Hohe Pachtkosten am JadeWeserPort

Nordfrost verklagt das Land Niedersachsen

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Noch geht nicht viel am JadeWeserPort. Im ersten Jahr wurden nur 100 000 Boxen statt 700 000 umgeschlagen.

Wilhelmshaven - Auch im neuen Jahr macht Deutschlands einziger Tiefwasserhafen Negativ-Schlagzeilen. Das erste und bisher einzige dort angesiedelte Unternehmen Nordfrost klagt nun gegen das Land Niedersachsen wegen hoher Pachtkosten. Dabei sei dem Logistikunternehmen die Aussetzung des Erbpachtzinses angeboten worden sein, sagt Wirtschaftsminister Olaf Lies.

Das Tiefkühl-Logistikunternehmen Nordfrost klagt gegen das Land Niedersachsen wegen des schleppenden Umschlags am neuen Tiefwasserhafen JadeWeserPort. Die 720 000 Euro jährliche Erbpacht für das Hafengrundstück seien zu hoch, sagte Geschäftsführer Horst Bartels zu einem Bericht der Oldenburger "Nordwest-Zeitung" (Mittwoch). Der Betrag sei nur bei stärkerem Hafenbetrieb gerechtfertigt. Davon sei der JadeWeserPort jedoch weit entfernt. Daneben will Nordfrost Schadenersatz wegen der Bauverzögerungen des Projektes.

Deutschlands einzigen Tiefwasserhafen können Frachter mit einem Tiefgang bis zu 16,5 Metern unabhängig von den Gezeiten anlaufen. Das am 21. September 2012 eröffnete Prestigeobjekt der Länder Niedersachsen und Bremen kommt jedoch bislang nicht in Schwung. Statt der angepeilten 700 000 Standardcontainer (TEU) wurden im ersten Betriebsjahr nur rund 100 000 Boxen umgeschlagen. Zudem sind mehr als 300 der 400 Mitarbeiter bis zum Frühling in Kurzarbeit. Der Hafenbetreiber Eurogate hofft dennoch, dass der Hafen in den nächsten zehn Jahren bis zur vollen Kapazität hoch läuft. Diese liegt nach früheren Berechnungen bei jährlich bis zu 2,7 Millionen TEU.

Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) bedauerte den Schritt von Nordfrost. Das Land sei dem Unternehmen sehr dankbar für die frühe Ansiedlung und habe nachträglich die Aussetzung des Erbpachtzinses für ein Jahr angeboten. Darauf sei Nordfrost jedoch nicht eingegangen. Bartels betonte, sein Betrieb beziehe vorrangig Frischobst aus Übersee und habe sich daher am neuen Hafen angesiedelt. Wenn der schleppende Umschlag früher bekanntgewesen wäre, wäre das Unternehmen lieber vom alten Standort in Schortens (Kreis Friesland) nach Bremerhaven statt nach Wilhelmshaven umgezogen.

dpa

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