Studentenwerke überfordert

Niedersachsen erreicht Studenten-Höchstzahl

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Foto: Überfüllte Lehrsäle: Die Zahl der Studenten hat in Niedersachsen einen neuen Höchststand erreicht.

Hannover - Die Zahl der Studenten hat in Niedersachsen einen neuen Höchststand erreicht. Die Abschaffung der Studiengebühren habe Hürden gesenkt und mehr Menschen ermutigt, ein Studium aufzunehmen, so Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic.Studentenwerke stehen vor Herausforderungen.

Zum Wintersemester 2014/2015 waren insgesamt 191.215 Männer und Frauen an Universitäten und Fachhochschulen in Niedersachsen eingeschrieben. Das sind 13.644 mehr als im Vorjahreszeitraum, wie das Landesamt für Statistik am Dienstag mitteilte.

Damit folgt Niedersachsen einem bundesweiten Trend. Deutschlandweit waren knapp 2,7 Millionen Studenten eingeschrieben – so viele wie nie zuvor. Niedersachsen konnte im Herbst 2014 rund 4 Prozent mehr Erstsemester in den Hochschulen verzeichnen als ein Jahr zuvor und lag bei diesem Zuwachs im Ländervergleich sogar auf Platz zwei hinter dem Saarland. Im Wissenschaftsministerium führt man das auf die Abschaffung der Studiengebühren zum Wintersemester 2014/2015 zurück. „Die Zahlen bestätigen unseren hochschulpolitischen Kurs“, sagte Ministerin Gabriele Heinen-Kljajic der HAZ. Die Abschaffung der Studiengebühren habe Hürden gesenkt und mehr Menschen ermutigt, ein Studium aufzunehmen.

Fast ein Drittel der 33 813 Studienanfänger in Niedersachsen entschieden sich im vergangenen Jahr für ein Studium in den Rechts-, Wirtschafts- oder Sozialwissenschaften. Rund jeder Fünfte schrieb sich für Mathematik oder eine Naturwissenschaft ein. Insgesamt waren im Wintersemester 2014/15 knapp 18 000 ausländische Studenten an Niedersachsens Hochschulen eingeschrieben. Ihr Anteil an allen Studenten blieb nahezu konstant. Sie studierten bevorzugt ein Ingenieurfach. An den Unis ist kaum noch Luft nach oben: Die Grundstudiengänge sind rechnerisch zu 96 Prozent ausgelastet, die Masterstudiengänge zu 87 Prozent.

Die Bewältigung des Studierendenansturms stelle insbesondere die Studentenwerke, die für Mensen, Cafeterien und Wohnheime zuständig sind, vor Herausforderungen, sagt Birgit Bornemann, Geschäftsführerin des Studentenwerks Osnabrück. Auch weil der private Wohnungsmarkt derzeit alles andere als entspannt sei, erwarte sie zum kommenden Wintersemester Schwierigkeiten. „Da wird es bei der Unterbringung nicht immer so funktionieren, wie die Studierenden sich das wünschen.“ Erfahrungsgemäß entspanne sich die Wohnungslage und -suche aber im Laufe des Semesters ein wenig. Ähnlich sieht es bei Mensen und Cafeterien aus. „Auch da müssen wir uns auf größere Kapazitätsbedarfe einstellen“, sagte Bornemann. Stehe die Sanierung einer Mensa an, werde gleichzeitig auch an eine Vergrößerung gedacht, wie derzeit etwa in Vechta.

Die niedersächsische Landesregierung will den Boom bei den Studierendenzahlen weiter anfachen und vor allem an den Fachhochschulen mit einem gesonderten Programm weitere Studienplätze schaffen. Das Land will damit auch den sogenannten „Brain Drain“ in den Griff bekommen: Niedersachsen verliert jedes Jahr im Saldo Tausende Abiturienten an andere Bundesländer, weil es nicht genügend Studienplätze anbietet. Für das Land eine ungute Entwicklung, da viele Studenten ihre ersten beruflichen Schritte meist im Umfeld ihrer Universität machen und damit Niedersachsen dauerhaft verloren gehen könnten.

Von Heiko Randermann und Valentin Frimmer

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