Geständnis nach DNA-Abgleich

Osnabrücker Kindermörder nach 25 Jahren gefasst

+
Die undatierte Aufnahme zeigt Christina aus Osnabrück. Über 25 Jahre nach dem Sexualmord an der damals Neunjährigen hat die Polizei den mutmaßlichen Täter geschnappt. Ein DNA-Abgleich hatte sie auf die Spur des Mannes gebracht.

Osnabrück - Die neun Jahre alte Christina aus Osnabrück begegnete ihrem Mörder an einem Novembermorgen 1987 auf dem Weg zur Schule. Nun ist sich die Polizei sicher, den Mörder geschnappt zu haben. Der Mann hat ein Geständnis abgelegt.

Über 25 Jahre nach dem Sexualmord an der neunjährigen Christina aus Osnabrück hat die Polizei den mutmaßlichen Täter geschnappt. Der 45-Jährige habe ein Geständnis abgelegt, teilte die Staatsanwaltschaft Osnabrück am Dienstag mit.Der Mann habe eingeräumt, das Mädchen umgebracht zu haben, um die Vergewaltigung zu vertuschen. Die Ermittler werfen dem Mann deshalb Mord vor. Es gebe derzeit keine Hinweise auf weitere Straftaten des mutmaßlichen Mörders, die Überprüfung sei aber noch nicht abgeschlossen. Der 45-Jährige habe weitere Taten nach dem Sexualverbrechen im Jahr 1987 bestritten.

Ein DNA-Abgleich hatte die Ermittler auf die Spur des Mannes gebracht. Der Tatverdächtige sitzt seit Montag in Untersuchungshaft. Die neunjährige Schülerin war 1987 sexuell missbraucht und danach erstickt worden. Sie war ihrem Mörder morgens auf dem Weg zur Schule begegnet. Erst als sie mittags nicht nach Hause kam, erfuhr ihre Mutter, dass Christina gar nicht in der Schule angekommen war. Polizisten gingen daraufhin den Schulweg des Kindes ab und entdeckten die Leiche auf einem brachliegenden Kleingartengrundstück in einer Bude, die Kinder unter einem Baum in einem der Gärten gebaut hatten.

„Der Fall ist eigentlich nie so ganz zu den Akten gelegt worden. Er ist immer mal wieder hochgekommen“, sagte Staatsanwalt Alexander Retemeyer. Nach einem Bericht in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“im Frühjahr dieses Jahres habe es dann neue Hinweise gegeben. Schließlich sei der zum Tatzeitpunkt 19 Jahre alte Mann ermittelt worden.

Mordaufklärung nach Jahrzehnten

Mörder haben immer weniger Chancen, unerkannt davonzukommen. In den vergangenen Jahrzehnten brachten neue Methoden wie DNA-Analyse, neue toxikologische Tests oder Bildgebungsverfahren wie die Computertomographie eine enorme Verbesserung bei der Arbeit der Spurensicherung.

Besondere Bedeutung hat dabei der genetische Fingerabdruck. Für eine Analyse der Erbsubstanz Desoxyribonukleinsäure (DNA) genügen geringste Spuren von Schweiß, Sperma oder Speichel sowie Haare oder Hautschuppen. Die 1998 angelegte DNA-Analyse-Datei des Bundeskriminalamtes (BKA) umfasste Mitte 2013 mehr als eine Million Datensätze.

Bereits vor Jahrzehnten wurden Spuren gesichert, obwohl damals die technischen Mittel zur Auswertung noch fehlten. Turnusmäßig holen nun Beamte Akten über alte und unaufgeklärte Verbrechen hervor, um die neuen wissenschaftlichen Methoden einzusetzen. So konnte die Polizei schon oft Fälle Jahrzehnte nach der Tat lösen:

  1. Im Juli 2012 wurde ein Mord in Südhessen erst nach 40 Jahren aufgeklärt. Durch einen DNA-Abgleich fanden Ermittler den mutmaßlichen Mörder - wenige Wochen nach dessen Tod in Freiheit.
  1. Im August 2011 klärte die Bremer Polizei den Tod einer jungen Frau auf, die ebenfalls bereits 40 Jahre zuvor ermordet worden war. DNA-Material brachte die Kripo auf die Spur eines Mannes, der 2003 starb. Ein Unschuldiger hatte jahrelang in Haft gesessen.
  1. Mehr als 25 Jahre nach dem Raubmord an einer Münchner Verkäuferin wurde im März 2011 ein Mann als Mörder festgestellt. Ein Fingerabdruck hatte die Ermittlungsgruppe "Altfälle" nach einer neuerlichen Auswertung auf die Spur des Mannes geführt.
  1. 29 Jahre nach dem Mord an einer Abiturientin verurteilte das Landgericht Stade im November 2010 ihren Mörder zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Erst 2008 war die Polizei dem Mann mit Hilfe neuer DNA-Untersuchungsmethoden auf die Spur gekommen.

dpa/frs

Kommentare