Obstblüte im Alten Land

Nicht weit vom Stamm

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Obstblüte im Alten Land: Das Obstparadies von Ulrike Schuback (Inhaberin).(Foto: Marta Krajinović)

Jork - Sie heißen Topaz, Rembrandt oder Dalinco. Wer im Alten Land Äpfel essen will, findet zwar auch bekannte Sorten wie Elstar und Jonagold. „Aber wir bauen auch seltene Sorten wie den Purpurroten Cousinot an“, sagt Ulrike Schuback, Obstbaugärtnerin in Jork. Momentan zeigt sich das Alte Land von seiner schönsten Seite, denn die Apfelbäume blühen.

„Allerdings nur noch etwa bis zum Wochenende“, sagt Schuback. Dann sei Schluss für dieses Jahr.

In Reih und Glied stehen Tausende und Abertausende Obstbäume in der Region südlich der Elbe. Das Alte Land sieht aus wie ein Wirklichkeit gewordener Kinderreim: „Links sind Bäume, rechts sind Bäume, und dazwischen Zwischenräume.“ Apfelbäume, so weit das Auge reicht. Dem Laien erscheinen die Exemplare sehr klein, nicht zu vergleichen mit den stolzen Apfelbäumen in so manchem heimischen Garten. Zwischen 2,50 und 3,50 Meter werden sie nur hoch.

„Wir haben hier schwachwachsende Wurzelunterlagen, auf denen dann die Obstbäume veredelt werden“, sagt Schuback. An den kleineren Bäumen wachsen qualitativ höherwertige Äpfel, weil vereinfacht gesagt die Pflanze ihre Energie weniger ins Triebwachstum als in die Früchte investiert. „Außerdem sollen die Äpfel alle möglichst gleich groß sein, eine vernünftige Lagergröße haben und gleich aussehen“, sagt die Obstbaugärtnerin. Das wolle der Handel so. Große Bäume mit langen, starken Ästen, die Schatten werfen, sind da eher hinderlich. Ein Baum wie auf Schubacks Hof trägt ab Ende August aber auch seine 100 bis 150 Äpfel. 25 verschiedene Sorten baut sie gemeinsam mit ihrem Vater und einer weiteren Arbeitskraft auf 10 Hektar an.

Schuback ist eine von rund 650 Erzeugern im Alten Land. Laut der Tourist-Info Altes Land werden auf etwa 90 Prozent des fast 11 000 Hektar großen Gebiets Äpfel angebaut, gefolgt von rund 5 Prozent Anbaufläche für Süßkirschen. Jedes Jahr werden in Europas größtem zusammenhängenden Obstanbaugebiet zwischen 250 000 und 350 000 Tonnen Äpfel geerntet. „Im vergangenen Jahr hatten wir im Alten Land sogar mehr als 400 000 Tonnen“, sagt Schuback. Dazu kommen neben Kirschen unter anderem Erdbeeren, Pflaumen und Birnen.

Das Land ist bei den Obstbaugärtnern wegen seines feuchten, nährstoffreichen tonigen Marschbodens so beliebt. Doch bis ins 12. Jahrhundert war es dort nass, Schilf wuchs in Massen. Dann kamen die Holländer als Experten der Bodenentwässerung. Im 12. Jahrhundert besiedelten sie die Region. Vieles haben sie hinterlassen, unter anderem das sehr verzweigte Be- und Entwässerungssystem. Die ersten urkundlichen Hinweise auf den Obstanbau im Alten Land gehen auf das Jahr 1312 zurück. Keine 100 Jahre später, im Jahr 1408, begannen Ulrike Schubacks Vorfahren, dort Obstbäume zu pflanzen. „Immer an derselben Stelle“, sagt sie. In ihrer Familie fällt der Apfel nicht weit vom Stamm.

Um die zahllosen Blüten in diesen Tagen zu bestäuben, mieten sich die Obstbaugärtner Bienen. „Wir benötigen etwa ein bis zwei Bienenvölker pro Hektar“, sagt Schuback. Dieses Jahr seien Bienen aber sehr knapp - „vor allem, weil sie schwach durch den Winter gekommen sind“, betont sie. Einige Sorgen bereitet den Obstbauern die Elbvertiefung. „Wir hoffen, dass uns nicht irgendwann eine der nächsten Vertiefungen den Süßwasserhahn zudreht“, sagt Schuback. Jede Baggertätigkeit bringe mehr Salz die Elbe hoch und über die Kanäle zu den Obstbauern.

In den Hofläden ist zu sehen, was man aus Äpfeln alles herstellen kann: Apfelmarmelade, Apfelwein, Gummibärchen aus Apfelsaft, Apfelchips. Viele Höfe verkaufen ihre Produkte direkt. „Wir leben auch vom Tourismus“, sagt Schuback, die unter anderem Picknick unter Kirschbäumen anbietet.

Arndt Weßel braucht Äpfel für etwas anderes: „Wir brennen hier unter anderem klaren Apfelbrand“, sagt der Destillateurmeister. Er stellt in seiner kleinen „Nordik Edelbrennerei und Spirituosen-Manufaktur“ Brände, Aquavite und andere Spirituosen her. Kirsche, Pflaume, Williams-Christ-Birne, Haselnuss, als Brand, als Geist, als Fruchtauszüge. Wer bei Weßel auf dem Hof Lefers in Jork vorbeikommt, kann sich die Arbeit eines Destillateurs anschauen. Wer genau wissen will, wie aus dem Apfel am Baum ein schmackhafter Tropfen wird, kann auch Brennseminare oder Verkostungen buchen. „Wir verstehen uns hier als Brennerei zum Anfassen“, sagt Weßel.

Apfelbaumpatenschaften und Apfeldiplom

Zahllose Obsthöfe sind im Alten Land zu finden, zum Teil mit eigenem Hofladen: Obstparadies Schuback (Westerjork 81 in Jork): Mit Hofladen, der Möglichkeit zu einem Picknick und dem Angebot, ein Apfeldiplom abzulegen. Obsthof Lefers (Osterjork 137 in Jork): Ebenfalls mit Hofladen. Auf dem Gelände ist auch die „Nordik Edelbrennerei und Spirituosen-Manufaktur“ zu finden. Obsthof Bey (Groß Hove 136 in Jork): Auf dem Hof können Apfelbaumpatenschaften geschlossen werden.Tourist-Info Altes Land (Osterjork 19 in Jork): Dort sind unter Telefon (0 41 62) 91 47  55 weitere Tipps zu Ausflügen, Radtouren, dem Radwanderbus und Unterkünften zu erfragen. Wie lange die Apfelbäume noch genau blühen, verrät die Internetseite www.bluetenbarometer.de.

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