Projekt gegen Jugendarbeitslosigkeit

Niedersachsen bildet junge Europäer aus

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Iyedjda Corvo-Torres (l) und Nicola Meza gehören zu den sieben spanischen Industriepraktikanten im Hotel Kaiserworth in Goslar.

Hannover - Junge Menschen aus Spanien suchen händeringend Jobs. Doch Ausbildungsplätze sind im Süden Europas rar. Eine Chance sollen die jungen Leute in Niedersachsen bekommen.

In den Krisen-Ländern Südeuropas hat die Jugendarbeitslosigkeit Rekordausmaße erreicht, hierzulande fehlen Fachkräfte. In Niedersachsen gibt es deshalb Ausbildungsprogramme, die europäische Jugendliche in hiesige Betriebe vermitteln. Eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergab, dass das Interesse an den jungen Leuten durchaus groß ist, auch wenn einige dem langfristigen Erfolg der Programme skeptisch gegenüberstehen.

„Wir wollen die jungen Menschen“, betonte Carl-Michael Vogt von der Handwerkskammer Hannover. „Die Zusammenarbeit mit dem Ausland ist ein Zukunftsthema.“ Mit dem Projekt „Vamos! Europa, deine Zukunft“ will die Handwerkskammer junge perspektivenlose Spanier an Betriebe in der Region vermitteln. „Dabei konzentrieren wir uns auf Spanien, weil die Jugendarbeitslosigkeit dort erstmals in dieser Deutlichkeit thematisiert wurde.“

Gemeinsam mit einer andalusischen Partnerorganisation informiert die Handwerkskammer in Spanien über das Angebot. Wer schließlich in Deutschland ausgebildet werden möchte, muss einen sechsmonatigen Sprachkurs absolvieren. Via Internettelefon werden die Bewerber daraufhin zum Vorstellungsgespräch geladen. Ob Bewerber und Betrieb auch wirklich zusammen passen, soll ein dreimonatiges Praktikum im Betrieb zeigen. Dann erst kommt der Ausbildungsvertrag zustande.

Was in Hannover bislang noch Zukunftsmusik ist, hat sich unter ähnlichen Bedingungen im Emsland bereits bewährt. Zum ersten August haben dort 34 junge Europäer ihre Ausbildung begonnen. „Die kulturellen Herausforderungen sind dabei gar nicht so groß, wie gedacht“, sagte Dirk Lüerßen, Geschäftsführer des Vereins Wachstumsregion Ems-Achse. Dennoch steht den Jugendlichen ein Betreuer beiseite, der beispielsweise bei der Wohnungssuche helfen soll.

Bereits im vergangenen Jahr konnte der Verein sechs Auszubildende vermitteln. „In diesem Jahr haben wir die Jugendlichen vor Ort besser informiert“, berichtete Lüerßen. Im Emsland haben sich die Lehrlinge vor allem für Handwerksbetriebe und das Hotel- und Gaststättengewerbe entschieden. Aber auch technische Berufe sind gefragt.

Das Arbeitsministerium und die Bundesagentur für Arbeit unterstützen die Jugendlichen, die in Deutschland ausgebildet werden wollen. Mit dem Programm „The Job of My Life“ sollen Ausbildungsplätze vermittelt sowie Fördermittel vergeben werden.

„Wir unterstützen die Aktionen sehr, aber die Bilanz sieht gemischt aus“, sagte Andreas Lehr von der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland. Der Kulturschock sei für die jungen Leute oftmals sehr groß. „Der Weg von Pamplona ins nebelige Papenburg ist eben nicht so einfach.“ Außerdem müssten die Lehrlinge die Bereitschaft haben, sich in Deutschland zu integrieren - und zu bleiben. „Sonst ist der Handwerkswirtschaft nicht geholfen.“

Lena Klimkeit/dpa

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