nicht mehr Salz einzuleiten, als bisher schon durch den bestehenden Kaliberg in Richtung Innerste gespült wird. Bei einer Informationsveranstaltung in Sarstedt erklärten Vertreter des Unternehmens allerdings, in den ersten sieben Jahren nach einer Inbetriebnahme lasse sich eine „temporäre Verschlechterung“ der Wasserqualität nicht vermeiden.

Erst vor Kurzem hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) in einem Urteil zur EU-Wasserrahmenrichtlinie betont, Bauprojekte dürften grundsätzlich nicht zu einer Verschlechterung von Gewässerqualität führen. K+S fürchtet deshalb allerdings nicht um das Giesener Projekt: „Die temporäre Veränderung bewegt sich im Rahmen der Schwankungsbreite der Werte, die wir in der Innerste gemessen haben, seitdem Giesen 1987 stillgelegt wurde“, versichert Pressesprecher Ulrich Göbel.

Innerhalb der niedersächsischen Landesregierung wird das Vorhaben kontrovers diskutiert: Umweltminister Stefan Wenzel sorgt sich um Gewässerqualität und Bodenschutz, Wirtschaftsminister Olaf Lies denkt vor allem an Hunderte Arbeitsplätze und den Erhalt von Bergbau-Knowhow in Niedersachsen nach dem bevorstehenden Betriebsschluss im Bergwerk Wunstorf-Sigmundshall.

Das gesamte Verfahren steht derzeit ohnehin noch unter einem gewissen Vorbehalt: Wie berichtet, will der kanadische Branchenriese Potash das Unternehmen K+S schlucken. Ob Potash an Giesen Interesse hätte, ist indes unklar. Derzeit scheint es allerdings, als könnten die Abwehrversuche von K+S erfolgreich sein.

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