Syrien

Notversorgung für Eingeschlossene in Homs

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Foto: Notunterkunft in Homs.

Homs - In der umkämpften Altstadt von Homs leben die Menschen wie in einem Gefängnis. Seit Wochen wartet die UN darauf, die syrischen Zivilisten mit dem Nötigsten zu versorgen. Nun kann endlich Hilfe anrollen.

In Syrien sollen die Menschen in der belagerten Altstadt von Homs am Samstag erstmals von den Vereinten Nationen mit Lebensmitteln und Medikamenten versorgt werden. Über Wochen hatten Helfer mit Lastwagen vor den Toren der Stadt auf eine Genehmigung der Konfliktparteien gewartet. Die Altstadt von Homs steht unter Kontrolle der Aufständischen, ist aber von den Truppen des Machthabers Baschar al-Assad vor eineinhalb Jahren umzingelt worden. Am Freitag konnten erstmals 80 Frauen, Kinder und ältere Menschen die umkämpfte Zone verlassen. Die Hilfsaktion verlief nach UN-Angaben ohne Zwischenfälle.

UN-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos sprach von einem „kleinen, aber wichtigen Schritt auf dem Weg zur Einhaltung internationaler Menschenrechte“. Insgesamt leben nach UN-Angaben noch 2500 Menschen in der belagerten Stadt. Insgesamt sollen 200 Zivilisten – Frauen, Kinder, Verwundete und ältere Menschen – die Altstadt von Homs verlassen können. Die Lage gilt dort wegen der langen Belagerung als äußerst kritisch. Aktivisten berichten, dass die Menschen bereits hungerten.

Der am Freitag eingeleiteten Hilfsaktion war eine Einigung zwischen der Regierung in Damaskus, den Aufständischen und den Vereinten Nationen vorausgegangen. Sie kam erst nach langem Tauziehen zustande. In den Morgenstunden des Freitags trat zudem eine Waffenruhe in Kraft. Im Tagesverlauf waren nach UN-Angaben vereinzelt Schüsse zu hören. DieWaffenruhe soll für drei Tage gelten, bis die humanitären Aktionen abgeschlossen sind.

Eine erfolgreiche Umsetzung der Hilfsmaßnahmen hätte Signalwirkung für die zweite Runde der Genfer Friedensgespräche, die am kommenden Montag beginnen soll. Am Freitag sagte die syrische Regierung erstmals ihre Teilnahme offiziell zu, wie Vize-Außenminister Faisal al-Mekdad der staatlichen Nachrichtenagentur Sana bestätigte.

Die erste Runde der Friedensgespräche war Ende Januar ohne greifbare Ergebnisse zu Ende gegangen. Vertreter der Regierung und der Opposition hatten in Genf heftig über die Hilfe für Homs diskutiert, ohne dass sie eine Einigung erzielten. Den letzten Anstoß für die nunmehr erzielte Vereinbarung gaben offenbar Gespräche des syrischen Oppositionsführers Ahmed al-Dscharba zu Wochenbeginn in Moskau. Russland ist einer der wichtigsten Unterstützer des Assad-Regimes.

Im syrischen Bürgerkrieg sind nach Schätzungen von Aktivisten mehr als 130.000 Menschen getötet worden. Friedliche Demonstrationen gegen das Assad-Regime waren Anfang 2011 von den Sicherheitskräften blutig niedergeschlagen worden. Im Laufe der Zeit formierte sich ein bewaffneter Widerstand, der heute stark zersplittert und von mehr oder weniger radikalen islamistischen Milizen geprägt wird.

dpa

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