Finanzierungsengpässe

Odenwaldschule muss schließen

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Foto: Die bekannte Reformschule muss schließen.

Heppenheim - Die bekannte Reformschule hat lange ums Überleben gekämpft. Nun ist sie gescheitert. Weil die Odenwaldschule nicht genug Geld auftreiben kann, steht sie vor dem Aus - und die Schüler vor einer ungewissen Zukunft.

Nach vielen Krisen steht die 105 Jahre alte Odenwaldschule vor ihrem Ende: Die Schule schließe zum Beginn der hessischen Sommerferien, sagte der Vorsitzende des Schul-Trägervereins, Gerhard Herbert, am Sonntag. Die Privatschule im südhessischen Heppenheim hatte am Vortag bekanntgegeben, keine sichere Finanzierung für die nächsten Jahre nachweisen zu können. Die Eltern müssten nun entscheiden, „welche Schule für ihre Kinder zum neuen Schuljahr die richtige ist“. Die Schüler hätten geschockt auf die Nachricht reagiert, sagte der Geschäftsführer des vor wenigen Monaten neu eingesetzten Leitungsteams, Marcus Halfen-Kieper.

Die bekannte Reformschule steht bereits seit längerem finanziell auf wackeligen Füßen. 2010 war ein jahrelang vertuschter sexueller Missbrauch von Lehrern an mindestens 132 Schülern bekanntgeworden. Auch deshalb ging die Zahl der Schüler spürbar zurück, auf deren Schulgeld die private Einrichtung angewiesen ist.

Wie es für die verbliebenen Jugendlichen, Lehrer und sonstigen Mitarbeiter der Privatschule weitergeht, ist noch unklar. „Morgen wird mit der Abwicklung angefangen“, sagte der Vize-Landrat des Kreises Bergstraße, Matthias Schimpf (Grüne). Dazu gehöre auch ein Beratungsangebot für die Schüler und Eltern. Der Kreis ist als Aufsichtsbehörde für das Internat zuständig.

Die Odenwaldschule benötigte für die kommenden Jahre nach eigenen Angaben 2,5 Millionen Euro. Die Aufsichtsbehörden hatten eine sichere Finanzierung gefordert - nur damit wollte sie der Schule eine neue Genehmigung für den weiteren Betrieb geben.

Nach Auskunft von Schimpf gehen die Schülerzahlen seit mehr als zehn Jahren kontinuierlich zurück. Derzeit lernen 149 Schüler an der Odenwaldschule - das sind deutlich zu wenig. Geld in die leeren Kassen brachten in der Vergangenheit Immobilienverkäufe und eine private Bürgschaft von 600.000 Euro. Außerdem verzichtete die Belegschaft auf einen Teil ihres Gehalts.

Am Sonntag richtete sich der Zorn auch gegen die früheren Leitungen der Schule: „Jeder BWLer hätte erkannt, dass es bei diesem Schülerrückgang nicht lange gut gehen kann“, sagte Vize-Landrat Schimpf. Geschäftsführer Halfen-Kieper kritisierte: „Es wurde sich viel zu lange durchgewurschtelt. Jetzt ist es zu Ende, das ist hart und bitter.“

Bereits am Vortag hatte er Fehler der Vergangenheit eingeräumt. Wo die Schule nun stehe, stehe sie auch „durch eigene Fehler, durch die eigenen Strukturen, durch Wegsehen und Wegducken, durch eigenes Nichthandeln“.

Der Vorsitzende des Opfervereins „Glasbrechen“, Adrian Koerfer, konnte sich unterdessen vorstellen, dass es am gleichen Ort eine neue Schule geben könnte. „Ich würde das sogar begrüßen“, sagte er in einem Interview der „Frankfurter Rundschau“ (Montag). „Das ist mit einem neuen Konzept, einem neuen Trägerverein, vielleicht sogar mit den Leuten, die ganz zum Schluss noch eingestellt wurden, durchaus denkbar.“

dpa

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