Streit um Schokocreme

Nutella gegen Nugtella

Foto: Nah dran am Original: Nugtella ähnelt Nutella, enthält aber Marihuana.

- Streit um Schokocreme mit Marihuana aus Kalifornien: Ferrero will den Hersteller von Nugtella verklagen – um seine Marke Nutella zu schützen. Genügt ein „G“ als Abgrenzungsmerkmal?

Dass Nutella Eigenschaften einer Droge aufweist, weiß jeder, der schon mal nachts um drei nach etwas Süßem suchte. Ein Glas Nutella und ein Teelöffel sind der Feind aller guten Vorsätze. Trotzdem müht sich der italienische Hersteller Ferrero in seiner Werbung um ein Unschuldsimage für seine populäre Schokonusscreme – mit Sonnenschein, naturnahen Nüsschen, wehenden Gardinen und blitzeblanken Fußball-Nationalspielern in blütenweißen T-Shirts.

Da passt Nugtella so gar nicht ins Bild, eine Haselnusscreme des kalifornischen Unternehmens Organicares. Rundes Glas, weißer Schraubverschluss, schwarzrotes Logo, Messer mit Schokobrot auf dem Etikett – schon rein äußerlich ähnelt das Produkt dem Original. Noch mehr aber irritiert Ferrero, dass Nugtella Marihuana enthält – aus „medizinischen Gründen“. In Kalifornien ist der Verzehr von Marihuana seit 1996 mit Rezept vom Arzt erlaubt. Es wird vor allem bei chronischen Schmerzen, multipler Sklerose, Tourettesyndrom sowie Krebs- und HIV-Erkrankungen eingesetzt. 25 Dollar kostet ein Gläschen Nugtella.

Genügt ein „G“ als Abgrenzungsmerkmal? Ist knapp daneben auch im juristischen Sinne vorbei? Die Italiener wollen notfalls klagen. „Ferrero wird alle notwendigen Schritte einleiten, um seine Rechte zu schützen und eine Verwechslung der weltweit bekannten Marke Nutella auszuschließen“, sagte eine Konzernsprecherin.

400 Millionen Gläser Nutella verkauft Ferrero jährlich weltweit. 1940 erfand der Konditor Pietro Ferrero in Piemont den späteren Bestseller, nannte ihn zunächst Supercrema, ab 1964 dann Nutella. Seit 1965 kennt auch Deutschland die berauschende Wirkung der Creme, die 72 Zuckerwürfel pro 400-Gramm-Glas enthält.

Bei der Markenpflege verstehen Großkonzerne keinen Spaß. Schokocreme-Kopisten nähern sich immer wieder an – mit Nusstella, Nussetti, Nusskati, Nutoka oder Nusspli – doch die Marihuana-Variante Nugtella erregte Ferreros Zorn in besonderem Maße. Dabei kann Nutella auch ohne den Marihuana-Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) regelrecht süchtig machen. Das berichten Therapeuten und Patienten. Die Diebe jedenfalls, die im April im hessischen Niederaula 5000 Kilogramm Nutella vom Anhänger eines Lastwagens stahlen, sollten nicht alles auf einmal aufessen.

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