Finanzierungsengpässe

Osnabrück stoppt Suche nach Weltkriegsbomben

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Foto: Symbolbild

Osnabrück - In Osnabrück ist die systematische Suche nach Bombenblindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg vorerst beendet. Durch mehrere kostenintensive Räumungen in den vergangenen Monaten fehlt der Stadt nun das Geld, um bis zum Ende des Jahres aktiv nach nicht explodierten Bomben im Untergrund suchen zu lassen.

Das berichtet die „Neue Osnabrücker Zeitung“ (NOZ). Das Thema ist umstritten. Viele Kommunen wie zum Beispiel Hannover sind dazu übergegangen, ein Gelände nur noch nach Bomben abzusuchen, wenn es bebaut werden soll. Auf der anderen Seite warnen Experten, dass Bomben von selbst explodieren können, wenn sie nicht geborgen werden. Durch das steigende Alter der Blindgänger wächst diese Gefahr. Statistiken zufolge explodieren im Bundesgebiet eine bis zwei Weltkriegsbomben mit Langzeitzünder pro Jahr von allein. „Ich bin aber sicher, dass diese Zahl in den kommenden Jahrzehnten ansteigen wird“, sagt Professor Wolfgang Spyra, ehemaliger Dozent am Institut für Altlasten in Cottbus, der HAZ Das Problem sind die Aufschlagzünder.

Bei amerikanischen und britischen Fliegerbomben bestehen diese aus einer Ampulle mit dem Lösungsmittel Aceton, die beim Aufschlag zerbricht. Das Aceton fließt auf ein Zelluloidplättchen, das dadurch aufgelöst wird und den Schlagbolzen freigibt, der die Detonation auslöst. Ein Blindgänger kann dadurch entstanden sein, dass die Ampulle nicht zerbrochen ist. Das Zelluloidplättchen korrodiert jedoch im Laufe der Zeit und kann plötzlich zerbrechen, sodass die Bombe unvermittelt explodiert.

Das ist beispielsweise 2010 in Göttingen passiert, als zwei Weltkriegsbomben entschärft werden sollten. Eine davon explodierte und tötete drei Sprengmeister. Aus finanziellen Gründen stellte Niedersachsens damaliger Innenminister Uwe Schünemann (CDU) das Landesprogramm für die systematische Blindgängersuche dennoch ein. Kommunen, die noch aktiv durch Auswertung von altem Bildmaterial auf die Suche nach Blindgängern gehen, müssen die Kosten dafür seitdem selbst tragen. Außer Osnabrück, wo die systematische Suche im kommenden Jahr wieder aufgenommen werden soll, geschieht dies unter anderem in Braunschweig, Georgsmarienhütte und Langenhagen.

Von Isabel Christan

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