US-Präsident hilft Schwangerer

„Obamacare“ höchstpersönlich

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Washington - Nicht nur Barack Obamas Gegner, auch seine Unterstützer verursachen derzeit Turbulenzen: Bei einer Rede des US-Präsidenten bricht eine Schwangere fast zusammmen. Obama greift ein und stützt die Frau. Das Video des hilfsbereiten Präsidenten brachte ihm viel Lob ein – das kann er derzeit gut gebrauchen.

Karmel Allison, eine junge Frau aus Kalifornien, leidet an Diabetes und hatte sich unlängst in ihrem Internet-Blog begeistert über den neuen Krankenschutz geäußert. Prompt erhielt sie eine Einladung der US-Regierung, bei der Rede des Präsidenten im Rosengarten dabei zu sein.

Doch der Auftritt auf großer Bühne wäre beinahe schiefgegangen: Kaum hatte Obama das Wort ergriffen, konnte sich die Hochschwangere kaum noch auf den Beinen halten und schwankte hin und her. Der Präsident unterbrach seine Rede und hielt Allison so lange fest, bis eine Mitarbeiterin zu Hilfe eilte. Wenige Stunden später meldete sich Allison via Twitter zurück: „Sorry, mir war nur ein bisschen schwindelig. Ich hoffe, dass ,Obamacare‘ ein Erfolg wird.“

Im Zusammenhang mit seiner Krankenversicherung hat Obama derzeit jedoch noch größere Probleme zu bewältigen. Ausgerechnet Amerika, wo angeblich die besten Köpfe der IT-Branche zu Hause sind, erlebt eine beispiellose Computerpleite. Mehrere Millionen US-Bürger bemühen sich seit Wochen um eine neue Krankenversicherung, doch die entsprechende Website der Regierung bricht ständig zusammen: www.healthcare.gov sorgt für so großen Ärger, dass sich sogar Barack Obama bei seinen Landsleuten entschuldigt. „Niemand ist frustrierter als ich“, sagte der Präsident in einer landesweit übertragenen Erklärung. Es gebe nichts zu beschönigen: „Wir haben massive technische Probleme.“

Anfang Oktober hatte das Gesundheitsministerium beschwichtigt, nur der millionenfache Ansturm auf das Onlineportal lasse das System zusammenbrechen. Mittlerweile gestehen die Behörden erhebliche Mängel bei der Software ein.

Ginge es nur um technische Details, würde sich der mächtigste Mann der Welt nicht mit einem ausführlichen Statement im Rosengarten des Weißen Hauses zu Wort melden – also genau an dem Ort, der traditionell für große Auftritte vorgesehen ist. Doch „Obamacare“, wie die neue allgemeine Krankenversicherung bezeichnet wird, ragt über das Alltagsgeschäft weit hinaus: 17 Tage standen Bundesbehörden still, weil die Republikaner die Etatverhandlungen blockierten, um das Projekt mit aller Gewalt zu stoppen. Der Versicherungszwang erschien der Opposition als Inbegriff des Bösen.

Der wüsten Propaganda zum Trotz hielt der Chef des Weißen Hauses an seinem Prestigeprojekt fest, schließlich besitzen etwa 50 Millionen Menschen in der weltweit größten Volkswirtschaft keinerlei Absicherung für den Krankheitsfall. Dass „Obamacare“ aber ausgerechnet an Softwareschwierigkeiten scheitern sollte, leuchtet selbst eingefleischten Gegnern nicht ein. John McCain, Senator und früherer Präsidentschaftskandidat, meldet sich mit einem eigenwilligen Lösungsvorschlag zu Wort: „Der Präsident sollte ,Air Force One‘ ins Silicon Valley schicken und dort ein paar schlaue Kerle einladen, die in Washington die Pannen beheben.“

ko

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