Selbstanzeigen in Niedersachsen steigen

Nordheide hat die meisten Steuersünder

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Foto: Finanzminister Peter-Jürgen Schneider erwartet immense Steuernachzahlungen.

Hannover - Niedersachsens Finanzminister Peter-Jürgen Schneider freut sich über eine Flut von Selbstanzeigen. Allein in Hannover meldeten sich 970 Steuersünder.

Der Fall des Bayern-München-Präsidenten Uli Hoeneß und der Ankauf von Daten-CDs aus der Schweiz haben in den vergangenen zwei Jahren auch in Niedersachsen viele Steuersünder aufgeschreckt. Die Finanzämter registrierten über Monate steigende Zahlen von Selbstanzeigen. Die meisten Steuersünder meldeten sich im Hamburger Umfeld, den Kreisen Cloppenburg und Gifhorn und der Region Hannover.

Das erfolgreichste Finanzamt war Buchholz in der Nordheide, das zum Hamburger Speckgürtel gehört: 245 Anzeigen gingen hier in den Jahren 2013 und 2014 ein. Auf Platz zwei liegt das Finanzamt im landwirtschaftlich geprägten Cloppenburg mit insgesamt 227 Selbstanzeigen. Viel zu tun hatten auch die Finanzbeamten im Landkreis Gifhorn, der stark von der Autoindustrie und dem benachbarten Volkswagen-Werk geprägt wird. Hier mussten 218 Selbstanzeigen bearbeitet werden.

Fast 4000 Selbstanzeigen in 2014

Die größte Ballung an Selbstanzeigen findet sich aber in der Region Hannover – so hat es allein in Burgdorf in den vergangenen zwei Jahren 199 gegeben. Zählt man die Zahl der Selbstanzeigen der Jahre 2013 und 2014 in Hannover-Mitte (222), Hannover-Nord (204), Hannover-Süd (209), Hannover-Land I (222) und Hannover-Land II (113) zusammen, kommt man auf die stolze Zahl von 970  Selbstanzeigen in der Region. Die hohe Zahl relativiert sich aber, wenn man sieht, dass der ­hannoversche Anteil an den Selbstanzeigen (14,5 Prozent) ziemlich genau dem Anteil der Regionsbewohner an der niedersächsischen Bevölkerung (13,9 Prozent) entspricht.

Insgesamt verzeichneten Niedersachsens Finanzämter im vergangenen Jahr 3797 Selbstanzeigen, 2013 waren es 2862 (plus 33 Prozent). In früheren Jahren lag die Zahl meist um die 1200 Selbstanzeigen. Neben dem spektakulären Hoeneß-Fall habe vor allem der Kauf von Daten-CDs aus der Schweiz und die seit dem 1. Januar gültige Verschärfung der Regeln für Selbstanzeigen Druck erzeugt, sagt Niedersachsens Finanzminister Peter-Jürgen Schneider (SPD). „Seit diesem Jahr ist die Abgabe einer Selbstanzeige deutlich teurer, und die Hürden liegen deutlich höher. Viele haben das erkannt und den Weg in die Steuerehrlichkeit rechtzeitig eingeschlagen.“

Selbstanzeige muss vollständig und korrekt sein

So ist die Grenze, bis zu der eine Selbstanzeige ohne Aufschlag straffrei bleibt, von 50 000 Euro auf 25 000 Euro gesenkt worden. Zudem muss die Selbstanzeige vollständig und korrekt sein, schon ein kleiner Fehler kann sie unwirksam werden lassen. Da seien dann die Steuerberater gefragt, sagt Schneider schmunzelnd. Die neue Gesetzeslage werde aber auch dazu führen, dass die Rekordzahlen bei Selbstanzeigen der Vergangenheit angehören: „Ich erwarte einen deutlichen Rückgang“, so Schneider.

Für Daten-CDs mit Steuerdaten aus der Schweiz hat Niedersachsen seit 2010 rund 855 000 Euro ausgegeben und im Gegenzug 261 Millionen Euro eingenommen. Die CDs sind zu etwa drei Vierteln ausgewertet. Wie viel das Land durch Selbstanzeigen eingenommen hat, konnte Schneider nicht sagen. Entscheidend sei, dass man es geschafft habe, das System der Schweizer Schwarzkonten zu beenden, so der Minister.

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