Raumfahrt

Nordholz greift nach den Sternen

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Von 2014 an sollen die Raumschiffe dem Unternehmen Xcor zufolge rund einmal pro Woche von dem Flugplatz bei Cuxhaven aus starten.

Nordholz - Ein US-Unternehmen will vom Flugplatz Nordholz aus Forscher und Touristen bis an das All befördern. Während Firmenvertreter und Flughafenbetreiber zuversichtlich Pläne schmieden, zeigt sich die Flugsicherung noch skeptisch.

Der Landkreis Cuxhaven will ein Schwergewicht in der kommerziellen Raumfahrt werden. Vom Militärflughafen der Gemeinde Nordholz aus sollen bald Flugzeuge mit Raketenantrieb bis an die Grenze des Alls fliegen, wie Flughafenchef Thomas Lötsch ankündigte. Das US-amerikanische Raumfahrtunternehmen Xcor Aerospace plant, Forscher und Touristen mit seinem Raketenflugzeug „Lynx“ rund 100 Kilometer über die Erdoberfläche zu befördern. Bei der Bremer Flugsicherung ist jedoch noch keine Genehmigung beantragt worden.

Das Raumschiff „Lynx“ befindet sich noch in der Entwicklung. Es soll bei den Ausflügen ins All neben dem Piloten jeweils einem Fluggast bis zu sechs Minuten Schwerelosigkeit ermöglichen. Dabei hebt das Flugzeug horizontal mit Raketenantrieb ab und steigt dann senkrecht nach oben. „Wir fliegen in 100 Kilometer Höhe, womit gerade die Grenze des Weltraums überschritten wird“, sagte Projektkoordinatorin Uta Marita Meissner von Xcor.

Bei den Weltraumflügen soll die zivile Forschung beispielsweise mit Gravitationsexperimenten im Vordergrund stehen. „Die Höhe ist sehr interessant für die Forschung“, sagte Meissner. Von oben könnten Planeten beobachtet und die Atmosphäre untersucht werden. Auch reichen Weltraumtouristen sollen die Ausflüge ins All für mehrere Zehntausende Euro offenstehen.

Raumschiffe sollen ab 2014 starten

Die Projektbeteiligten geben sich zuversichtlich hinsichtlich des Vorhabens und rechnen in den kommenden Monaten mit ersten Testflügen des „Lynx“-Flugzeugs in der Mojave-Wüste im Westen der USA. „Wir versuchen den Standort Nordholz nach erfolgreichen Testflügen nächstes Jahr mit dem Shuttle zu beleben“, kündigte Meissner an. Von 2014 an sollen die Raumschiffe dem Unternehmen zufolge rund einmal pro Woche von dem Flugplatz bei Cuxhaven aus starten.

Nordholz ist für das Weltraumprojekt aus mehreren Gründen ein interessanter Standort. „Nordholz ist attraktiv, weil es am Meer liegt, lange Rollbahnen und nur wenig Bevölkerung hat, und der Militärflughafen der zivilen Luftfahrt nicht in die Quere kommt“, sagte Meissner. Zudem sei die Nähe zur Luft- und Raumfahrtindustrie in Bremen und Hamburg ausschlaggebend, sagte Flughafenchef Lötsch.

Die Firma Xcor hatte bereits im März 2012 einen Antrag bei der Luftfahrtbehörde Oldenburg gestellt. Derzeit verhandelt der Nordholzer Flughafen mit der Raumfahrtfirma über den Kauf von Flächen. „Wir kommen gut voran“, sagte Flughafenchef Lötsch, der auch in der Wirtschaftsförderung des Landkreises Cuxhaven tätig ist. Hinsichtlich der kommerziellen Raumfahrt entstehe langsam eine ganze Industrie.

„Echt große Nummer“

Unter Marketingaspekten sei die Sache für Nordholz unbezahlbar, sagte Lötsch. „Wenn es klappt, kann es eine echt große Nummer werden.“ Forschungsgesellschaften hätten bereits Flüge gebucht. „Wir haben noch eine Reihe an Unbekannten zu klären. Aber so wie es aussieht, sind alle ausstehenden Fragen positiv zu beantworten.“

Die Flugsicherung Bremen muss die Stippvisiten in luftige Höhen genehmigen und zeigt sich deutlich skeptischer. „Wir haben bisher nichts Offizielles vom Unternehmen gehört und niemand hat bei uns eine Genehmigung beantragt“, sagte Sprecherin Anja Naumann. Der Luftraum müsse für die Weltraumflüge gesperrt und mit den zivilen Flügen koordiniert werden. „Wir wissen bisher nichts von den Plänen und von Bemühungen, das zu koordinieren“, so die Sprecherin. „Deshalb gehen wir nicht davon aus, dass das in den nächsten Jahren stattfinden wird.“

dpa

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