Keine Spur

Niedersachsens ungeklärte Kriminalfälle

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Handzettel mit dem Foto des vermissten Mädchens Jenisa vor dem Ihme-Zentrum in Hannover.

Hannover - Vermisst, ermordet, nicht identifiziert: Es gibt Fälle, die die Polizei nicht lösen kann. Die Akten werden geschlossen - zum Frust der Ermittler und Angehörigen.

Vor fünf Jahren verschwand Jenisa aus Hannover. Das acht Jahre alte Mädchen wollte eine Tante besuchen, die aber nicht zu Hause war. Eine Nachbarin sah das Mädchen noch im Fahrstuhl - dann verliert sich seine Spur. Kleidung und Schuhe von Jenisa wurden wenige Tage später an einer Autobahnauffahrt rund 20 Kilometer von ihrem Elternhaus entfernt gefunden. Die Polizei durchsuchte Waldstücke und einen Kanal - ohne Erfolg. Ein Tatverdächtiger wurde wieder freigelassen.

Jenisa gehört zu den insgesamt 1006 Personen in Niedersachsen, die seit 1964 vermisst werden. Bei 66 von ihnen nehmen die Behörden als mögliches Motiv eine Straftat an. Aber auch 169 nicht identifizierte Tote stünden seit 1967 landesweit auf der Liste, berichtet Anke Smug, Sprecherin des Landeskriminalamtes Hannover. Und es gibt ungeklärte Mordfälle, bei denen die Ermittler nicht weiter kommen.

Keine Leiche, wohl aber ein Verbrechen: Im März 2004 verschwand der 37-jährige Stefan H. aus Hameln. Er soll sich zuletzt häufig bei einer vierköpfigen Familie aufgehalten haben. Die Eltern wurden im März 2011 wegen sexuellem Missbrauch an ihrer Tochter verurteilt. Gegen sie und die inzwischen erwachsenen Kinder ermittelt die Behörde wegen des Verdachts des Totschlags an Stefan H. „Während des Prozesses wurden Aussagen gemacht, die darauf hindeuten“, sagte Kathrin Söfker von der Staatsanwaltschaft Hannover. Zeugen sprachen von Exorzismus. Die Familie bestreitet, den Mann umgebracht zu haben. Nach der Leiche wurde an mehreren Stellen gegraben - ohne Erfolg.

Seit März 2009 ist auch Nancy K. aus Cuxhaven verschwunden. Die Leiche der 26-Jährigen wurde nie gefunden, doch die Ermittler gehen von einer Straftat aus. Seit drei Jahren hat die junge Frau keine Spuren hinterlassen. Ihr ehemaliger Lebensgefährte galt als Hauptverdächtiger, doch die Indizien reichten nicht aus, um Anklage zu erheben. Ein Jahr nach ihrem Verschwinden wurden die Ermittlungen eingestellt, Anfang diesen Jahres wieder aufgenommen. Nach der Aussage eines Zeugen habe die Polizei in einem Waldstück nach der Leiche gesucht - jedoch erfolglos, sagte Kriminalhauptkommissar Robert Kalka von der Polizei Cuxhaven.

Rätsel gibt der Polizei Aurich ein Toter auf, den niemand vermisst. Im Juli 2010 entdeckten Spaziergänger am Nordstrand von Norderney eine männliche Leiche, bekleidet mit einer Badehose. Die Obduktion ergab: Der Mann ist 60 bis 70 Jahre alt, hat vermutlich beim Baden einen Herzinfarkt erlitten und ist ertrunken. „Wir haben kein Hotelbett oder Auto gefunden, das dem Toten zugeordnet werden kann“, sagte Kriminalhauptkommissar Uwe Baumer von der Polizei Aurich. Auf keinem Campingplatz und in keiner Unterkunft auf den Nachbarinseln und dem Festland wurde ein Gast vermisst. „Die Zähne des Toten deuten auf einen Osteuropäer hin, doch auf Auslandsanfragen haben wir bislang keine Antworten erhalten“, berichtete Baumer.

Zwei ungelöste Morde beschäftigen Polizei und Staatsanwaltschaft in Hannover. Im November 2011 wurde die 20 Jahre alte Annika B. auf offener Straße in Hannover erstochen. Obwohl Zeugen den Täter gesehen haben und es eine präzise Phantomskizze des Mannes gibt, wurde er nicht gefasst. Es gibt keine heiße Spur.

Eine solche fehlt auch im Fall Monika P.: Spaziergänger entdeckten am Neujahrstag 2010 den zerstückelten Körper der Gelegenheitsprostituierten in Müllsäcke verpackt unter einer Brücke in Hannover. Zwei Massengentests brachten keinen Erfolg. Die Ermittlungsakten sind noch nicht geschlossen. „Es fehlen noch Speichelproben“, sagte Holger Hilgenberg, Sprecher der Polizei Hannover. Aber es gibt es keine vielversprechende Spur.

dpa

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