Landesfest

Ein Tag für die Niedersachsen!

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Ministerpräsident Stephan Weil auf dem "Tag der Niedersachsen".

Goslar - Ministerpräsident Stephan Weil hat am Freitag den 33. Tag der Niedersachsen eröffnet. In diesem Jahr findet das Fest zum ersten Mal in drei Orten gleichzeitig statt, in Vienenburg, Kloster Wöltingerode und Goslar. Die Veranstalter rechnen mit 150.000 Besuchern. Ein Rundgang.

Jürgen Drews sieht eigentlich noch genauso aus, wie vor 20 Jahren. "Reißt die Hände zum Himmel", ruft er durchs Mikrofon. Ein paar Menschen auf dem Goslarer Marktplatz machen mit, die anderen bewegen sich weiter leicht von einem Fuß auf den anderen. "Das ist ja der Wahnsinn", freut sich der König von Mallorca und singt seinen neuen Hit "Kornblumen in deinen Haaren". Erinnert irgendwie an damals, an das Bett im Feld, oder?

Gerade erst hat Ministerpräsident Stephan Weil die Besucher des 33. Tags der Niedersachsen auf der Marktplatzbühne begrüßt, jetzt soll der Schlagerstar der Menge einheizen. Mittags um 12 Uhr keine leichte Aufgabe - auch wenn das Bier hier und da schon aus den Zapfhähnen in die Becher der Gäste fließt.

Die Altstadt Goslars mit ihren historischen Fachwerkhäusern ist an diesem Sonnabend gut besucht. Gleich hinter der Bühne, von der Jürgen Drews Schlagerhits schmettert, knotet ein Luftballon-Künstler Tiere aus Gummi und Luft für Kinder. "Ich will einen Affen", sagt ein Mädchen und drei Minuten später hält es zufrieden ein lilafarbenes Luftballon-Äffchen, mitsamt Gummi-Palme und Bananen, in den Händen. Applaus für den Künstler.

Auf der Bühne nebenan schwingt eine Volkstanzgruppe die Hüften - denn traditionelle niedersächsische Tänze und Kleidung sind immer noch das Aushängeschild des Tags der Niedersachsen. Beim Trachtenumzug am Sonntag Nachmittag werden rund 3000 Menschen mitlaufen - damit ist es der größte Umzug seiner Art in Norddeutschland. "Wir pflegen diesen Brauch sehr gerne, aber unsere Gruppe hat Probleme, Nachwuchs zu finden", sagt die 55-jährige Regina Wassill von den Reppenstedter Danzlüüd aus der Nähe von Lüneburg. Seit 20 Jahren ist die Volkstanzgruppe jedes Jahr beim Tag der Niedersachsen dabei. Aber der Altersdurchschnitt steigt.

Im benachbarten Veranstaltungsort Kloster Wöltingerode haben sich junge Musiker dagegen etwas ganz Eigenes einfallen lassen. Die Blaskapelle ist eine lebendige Jukebox, sie spielt auf Knopfdruck. Die Musiker sitzen hinter dichten Schotten in einem ausgebauten Bauwagen. Heidi Schulz-Gebhardt drückt den Knopf für "Die Gummibärenbande" und die schweren Jalousien öffnen sich. Der Dirigent gibt den Takt vor und es folgen 30 Sekunden Musik, dann ist wieder Schluss. "Das ist ja genial" freut sich die Besucherin aus Ostharingen im Harzer Umland. Mal etwas anderes.

Ganz traditionell bleibt es dagegen in Vienenburg. Dort fährt die historische Dampfeisenbahn ab. Für Zugführer Holger Buch eine Faszination, seitdem er ein kleines Kind ist. "Eigentlich arbeite ich in der Oberfinanzdirektion Niedersachsen, aber ungefähr zehn Mal im Jahr fahren wir mit der alten Lock los." Schaffner sein ist sein Hobby, er macht den Job ehrenamtlich. Es qualmt und stinkt als die Bahn sich behebig in Bewegung setzt. Sie fährt voll besetzt zurück nach Goslar - wer es moderner mag, kann aber auch den Bus nehmen. Noch bis Sonntag pendeln Shuttlebusse regelmäßig und kostenlos zwischen den drei Veranstaltungsorten im Harz.

Celle war imAugust 1981 Veranstaltungsort des 1. Tags der Niedersachsen. Rund 60.000 Menschen nahmen damals an der Premiere des Landesfestes teil, das auf Initiative des Ministers für Bundes- und Europaangelegenheiten, Wilfried Hasselmann, zustande kam. Damals war Ernst Albrecht (beide CDU) Ministerpräsident in Hannover.

Inzwischen ist das Fest im Veranstaltungskalender des Landes fest etabliert, regelmäßig werden sechsstellige Besucherzahlen erreicht. 2012 kamen laut Innenministerium rund 150.000 Menschen nach Duderstadt, um sich ein Bild von der Vielfalt des Landes zu machen. In diesem Jahr findet der Tag der Niedersachsen erstmals an drei Orten gleichzeitig statt: In Goslar, Vienenburg und im Kloster Wöltingerode.

Von Anne Grüneberg

2012126

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