Flutkatastrophe

Notdeich droht abzusacken

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Foto: Bundeskanzlerin Angela Merkel informierte sich in Hitzacker über die Lage in der Kleinstadt an der Elbe.

- Der Norden Deutschlands kämpft gegen das Hochwasser. Die Pegelstände stagnieren, von Entspannung möchte jedoch niemand reden. In Neu Darchau droht der Notdeich abzusacken. Derweil will die Bundesregierung einen Hilfsfonds mit acht Milliarden Euro auflegen.

22:12 Uhr : Nach Merkel kommt nun auch der Verteidgungsminister. Thomas de Maizière (CDU) wird morgen in Dannenberg im Hochwassergebiet an der Elbe eingesetzte Soldaten treffen. Er will sich ein Bild von der Lage machen und mit Soldaten des Logistikbataillons 141 sprechen. Die Bundeswehr überwacht in Niedersachsen mit Aufklärungsflugzeugen die Deiche. Von der aktuellen Lage und dem Besuch des Ministers berichten wir auch morgen. Damit beenden wir den Liveticker zum Hochwasser für heute.

19:42 Uhr: Der Notdeich in Neu Darchau (Landkreis Lüchow-Dannenberg) droht abzusacken. Die Einsatzkräfte haben in der Nacht zu Mittwoch bereits eine zweiten Notdeich mit 150 Meter Länge errichtet. Er soll in den nächsten Stunden noch verlängert werden. Ob die Sicherungsmaßnahmen wirken, ist allerdings ungewiss. Wenn der Notdeich wegen des Hochwasserdrucks bricht, werden in den Ortschaften Neu Darchau und Katemin bis zu 110 Häuser überflutet. Der Landkreis hat die Einwohner bereits vorgewarnt, berichtet HAZ-Reporter Christian Link.

18:50 Uhr : Wegen schaulustiger Hobbypiloten über den Hochwassergebieten hat das Bundesverkehrsministerium den Flugverkehr eingeschränkt. Im Raum Deggendorf in Bayern sowie im Korridor Dresden/Hamburg seien nur noch Flüge der Einsatzkräfte zugelassen oder solche im öffentlichen Interesse wie beispielsweise für Luftaufnahmen zur Auswertung von Experten. Die Schaulustigen hätten zu „massiven Störungen in den Einsatzgebieten“ geführt.

16:44 Uhr: Der Besuch von Angela Merkel hat die Bürger in Hitzacker nicht besonders beeindruckt, berichtet HAZ-Reporter Christian Link. „Sie hat jedem von uns die Hand geschüttelt und ein paar Worte mit uns gewechselt", sagt Elfriede Ritz. Ritz gehört zu den etwa zehn ausgesuchten Einwohnern, die zur Kanzlerin vorgelassen wurde, um von der Situation in Hitzacker zu berichten. „Es war aber alles sehr hektisch. Mit den Augen war sie schon wieder woanders", berichtet Ritz. Die Bundeskanzlerin habe Verbesserungen im Hochwasserschutz versprochen. Ritz ist skeptisch: „Ich glaube nicht, dass bis zum nächsten Hochwasser etwas passiert." Auch andere Bürger von Hitzacker versprechen sich nicht viel vom Kanzlerinnenbesuch. „Es ist halt Wahlkampf", bringt ein Einwohner die allgemeine Stimmung auf den Punkt.

Christian Link berichtet für die HAZ aus dem Hochwassergebiet.

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15:43 Uhr: "Wir haben vereinbart, es gibt eine Soforthilfe", sagte Merkel bei ihrem Besuch in den Hochwassergebieten. Zugleich begrüßte sie die Unterstützung von privater Seite: "Ich freue mich über jede Spendenaktion, das ist ein ganz wichtiges Zeichen."

15:20 Uhr: Der geplante Hilfsfonds zur Beseitigung der Hochwasserschäden wird voraussichtlich rund acht Milliarden Euro umfassen. In der schwarz-gelben Koalition hieß es am Mittwoch in Berlin, die Summe würden sich Bund und Länder zur Hälfte teilen. Einzelheiten will Kanzlerin Angela Merkel am Donnerstag bei einem Flut-Gipfel mit den Ministerpräsidenten in Berlin bereden. Die SPD signalisierte Unterstützung, forderte die Koalition aber auf, zugunsten der Flutopfer auf teure Wahlversprechen zu verzichten.

14:29 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sind in Hitzacker eingetroffen.

13:53 Uhr: Die Sperrung einer Elbbrücke wegen Hochwassers bei Schönhausen in Sachsen-Anhalt wird weiter den Fernbahnverkehr behindern. Es sei nicht abzusehen, wann die Brücke wieder freigegeben werden kann, da auch mit Schäden an dem Bauwerk zu rechnen sei, sagte eine Sprecherin der Deutschen Bahn am Mittwoch in Leipzig. Wieder zu befahren sei eine bisher gesperrte Elbbrücke in Biederitz bei Magdeburg. Über sie rollen nun die ICE-Züge aus dem Ruhrgebiet über Hannover nach Berlin. Da diese Strecke keine Hochgeschwindigkeitstrasse sei, seien die Züge langsamer und damit etwa eine Stunde länger unterwegs. Auch auf der Strecke Berlin-Frankfurt/Main gebe es weiter Verzögerungen. Weiter nicht befahren werden kann den Angaben zufolge der Abschnitt Magdeburg-Halle auf der Strecke Magdeburg-Leipzig.

13:47 Uhr: Das Hochwasser in Gera hat auch Thüringens größtes Finanzamt getroffen und etliche Akten zerstört. Betroffen seien rund 100 laufende Meter, erklärte der Sprecher des Finanzministeriums, Alexander Flachs. Schuld sei Wasser, das aus der Kanalisation in den Keller des Gebäudes gedrückt wurde. Doch seien die betreffenden Daten nicht gänzlich verloren, weil die Akten auch als Kopie oder in elektronischer Form vorlägen.

13:10 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist am Mittwoch im Hochwasser-Gebiet in Lauenburg eingetroffen. Zusammen mit Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) informierte sie sich über die Lage in der Kleinstadt an der Elbe und die Arbeit der Einsatzkräfte.

12:03 Uhr: Die von der Elbeflut gefährdeten Deiche in Niedersachsen werden von der Bundeswehr mit Aufklärungsflugzeugen überwacht. Bei Tageslicht werden Maschinen vom Typ Dornier DO 228 und bei Nacht Seefernaufklärer mit Infrarotsensorik zur Überwachung eingesetzt, teilte das Landeskommando Niedersachsen am Mittwoch mit. Derzeit seien insgesamt 2000 Soldaten im Hochwassereinsatz, rund 2900 stünden als Reserve bereit.

11:59 Uhr: Trotz leichter Entspannung in den Hochwassergebieten in Niedersachsen sehen die Katastrophenschutzstäbe noch für mehrere Tage Gefahr für die Deiche. "Die nächsten drei bis fünf Tage wird die Situation so bleiben", sagte ein Sprecher des Stabes des Landkreises Lüneburg. Keine Entwarnung also: "Das Wasser wird über mehrere Tage auf die Deiche drücken, selbst wenn es einige Zentimeter sinkt", sagte NLWKM-Sprecher Achim Stolz. "Bei diesem Wasserstand muss man damit rechnen, dass Sickerwasser durch die Deiche dringt."

11:32 Uhr: In Mecklenburg-Vorpommern sind angebliche Flutopfer als kriminelle Spendensammler unterwegs: Die Polizei hat fünf Männer ertappt, die ohne Spendenausweis in Groß Trebbow Geld für Hochwassergeschädigte erbeten hatten, wie ein Sprecher am Mittwoch mitteilte. Die Männer im Alter zwischen 28 und 38 Jahren wurden von einem Streifenwagen gestoppt, drei von ihnen waren der Polizei bereits wegen Betrügereien bekannt, wie es hieß. Bereits seit dem Wochenende waren an mehreren Orten in Mecklenburg-Vorpommern Spendenbetrüger unterwegs, um aus dem Mitleid für Flutopfer Kapital zu schlagen. Die Polizei riet erneut, Geld nur auf bekannte Spendenkonten zu überweisen.

11:16 Uhr: Der geplante Bund-Länder-Hilfsfonds zur Finanzierung der Hochwasserschäden wird nach Angaben aus der schwarz-gelben Regierungskoalition voraussichtlich ein Volumen von rund acht Milliarden Euro haben. Vorgesehen sei, dass Bund und Länder die Kosten je zur Hälfte trügen, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch aus Koalitionskreisen. Der Bund werde seinen Beitrag von rund vier Milliarden Euro wohl über einen Nachtragshaushalt für 2013 einbringen.

10:19 Uhr: Im Landkreis Lüchow-Dannenberg steht seit Dienstag der Hochwasserscheitel der Elbe. Viele Wälle weisen bereits erste Schwachstellen auf. Für die Einsatzkräfte wird es ernst. "Die Einsatzkräfte sind gestern in die Deichverteidigung eingetreten", sagte am Mittwochmorgen Sprecher Jens Christ. Es gebe viele Sickerstellen, durch die Elbe-Wasser durchgedrückt werde. Feuerwehr, THW, Bundeswehr und weitere Helfer seien die ganze Nacht im Einsatz gewesen.

Schwachstellen gebe es etwa bei Wussegel und Penkefitz. Besonders umkämpft seien die Bereich bei Neu Darchau und Gartow. "Die Deiche werden immer weicher. Wir warten jetzt darauf, was die Deichläufer berichten, und reagieren entsprechend", sagt Christ. Konkret gehe es darum, die Deichfüße mit Sandsäcken zu sichern. Dazu wurde auch die Sandsackbefüllung im Landkreis wieder aufgenommen. Nachdem in der Nacht Zehntausende Säcke verbaut wurden, leeren sich die Depots wieder. "Wir versuchen immer eine Reserve von rund 250.000 Sandsäcken bereitzuhalten", sagt Christ

9:55 Uhr: In Hitzacker ist der Elbe-Pegel heute Morgen erstmals gesunken - um zwei Zentimeter. Die Deiche machen allerdings stellenweise schon schlapp. "Die Elbe suppt hier langsam durch. Die vom Deichverband sagen aber, das ist in Ordnung", sagt Feuerwehrabschnittsleiter Andreas Lenz.

8:52 Uhr: Das Elbhochwasser in Lauenburg hat offenbar seinen Höhepunkt erreicht. "Das müsste der Scheitelpunkt sein", sagte Feuerwehrsprecher Thomas Grimm am Mittwochmorgen. Seit den Abendstunden sei der Wasserstand bei 9,63 Meter stehengeblieben. Insgesamt sei die Lage stabil. Es gebe stellenweise Durchsickerungen an den Deichen, das sei aber bei der Wasserhöhe normal. Grimm rechnete damit, dass der Wasserstand der Elbe noch bis zum Wochenende bei über neun Metern liegt - kein Grund zur Entwarnung also.

8:25 Uhr: Nach dem Deichbruch bei Fischbeck müssen weitere überflutete Orte im Landkreis Stendal in Sachsen-Anhalt evakuiert werden. Nach Angaben des Krisenstabs der Landesregierung ist die Lage am Mittwochmorgen in einigen Orten dramatisch. Schon in der Nacht wurden die Bewohner von Wust bei Fischbeck aufgerufen, ihre Häuser zu verlassen. Am Morgen wurden auch die Menschen in Klietz und Kamern aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen. Es besteht nach Angaben des Krisenstabs ernsthafte Lebensgefahr.

8:02 Uhr: Beim Auspumpen eines überschwemmten Kellers in Aken in Sachsen-Anhalt ist ein 61-jähriger Mann ums Leben gekommen. Er wurde in der Nacht zum Mittwoch durch einen Stromschlag getötet, wie die Polizei in Halle mitteilte. Der Mann wollte seinen Keller auspumpen, der bei der Flut vollgelaufen war. Den Stromschlag habe er bei Arbeiten an einer elektrischen Anlage bekommen. In den vergangenen Tagen hatte es im Zusammenhang mit dem Hochwasser in Deutschland bereits mehrere Tote gegeben, drei davon in Sachsen-Anhalt.

7:17 Uhr: Der Pegelstand der Elbe im niedersächsischen Hohnstorf ist seit Dienstagabend nicht weiter gestiegen. Am Flussufer gegenüber von Lauenburg in Schleswig-Holstein wurde am Mittwochmorgen (6.01 Uhr) ein Wasserstand von 9,53 Metern gemessen. Die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung hatte für den Pegel Hohnstorf einen Höchststand von 9,55 Meter am Mittwoch vorhergesagt.

Die Messwerte an einem vom Technischen Hilfswerk in Lauenburg selbst installierten Pegel liegen nach Angaben des Krisenstabes durchschnittlich um sechs Zentimeter darüber (Dienstagabend: 9,61 Meter). Der Normalwert in Hohnstorf beträgt 4,80 Meter.

6:49 Uhr: Die Elbe verharrt in den Landkreisen Lüneburg und Lüchow-Dannenberg am Mittwoch auf ihrem Höchststand. In Hitzacker ist der Pegel seit Dienstagabend nicht mehr gestiegen. Er lag am Mittwochmorgen (6.00 Uhr) bei etwa 8,15 Metern. In Bleckede wurde zur selben Zeit ein Wasserstand von 11,93 Metern gemessen. In beiden Landkreisen sei es in der Nacht ruhiggeblieben, teilten die jeweiligen Sprecher am Mittwochmorgen mit.

Die Helfer bereiteten sich auf die Deichverteidigung vor. Sie warteten darauf, dass die Pegelstände sinken. In Schnackenburg (Landkreis Lüchow-Dannenberg) ging das Hochwasser seit Dienstagmittag zurück.

6:45 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) wollen sich am Mittwoch über die Hochwasserlage in Lauenburg informieren. Nach Angaben der Staatskanzlei in Kiel wollen sie gegen 13.00 Uhr in der Elbestadt eintreffen. Im Anschluss an den Besuch will die Kanzlerin nach Hitzacker in Niedersachsen weiterreisen. Merkel wird gemeinsam mit Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) dort gegen 14.30 Uhr erwartet.

cli/dpa/zys

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