Fehlender Nachwuchs

Niedersachsen gehen die Beamten aus

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In den nächsten zehn Jahren werden zahlreiche Beamten in Niedersachsen, darunter auch Lehrer, in Pension gehen.

Hannover - Das Land Niedersachsen steht vor einer beispiellosen Pensionswelle. 26 Prozent der im Land beschäftigten Mitarbeiter werden in den nächsten zehn Jahren in den Ruhestand gehen. Es fehlt der Nachwuchs, damit freiwerdende Stellen wieder besetzt werden können.

Rund 196.000 Beschäftigte hat das Land, darunter Lehrer, Polizisten, Justizbedienstete und Verwaltungsangestellte. Das sind zum größten Teil Beamte, zum kleineren Angestellte. Von diesen 196.000 Mitarbeitern werden in den nächsten zehn Jahren 52.000 in den Ruhestand gehen – das sind etwa 26 Prozent. Der Vorsitzende des Beamtenbundes, Friedhelm Schäfer, mahnt: „Wir bilden nicht genügend Fachkräfte aus, um alle freiwerdenden Stellen qualifiziert wieder besetzen zu können.“

Die Zahlen folgen aus dem bislang internen „Personalstrukturbericht des Landes“, der jetzt vom Innenministerium fertiggestellt wurde. Darin stellt die Landesregierung für das Jahr 2012 die Zahl der Mitarbeiter, die erwarteten Altersabgänge und die Nachwuchsgewinnung gegenüber. Allein die Altersstruktur für den öffentlichen Dienst in Niedersachsen beschreibt schon das Problem: Das Durchschnittsalter beträgt 47,7 Jahre, fast jeder zweite ist älter als 50, aber nur jeder Vierte ist jünger als 40. In fünf Jahren, also bis 2017, werden 20 000 Mitarbeiter in den Ruhestand wechseln, in zehn Jahren, also bis 2022, steigt diese Zahl auf 52.000.

Nach Ansicht des Beamtenbundes spitzt sich die Situation vor allem in der Steuerverwaltung zu. 12.000 Mitarbeiter haben die Finanzämter, in den nächsten fünf Jahren werden 1016 in Rente geschickt, in zehn Jahren sind es 3200. Im Jahr 2012 waren hier 745 Auszubildende und Anwärter tätig. „Wenn im kommenden Jahr neue Anwärter hinzukämen, wären diese frühestens 2017 oder 2018 fertig – also dann, wenn die Zahlen der Pensionierten zunehmen“, erklärt Beamtenbund-Vorsitzender Friedhelm Schäfer und fügt hinzu: „Wir brauchen eine hoch qualifizierte Verwaltung. Bisher ist nicht einmal ansatzweise zu erkennen, wie die Landesregierung das Problem der Nachwuchsgewinnung lösen will.“

Problematisch ist auch die Situation bei der Polizei. 22 000 Mitarbeiter sind hier tätig, überwiegend Beamte. 6600 von ihnen gehen in den kommenden zehn Jahren in den Ruhestand. Die Zahl der Anwärter, die sich gegenwärtig in ihrer dreijährigen Ausbildung befinden, beträgt derzeit rund 1700. „Auf die Dauer sind diese Zahlen zu niedrig, um die frei werdenden Stellen wieder besetzen zu können“, erklärt Schäfer.

Dramatisch klingen die Zahlen für die Schulen: Von den 81.000 Lehrern werden in den kommenden zehn Jahren 21.000 gehen. In diesem Bereich wird die Pensionswelle allerdings auch begleitet von rückläufigen Schülerzahlen. Das gäbe der rot-grünen Landesregierung die Möglichkeit, die Stellen frei werdender Pädagogen zu streichen.

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