Prozess um Prügelattacke im Fall Jonny K.

Onur U. drohen fünfeinhalb Jahre Haft

+
Der Angeklagte Onur U. ist nach der Prügelattacke monatelang in der Türkei untergetaucht.

Berlin - Vor zehn Monaten wurde Jonny K. in der Nähe des Alexanderplatz in Berlin tödlich verprügelt. Die mutmaßlichen Täter räumen keine Schuld ein. Seit Wochen stehen sechs Angeklagte vor Gericht und das Urteil könnte am Donnerstag fallen.

Zehn Monate nach der tödlichen Prügelattacke gegen Jonny K. am Berliner Alexanderplatz könnte an diesem Donnerstag (12.00) das Urteil gegen sechs mutmaßliche Schläger verkündet werden. Für den möglichen Haupttäter Onur U. hat die Staatsanwaltschaft eine Jugendstrafe von fünfeinhalb Jahren Haft gefordert. Das Landgericht in der Hauptstadt schloss aber nicht aus, dass die Beweisaufnahme erneut gestartet werden muss.

In diesem Falle sei der Urteils-Termin unklar, sagte ein Gerichtssprecher. Der Verteidiger von Onur U. hatte in seinem Plädoyer beantragt, weitere Zeugen zu hören. Jonny K. war in der Nacht zum 14. Oktober 2012 mit Freunden nach einer Feier auf dem Weg nach Hause, als er in der Nähe des Alexanderplatzes wie aus dem Nichts von Unbekannten angegriffen wurde. Der junge Berliner starb wenig später an Gehirnblutungen.

Sein Tod hatte bundesweit Entsetzen, aber auch eine neue Debatte über Jugendgewalt ausgelöst. Bei dem Angriff wurde ein Freund von Jonny K. schwer verletzt. Auf seine Aussagen im Prozess hat sich die Anklagebehörde gestützt. Die Staatsanwaltschaft beantragte für den Hauptverdächtigen wegen Körperverletzung mit Todesfolge die höchste Strafe.

Für die fünf mutmaßlichen Mittäter im Alter von 19 bis 25 Jahren wurden Haftstrafen wegen gefährlicher Körperverletzung zwischen zweieinhalb und drei Jahren gefordert, teilweise nach Jugendstrafrecht. Die Angeklagten hatten im Prozess zwar Schläge und Tritte gegen Jonny K. eingestanden, aber keine Verantwortung für seinen Tod übernommen. Teilweise beschuldigten sie sich gegenseitig. Auf den am Boden liegenden Jonny K. hätten sie aber nicht eingetreten, sagten sie alle.

Es konnte nicht mit letzter Sicherheit geklärt werden, ob der Tod von Jonny K. durch den Sturz auf das Straßenpflaster oder Tritte und Schläge verursacht wurde. Der grundlose Angriff in der Öffentlichkeit habe die Bevölkerung verunsichert, hieß es im Plädoyer des Staatsanwalts.

Die Verteidiger hatten für alle sechs Angeklagten Bewährungsstrafen beantragt. Anwalt Axel Weimann hatte gesagt, eine Schuld von Onur U. am Tod sei nicht nachzuweisen. Onur U. hatte ausgesagt, er habe nicht Jonny K. geschlagen, sondern dessen Freund.

Der Ex-Boxer, der keinen Beruf erlernte, entschuldigte sich in seinem Schlusswort bei der Familie des Opfers. "Ich kann dir in die Augen gucken, ich habe die Wahrheit gesagt", sprach er die Schwester von Jonny K. direkt an. Tina K. tritt im Prozess als Nebenklägerin auf. Sie engagiert sich seit dem Tod ihres Bruders gegen Gewalt und für Zivilcourage.

Onur U. hatte die Justiz über Monate in Atem gehalten. Er war nach dem Angriff in der Türkei untergetaucht. Erst nach langem Tauziehen stellte er sich im April den deutschen Behörden. Er sowie ein weiterer Verdächtiger sitzen noch in U-Haft. Ein erster Prozessanlauf war wegen Befangenheit eines Schöffen geplatzt.

dpa

1688406

Kommentare