Auschwitz-Prozess in Lüneburg

Oskar Gröning will sich erneut äußern

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Helfer bringen den früheren SS-Mann Oskar Gröning in den Gerichtssaal.

Lüneburg - Die Aussagen von Holocaust-Überlebenden und Angehörigen von Opfern im Lüneburger Auschwitz-Prozess haben das Grauen der Transporte und das Sterben im Vernichtungslager geschildert. Jetzt kommen die Tage der Gutachter. Und auch der Angeklagte will sich erneut zu Wort melden.

Der im Auschwitz-Prozess vor dem Landgericht Lüneburg angeklagte ehemalige SS-Mann Oskar Gröning will erneut zu den Vorwürfen gegen ihn Stellung nehmen. „Grundsätzlich möchte sich Herr Gröning ergänzend äußern“, antwortete sein Verteidiger Hans Holtermann am Mittwoch auf eine entsprechende Frage des Vorsitzenden Richters. Das werde voraussichtlich schon an einem der nächsten Verhandlungstage geschehen, kündigte Holtermann am Rande des Verfahrens an. Der 93 Jahre alte Gröning hatte zu Prozessbeginn eine moralische Mitschuld übernommen. Ihm wird Beihilfe zum Mord in mindestens 300 000 Fällen während der sogenannten Ungarn-Aktion im Sommer 1944 vorgeworfen.

Am Mittwoch wurde eine weitere Holocaust-Überlebende als zunächst letzte Zeugin angehört. In den kommenden Wochen sollen Gutachter im Mittelpunkt des Verfahrens stehen. Dabei wird es auch um die Wirkungsweise des Giftgases Zyklon B gehen, das nicht nur in Auschwitz beim Massenmord eingesetzt wurde. Gegen Ende des Verfahrens könnte noch die Auschwitz-Überlebende Irene Weiss angehört werden. Ihre Aussage war ursprünglich bereits für vergangene Woche eingeplant, doch hatte der Prozess wegen des schlechten Gesundheitszustandes des Angeklagten unterbrochen werden müssen.

„Es war schlimmer als der Tod“

Susan Pollack aus London schilderte am neunten Prozesstag, wie sie 1944 mit ihrer Mutter und dem Bruder aus Ungarn nach Auschwitz-Birkenau verschleppt wurde. Die heute 84-Jährige verlor mehr als 50 Familienmitglieder im Holocaust, auch Mutter und Vater wurden ermordet. Ihren Bruder sah Pollack erst 20 Jahre nach Kriegsende wieder. Er habe in einem sogenannten Sonderkommando Leichen aus den Gaskammern holen und ins Krematorium bringen müssen, habe er ihr berichtet. Psychisch habe er sich nicht mehr erholt.

Das Kriegsende erlebte Pollack nach einem sogenannten Todesmarsch durch den eisigen Winter in Bergen-Belsen. „Berge von Leichen, keine Hygiene“, schilderte sie die Zustände im Lager. „Es war schlimmer als der Tod.“ Im April 1945 befreiten britische Soldaten die Überlebenden.

dpa

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