TNS-Emnid-Umfrage

Ostern? Keine Ahnung!

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Foto: Der Osterhase hat im Grunde nichts mit dem christlichen Fest zu tun. Er ist eher ein Symbol für das im Frühjahr erwachende Leben in der Natur.

Hannover - Jedem fünften Deutschen ist der christliche Hintergrund des Osterfests unbekannt. Fünf Prozent der Befragten einerTNS-Emnid-Umfrage erklärten, an Ostern werde der Frühlingsanfang gefeiert.

Der Osterhase schickt sich an, dem Weihnachtsmann den Rang abzulaufen. In den neuen Bundesländern sagt inzwischen jeder Zehnte, Ostern sei ihm lieber als Weihnachten. In den alten Bundesländern behaupten das nur fünf Prozent, wie eine am Montag veröffentlichte Umfrage ergab. Danach pflegen 85 Prozent der Ostdeutschen Osterbräuche jeglicher Art, im Westen tun das nur 70 Prozent.

Doch wenn es um die Frage geht, warum eigentlich Ostern gefeiert wird, müssen immer mehr Deutsche passen. In einer aktuellen TNS Emnid-Umfrage räumten 22 Prozent ein, über den christlichen Hintergrund des Osterfestes nicht genau im Bilde zu sein. So erklärten fünf Prozent der Befragten, an Ostern werde der Frühlingsanfang gefeiert. Drei Prozent behaupteten sogar, Ostern werde an die Geburt Jesu erinnert. Immerhin, 78 Prozent wissen die richtige Antwort: An Ostern wird der Auferstehung Christi gedacht. Der Karfreitag ist der Gedenktag für die Kreuzigung des Sohnes Gottes. Am Tag zuvor, am Gründonnerstag, werden die Gottesdienste dem letzten Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern gewidmet.

Übrigens hat der Name „Grün“-Donnerstag nichts mit der Farbe des Frühlings zu tun. Hier geht das Wort „grün“ zurück auf das mittelhochdeutsche Verb „greinen“, das heute gemeinhin durch wehklagen ersetzt wird. Die Vorsilbe „Kar“ vor dem Freitag und Sonnabend der „Kar“-Woche stammt aus dem Althochdeutschen und ist am treffendsten übersetzt mit „Klage“ oder „Kummer“.

Die Demoskopen von Emnid haben das Ergebnis ihrer Umfrage auch den höchsten Repräsentanten der großen christlichen Kirchen vorgestellt. Bischof Nikolaus Schneider, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, äußerte sich zufrieden: „Natürlich wünscht man sich immer 100 Prozent, aber nahezu vier Fünftel mit richtiger Antwort – das ist in unserer pluralistischen Gesellschaft ein gutes Ergebnis.“ Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, sprach von einem „erfreulichen Ergebnis“. Es zeige, dass die christliche Botschaft nicht vergessen ist. Jetzt gelte es, „als Christen weiterzuarbeiten, damit diese Botschaft lebendig bleibt“.

Womöglich tragen dazu auch die vielen Osterfeuer bei, die von Sonnabend an landauf, landab angezündet werden. Sie sollen die Freude über die Auferstehung Jesu symbolisieren – auch wenn das in vielen Fällen bei Bier und Bratwurst in Vergessenheit gerät.

Der Osterhase hat dagegen im Grunde nichts mit dem christlichen Fest zu tun. Er ist eher ein Symbol für das im Frühjahr erwachende Leben in der Natur. Auch wenn kaum noch jemand glaubt, dass er die Ostereier legt – der Osterhase wird geschätzt. Die Deutsche Süßwarenindustrie kann’s belegen. 206 Millionen Schoko-Hasen hat sie in diesem Jahr produziert, 8,4 Prozent mehr als im vergangenen Jahr.

Von Klaus von der Brelie

(mit dpa)

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