Islamistengruppe Boko Haram

Nigeria erinnert an verschleppte Schülerinnen

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Foto: Zentrale Gedenkfeiern fanden am Dienstag in der Hauptstadt Abuja statt; dort wurde unter anderem eine Mahnwache abgehalten.

Chibok - Die Tat hatte weltweit für Aufsehen gesorgt: Vor einem Jahr entführte die Islamistengruppe Boko Haram mehr als 200 Schülerinnen aus einem Internat im nigerianischen Chibok. Mit Mahnwachen, Gebeten und Versammlungen wurde am Dienstag in Nigeria und weltweit an die Massenentführung erinnert.

Nigerias neugewählter Präsident Muhammadu Buhari dämpfte allerdings die Hoffnung, dass die Mädchen jemals gefunden werden. Zentrale Gedenkfeiern fanden am Dienstag in der Hauptstadt Abuja statt; dort wurde unter anderem eine Mahnwache abgehalten. Die Kampagne #BringBackOurGirls (Bringt unsere Mädchen zurück) erinnerte auch in anderen Ländern an das Schicksal der Mädchen. Das Empire State Building in New York sollte am Dienstag rot und lila angestrahlt werden, um die Gewalt gegen Frauen anzuprangern. In Chibok selbst gab es keine Veranstaltungen. Ein Stammesältester betonte, der Ort lebe in „ständiger Angst“ vor Boko Haram.

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Die Islamistengruppe hatte vor einem Jahr 276 Mädchen aus einem Internat in Chibok im Nordosten Nigerias verschleppt. Dutzende von ihnen konnten später fliehen, doch blieben 219 Schülerinnen in der Gewalt der Islamisten. Boko-Haram-Chef Abubakar Shekau erklärte später, sie alle seien zum Islam konvertiert und verheiratet worden. Ein letztes Lebenszeichen hatte es im Mai vergangenen Jahres gegeben, als die Mädchen in einem Video der Gruppe auftauchten.

Buhari erklärte am Dienstag, eine Rückkehr der Schülerinnen könne nicht garantiert werden. „Wir wissen nicht, ob die Mädchen aus Chibok gerettet werden können, ich kann nicht versprechen, dass wir sie finden.“ Der Aufenthaltsort der Mädchen sei weiterhin unklar. Dennoch versichere er den Eltern, Angehörigen und Freunden der Kinder, dass seine Regierung alles in ihrer Macht stehende tun werde, um die Mädchen zurückzubringen, erklärte der neue Präsident.

Buharis Vorgänger, der scheidende Präsident Goodluck Jonathan, hatte immer wieder betont, die Mädchen zurückzubringen, jedoch keine Einzelheiten genannt. Buhari bekräftigte nun eine „ehrliche“ Politik und eine Abkehr vom Vorgehen Jonathans. „Wir werden anders als die Vorgängerregierung handeln, wir fühlen die Qual unserer Bürger und wollen entsprechend handeln.“„Heute ist die Zeit, um an den Schmerz und das Leid der Opfer zu denken, an das ihrer Freunde und Familien“, erklärte Buhari. Ganz Nigeria fühle mit ihnen. „Lasst uns diesen Jahrestag dazu nutzen, uns daran zu erinnern, dass der Angriff von Boko Haram ein Angriff auf die Träume und Hoffnungen unserer Jugend war.“ Sobald Boko Haram besiegt sei, wolle er die Bildung vor allem für Mädchen im verarmten Norden des Landes verbessern.

Laut der Menschenrechtsorganisation Amnesty International werden die vor einem Jahr entführten Mädchen in verschiedenen Boko-Haram-Camps festgehalten. Sie seien nach Nigeria, Kamerun und in den Tschad verschleppt worden, heißt es unter Berufung auf Armeevertreter in einem Amnesty-Bericht vom Dienstag.

Boko Haram, deren Name sich mit „westliche Bildung ist verboten“ übersetzen lässt, kämpft seit 2009 im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias mit Gewalt gegen die Behörden und tötete bereits mehr als 13.000 Menschen. Seit Anfang 2014 soll Boko Haram laut Amnesty schätzungsweise mindestens 2000 Mädchen und Frauen entführt haben. Viele von ihnen seien als Sexsklavinnen missbraucht und dazu gezwungen worden, sich an den Angriffen der Gruppe zu beteiligen.

afp

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