Ehemaliges Konzentrationslager

Offenbar weiteres Massengrab in Bergen-Belsen

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Bergen-Belsen - Auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Bergen-Belsen bei Celle hat ein Niederländer Anzeichen für ein bisher unentdecktes Massengrab entdeckt. Er sei auf der Suche nach dem Grab seines Großvaters gewesen, sagte Paul Verschure der niederländischen Fernsehsendung „Nieuwsuur“ am Freitagabend.

In Bergen-Belsen habe er mit Überlebenden gesprochen, die seinen Großvater, den Widerstandskämpfer Jan Verschure, kannten. Einer habe ihm auf einer Karte gezeigt, wo sich das Grab befinden sollte.

Die Sprecherin der Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten, Stefanie Billib bestätigte, Verschure habe im vergangenen Frühjahr den Boden mit „nicht invasiven Methoden“ untersucht. Dabei habe er Unregelmäßigkeiten festgestellt, sagte Billib dem epd. Diese könnten ein Anzeichen für ein Massengrab sein, seien aber für weitere Untersuchungen nicht konkret genug. „Es muss schon mehrfache Hinweise geben, damit wir Grabungen vornehmen.“

Da das ganze Gelände als jüdischer Friedhof behandelt werde, habe die Stiftung zudem den Landesverband der Jüdischen Gemeinden kontaktiert. „Aus moralischer Sicht wollten wir nicht über den Landesverband hinweg entscheiden“, sagte Billib. Dieser habe sich aufgrund religiöser Gründe gegen Ausgrabungen entschieden. Zukünftig werde die Fläche jedoch als hohe Wiese belassen, um sie somit nicht zugänglich zu machen.

Dass es auf dem Gelände weitere Grabstätten gebe, sei nicht unwahrscheinlich, sagte Billib. Auch bei Bodenuntersuchungen vor der Neugestaltung der Gedenkstätte seien Unregelmäßigkeiten festgestellt worden. Die Orte an denen Häftlinge einzeln verscharrt wurden, ließen sich bis heute nur schwer nachvollziehen. In Bergen-Belsen befinden sich derzeit elf Massengrabstellen und etwa 15 Einzelgräber. In dem Lager starben zwischen 1940 und 1945 mehr als 70.000 Menschen.

epd

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