Wal auf Juist gestrandet

„In der Nordsee ist es zu laut"

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Stephan Lutter, WWF-Meeresschutzexperte.

Juist - Die Bergung des acht Meter langen Kadavers, der am Wochenende auf Juist gestrandet ist, gestaltet sich schwierig. WWF-Meeresschutzexperte erklärt, welche Wale es gibt und warum sie stranden und sterben.

Welche Wale gibt es in Nord- und Ostsee?

Der heimischer Wal ist der Schweinswal oder Kleine Tümmler, ein mit den Delfinen verwandter Zahnwal.Schweinswale schwimmen sogar bis in die Flussmündungen von Weser und Elbe. In der Nordsee gibt es Tausende Tiere, in der inneren Ostsee ist der Bestand auf etwa 600 gesunken und stark bedroht. Alle Bestände sind stark unter Druck, weil viele Tiere als Beifang in Fischernetzen ertrinken und verenden. In den südlichen Randbereichen der Nordsee tauchen neuerdings vermehrt auch Zwergwale auf - man kann sie fast schon zu den heimischen Walen rechnen. Alle andere Walarten in der südlichen Nord- und der Ostsee sind Tiere, die sich verirrt haben.

Woran sterben die Wale?

Eine wenig bekannte Todesursache sind Kollisionen mit Schiffen. Daneben verfangen sich viele Kleinwale in den feinen Stellnetzen der Fischer, die sie mit ihrem Sonar nicht orten können. Und dann kommt es vor, dass Wale ihre Orientierung verlieren und stranden. Weil ihre Kommunikation durch zunehmenden Unterwasserlärm gestört wird. Es ist einfach zu laut.

Wer macht so viel Lärm unter Wasser?

Zum einen werden bei militärischen Übungen und bei Untergrunderkundungen Sonare mit einem hohen Schalldruck eingesetzt. Dieser Lärm schädigt das empfindliche Gehör der Tiere. Lärm gibt es auch bei der Errichtung von Offshoreanlagen oder Ölplattformen. Laut wird’s, wenn beispielsweise die Pfähle für Fundamente in den Meeresboden gerammt werden.

Warum werden Wale meist um diese Jahreszeit angeschwemmt?

Im Spätsommer tauchen tatsächlich mehr tote Wale an unseren Küsten auf, die im Laufe des Jahres umgekommen sind. Zuerst sinken die Kadaver ab, dann bilden sich besonders während des Sommers im wärmeren Wasser schnell Gase, und der Wal taucht auf.

Wie lassen sich heimischen Schweinswale besser schützen?

Die Regierung muss endlich einen Antrag an die EU-Kommission stellen, damit schädliche Fischereimethoden untersagt werden.

Interview: Heike Manssen

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