Plagiatsaffäre

Nicht jeder darf mehr Doktor werden

+

Clausthal-Zellerfeld - Nach Plagiatsvorwürfen gegen den früheren hannoverschen Messe-Chef Klaus Goehrmann will die Technische Universität Clausthal ihre Promotionsvoraussetzungen überprüfen und vielleicht auch anpassen. Der Hochschule wird zuviel Nähe zur Wirtschaft nachgesagt.

Die Technische Universität Clausthal (TU) will jetzt die Regelungen für die Zulassung externer Doktoranden überprüfen. Die zuständigen Gremien würden die Qualitätssicherungssysteme in Bezug auf Promotionen genau prüfen und gegebenenfalls anpassen, kündigte TU-Präsident Thomas Hanschke an.

Die Harzer Hochschule reagiert damit auf ihre erste Plagiatsaffäre. Am Mittwoch war bekannt geworden, dass die hochschulinterne Kommission zur Untersuchung wissen-schaftlichen Fehlverhaltens die Plagiatsvorwürfe gegen den langjährigen Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Messe AG, Klaus Goehrmann, bestätigt sieht. Dem 74-jährigen Betriebswirt, der im Jahr 2010 mit einer Arbeit über Schweißverfahren in Clausthal promoviert hatte, droht nun der Entzug seines Doktortitels der Ingenieurwissenschaften.

Welche Voraussetzungen externe Doktoranden erfüllen müssen, um zur Promotion zugelassen zu werden, legen die einzelnen Fakultäten fest.

Derzeit sind die Hürden in Clausthal niedriger als anderswo. Während man beispielsweise in Hannover für ein Promotionsstudium in den Ingenieurwissenschaften einen Diplom-Ingenieur- oder einen naturwissenschaftlichen Abschluss vorweisen muss, können in Clausthal in Ausnahmefällen auch Betriebswirte ohne einen entsprechenden Abschluss zugelassen werden. Im Fall des aus Hannover stammenden Goehrmann wurde eine solche Ausnahme gemacht.

Der Fall des früheren Messechefs wirft jedoch auch eine grundsätzliche Frage auf: Haben womöglich zu enge Verflechtungen mit der Wirtschaft die Plagiatsaffäre ermöglicht? IHK-Ehrenpräsident Goehrmann war jahrelang einer der Spitzenvertreter der niedersächsischen Wirtschaft. Die TU ist aufgrund ihrer anwendungsorientierten Forschung eng mit der Industrie verbunden. 2011 hat sie etwa 25 Millionen Euro an Drittmitteln eingeworben, dies ist mehr als ein Viertel ihres Gesamtetats. Ein nicht unerheblicher Teil davon stammt aus der Industrie.

Man sei jetzt „mehr sensibilisiert“ für die Frage, wo die Trennlinie zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu ziehen sei, sagt TU-Sprecher Christian Ernst. Insgesamt gehe es bei allen Überlegungen und Maßnahmen darum, für die Zukunft zu gewährleisten, dass so etwas nicht wieder passiere.

Eine Konsequenz hat der Fall bereits gehabt: TU-Vizepräsident Professor Volker Wesling, der als Erstgutachter Goehrmanns Promotion betreut hatte, verzichtet nach dreijähriger Amtszeit auf eine erneute Kandidatur. Er war als Vizepräsident für Forschung und Technologietransfer zuständig gewesen.

Einer der Kooperationspartner der TU ist das Laserzentrum Hannover. TU-Vizepräsident Wesling gehört dem Vorstand des Laserzentrums an, lässt dieses Amt allerdings wegen der laufenden Ermittlungen ruhen. Sein damaliger Doktorand Goehrmann führt den Vorsitz im Kuratorium des Laserzentrums.

Insgesamt ist die TU Clausthal bei ihrem Prüfungsverfahren deutlich schneller als es die Universität Düsseldorf im Fall von Bundesbildungsministerin Annette Schavan ist. Nur zwei Monate nach dem Bekanntwerden der Plagiatsvorwürfe hat die TU-Kommission ihre Prüfung abgeschlossen. Jetzt prüft der Fakultätsrat, ob die Vorwürfe schwerwiegend genug sind, um Goehrmann den Doktortitel abzuerkennen.

Im Zuge der hochschulinterne Ermittlungen wurden auch andere Dissertationen unter die Lupe genommen, die von Goehrmanns Gutachtern - außer TU-Vizepräsident Wesling war dies der emeritierte Professor für Werkstoffkunde an der Uni Hannover, Professor Heinz Haferkamp - betreut worden waren. Bei diesen Vorprüfungen hätten sich keine Auffälligkeiten ergeben, sagte Uni-Sprecher Ernst.

Kommentare