Sanierung des Straßennetzes

Niedersachsens Brücken verfallen

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Nur eingeschränkt nutzbar: Die Südschnellwegbrücke in Hannover.

Hannover - Die Mängel an Brücken von Autobahnen und Bundesstraßen in Niedersachsen nehmen zu: Aktuell wird der Zustand von 182 Brücken zwischen Ems und Elbe als ungenügend oder nicht ausreichend eingestuft.

Vier Jahre zuvor fielen nur 135 Brücken in diese Kategorien. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion hervor.

Fünf Brücken in Niedersachsen sind laut Bundesregierung wegen baulicher Mängel nur noch eingeschränkt nutzbar, bei fünf weiteren sind Fahrstreifen gesperrt worden – darunter die Südschnellwegbrücke über die Hildesheimer Straße in Hannover. Nur 1312 der insgesamt knapp 5400 Brücken in Niedersachsen wurde ein guter oder sehr guter Zustand bescheinigt.

Ursache für den Verfall ist das Alter der Bauwerke. Das Straßennetz wurde vor allem nach dem Krieg bis in die Siebzigerjahre massiv ausgebaut. Heute sind 65 Prozent der Brücken über 30 Jahre alt, nur 7 Prozent sind in den letzten zehn Jahren entstanden oder komplett erneuert worden.

„Die Antworten auf unsere Kleine Anfrage zeigen ganz deutlich: Auch in Niedersachsen verfallen die Brücken von Autobahnen und Bundesstraßen“, urteilte Sven-Christian Kindler, haushaltspolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion. Der Bund müsse seine Verkehrspolitik auf den Erhalt und die Sanierung der bestehenden Straßen und Brücken ausrichten – und im Gegenzug auf teure Neubauprojekte verzichten. „Milliardenschwere Luftschlösser wie die A 39 und die A 20 sind nie im Leben finanzierbar“, so Kindler. „Die Betonköpfe in der Union und der SPD müssen das endlich einsehen.“

Doch im SPD-geführten Landeswirtschaftsministerium in Hannover will man sich dieser Argumentation nicht anschließen. Es sei korrekt, dass der Sanierungsbedarf bei den bestehenden Brücken hoch sei, sagte ein Sprecher. Das liege daran, dass das Straßennetz den heutigen Anforderungen nicht dauerhaft gewachsen sei. Straßen und Brücken seien in den Nachkriegsjahren konzipiert worden – sowohl die Menge als auch das Gewicht der Fahrzeuge habe sich seither deutlich erhöht. „Wir überlasten unsere Brücken chronisch“, so der Ministeriumssprecher. Der Neubau einer Autobahn wie der A 39 zwischen Wolfsburg und Lüneburg oder der Küstenautobahn  20 könne helfen, die bestehende Infrastruktur zu entlasten.

Die Entscheidung über den Bau der Autobahnen trifft der Bund, Niedersachsen hat aber die planerische Vorarbeit geleistet und die Trassen neben Dutzender weiterer Projekte zum Bundesverkehrswegeplan angemeldet. Am Ende werden nur eine Handvoll dieser Projekte tatsächlich Berücksichtigung finden. Ob die Autobahnen dabei sind, wird sich wohl in diesem Herbst zeigen, denn dann will der Bund nach jahrelanger Diskussion endlich den Bundesverkehrswegeplan veröffentlichen. Die Regularien geben keinen Hinweis, in welche Richtung die Entscheidung gehen könnte: Der Erhalt von Straßen soll bei der Vergabe von Mitteln Vorrang haben, doch bei dringendem Bedarf werden neue Straßen nicht ausgeschlossen.

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