Seltene Arten

Niedersachsen wird wilder

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Foto: Naturschützer haben im Auetal im Kreis Schaumburg zum ersten Mal Gelbbauchunken und deren Kaulquappen ausgesetzt.

Auetal/Rehburg-Loccum - Zahlreiche Projekte in Niedersachsen starten mit dem Ziel, ausgestorbene oder seltene Arten wieder anzusiedeln. Beim Luchs hat es geklappt, bei anderen Tieren ist es noch ungewiss.

Sie haben einen gelbschwarz gemusterten Bauch und herzförmige Pupillen: Naturschützer haben im Auetal im Kreis Schaumburg zum ersten Mal Gelbbauchunken und deren Kaulquappen ausgesetzt. Der stark gefährdete Froschlurch soll in Niedersachsen und anderen Bundesländern wieder heimisch werden. Dazu wurde in bundesweit acht Regionen ein vom Bundesumweltministerium gefördertes Projekt gestartet.

„Es gibt zahlreiche Beispiele für erfolgreiche Wiederansiedlungen wie Biber, Fischotter oder Uhu“, sagte der Wildtier-Experte am Frankfurter Senckenberg Institut, Carsten Nowak, der Deutschen Presse-Agentur. Dies gelte vor allem für Arten, die vom Menschen ausgerottet worden seien. Ein prominentes Beispiel ist die Rückkehr des Luchses in den Harz nach fast 200 Jahren. Zwischen der Jahrtausendwende und 2006 wurden hier 24 Tiere in die Freiheit entlassen, inzwischen erobert die Raubkatze weitere Regionen.Schwierig gestaltet sich Nowak zufolge dagegen die Auswilderung von Auerhuhn, Birkhuhn oder Haselhuhn, weil der ursprüngliche Lebensraum dieser Vögel verschwunden sind.

Das Umweltministerium in Hannover führt eine Liste namens „Arche Niedersachsen“, mit aktuell 29 Tierarten. Bei ihnen wird geprüft, wie sie wieder anzusiedeln sind beziehungsweise ihr Bestand gestützt werden kann. So haben Nabu-Mitarbeiter Ende Juni erstmals 14 Europäische Sumpfschildkröten am Steinhuder Meer ausgesetzt. Die Tiere gelten in weiten Teilen Deutschlands als ausgestorben. „Dies liegt vor allem an der Zerstörung ihrer Lebensräume“, sagte Projektleiterin Martina Meeske.

Jährlich sollen nun 10 bis 50 der überwiegend im Wasser lebenden Schildkröten freigelassen werden. Ein Knackpunkt ist dabei, ob sich die Reptilien fortpflanzen werden. Fuchs, Wildschwein, Waschbär und andere fressen ihre Eier. Große Fische machen sich über die geschlüpften Jungtiere her.

Die Fachbehörde für Naturschutz NLWKN dokumentiert das Vorkommen von 12.000 Tier- und Pflanzenarten in Niedersachsen. Davon sind laut Umweltministerium rund 38 Prozent in ihrem Bestand gefährdet. Beispielsweise der Adler und der Kranich hätten sich in den vergangenen Jahren aber höchst erfreulich entwickelt, sagte Ministeriumssprecherin Inka Burow.

Die Gelbbauchunke - der Lurch des Jahres 2014 - kam bis in die 1950er Jahre häufig vor. Die Amphibien verschwanden, weil landwirtschaftliche Flächen trockengelegt und Flussauen begradigt wurden. In der Vergangenheit seien einige Wiederansiedlungsvorhaben gescheitert, weil zu wenig Tiere in ungeeignete Gebieten ausgesetzt wurden, sagte Nabu-Projektmitarbeiter Christian Höppner.

dpa

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