Badeunfälle an der Küste

Nordsee nicht sicherer als Ostsee

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Foto: Franz Bergmann (64) ist Abschnittsleiter für die DLRG auf der ostfriesischen Insel Langeoog.

Langeoog - Nach mehreren tödlichen Badeunfällen an der Ostsee hat die Polizei Urlauber vor den Gefahren gewarnt. Auch wenn die Verhältnisse an der Nordsee in Niedersachsen gänzlich anders sind, Badegäste können hier schnell in Lebensgefahr geraten, warnt Franz Bergmann von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) auf der ostfriesischen Insel Langeoog.

2013 starben sieben Menschen an der niedersächsischen Küste. In dieser Saison hat es hier im Unterschied zur Ostseeküste noch keine Toten gegeben. Haben wir bisher Glück gehabt, oder ist das Rettungssystem an der Nordsee besser als an der Ostsee? Am Rettungssystem liegt es sicher nicht, vielleicht sind die Ostseestrände sogar personell besser bestückt als wir. Die Hauptgefahrenquellen an Nord- wie Ostsee sind meistens starke Strömungen durch bestimmte Windrichtungen. Und derzeit bereiten eben diese starken auflandigen Winde an der Ostsee Sorgen. Das kann bei uns auch passieren, wenn der Wind auf Nord oder Nordwest dreht.

Lassen sich diese Gefahrenstellen vorhersehen? Jede Insel hat ihre besonderen Probleme, etwa durch Sturmschäden. 2013 hat das Orkantief „Xaver“ auf Wangerooge große Teile der Strände weggespült. Dort haben wir jetzt sehr starke Querströmungen. Die sind auch auf Juist und Spiekeroog zu spüren. Zudem haben Bauwerke wie Buhnen oder Sandbänke Einfluss auf die Strömung. Diese entwickelt manchmal stündlich eine ganz eigene Dynamik. Erfahrene Rettungsstationen kennen diese Problematik, müssen das aber jedes Jahr buchstäblich erfahren. Unsere Rettungsschwimmer loten diese Veränderungen etwa beim Befahren mit speziellen Kajaks aus. Mit diesen kleinen Booten holen wir auch Schwimmer aus dem Wasser oder Spaziergänger von Sandbänken zurück.

Was gibt es noch für Gefahren? Im Wattenmeer, aber auch auf den Seeseiten der Inseln bilden sich immer wieder Priele mit reißender Strömung. Durch diese Rinnen fließen die Wassermassen so stark, dass selbst kräftige Schwimmer nicht dagegen ankommen. Besser ist es, dazu parallel zu schwimmen, um aus dem Sog wieder heraus zu kommen. Beim Schwimmen in starkem Wellengang in der Nähe von Buhnen droht Verletzungsgefahr. Die letzten Todesfälle an der Küste aber gab es bei Badegästen, die gesundheitlich vorgeschädigt waren, etwa durch einen Herzinfarkt.

Was sind die besten Tipps für sicheres Baden in der Nordsee? Nur in Badezeiten in gekennzeichneten Badezonen schwimmen. Darüber sollte man sich an jedem Badestrand der Welt schlau machen und Warnschilder sowie rote Flaggen beachten. Und bei ablandigem Wind ist es höchst leichtsinnig, mit Luftmatratze oder Schlauchboot hinaus zu fahren.

Zur Person

Franz Bergmann (64) ist Abschnittsleiter für die DLRG auf der ostfriesischen Insel Langeoog. Dort sorgen neun Rettungsschwimmer für Sicherheit an drei Badestränden mit jeweils 250 Meter Länge. Bergmann kennt neben Wangerooge und Borkum auch die Strandverhältnisse an der Ostsee wie auf Hiddensee und Graal-Müritz (Mecklenburg-Vorpommern).

dpa

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