Ferienhelfer Jörg Lemmer

Pannenhelfer ist auch Seelsorger

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„Gelber Engel“: Jörg Lemmer.

Delligsen - Jörg Lemmer arbeitet seit 30 Jahren beim ADAC. Bei seinen Einsätzen muss er oft erst mal beruhigen, bevor er technische Hilfe leistet.

„40 Prozent ist Technik, und 60 Prozent ist Seelsorge“, sagt Jörg Lemmer. Ruhig fährt er mit seinem quietschgelben ADAC-Pannenwagen über die Landstraße. Der 58-Jährige ist zuständig für das Gebiet zwischen Hannover, Hildesheim und Hameln. Sein Bordcomputer zeigt ihm seinen nächsten Einsatzort an: In Delligsen springt ein grauer Citroën nicht an.

Auf einem Hotelparkplatz wartet eine junge Frau auf den ADAC-Mann. „Was haben wir denn hier für ein Problem?“, fragt Lemmer. Es ist die Batterie, wie so oft. Für den Straßenwachtfahrer ein Routineeinsatz. Er gibt der Frau Starthilfe und sagt: „Machen Sie den Motor nicht wieder aus. Fahren Sie zur nächsten Werkstatt, Sie brauchen eine neue Batterie.“

Die Frau wirkt relativ entspannt. Oft ist das anders, vor allem in den Ferien. Wenn die ganze Familie mit dem Auto in den Urlaub fährt und unterwegs etwas passiert, dann muss Lemmer erst einmal beruhigen. Lösungen finden, wie er sagt. Autobahnpannen sind für ihn am schlimmsten, denn dann werde es gefährlich. Er rät: „Immer alle raus aus dem Auto, hinter die Leitplanke und so weit wie möglich hoch in die Böschung.“

Jörg Lemmer macht den Job schon seit 30 Jahren. Er ist gelernter Kfz-Mechaniker und hat bei der Bundeswehr seinen Meister gemacht. Einen Nachteil hat die Arbeit beim ADAC aus seiner Sicht: Jeder Pannenhelfer hat nur Anspruch auf ein freies Wochenende im Monat. Denn am Wochenende ist eben am meisten los auf den Straßen. Es gebe aber auch einen großen Vorteil: „99 Prozent der Menschen freuen sich bei unserer Begegnung. In welchem Job ist das denn noch so?“, sagt er und lacht.

An einem durchschnittlichen Tag wird Lemmer zu zehn Einsätzen gerufen. Meistens ist er innerhalb einer Stunde vor Ort, aber er fährt entspannt, zu viele Unfälle hat er schon gesehen. „Die einzige Sache, wo ich richtig Gas gebe, ist, wenn ein Wagen nicht mehr zu öffnen ist und ein Kind ist drin. Dann gebe ich Gummi“, sagt er.

Bei den modernen Autos passiere es immer häufiger, dass die Zentralverriegelung den Wagen automatisch abschließt, während der Schlüssel noch im Innenraum liegt. Doch in den meisten Fällen bekommt Lemmer die Tür auch ohne Schlüssel auf. Der Straßenwachtfahrer hat selbst zwei Kinder. Vor seinem Spätdienst hat er für seine Familie Marmelade eingekocht. Dann musste er los, um anderen Familien auf der Straße zu Hilfe zu eilen.

Es wird voll

Dieses Wochenende wird es voll auf den Straßen Norddeutschlands. In Bayern beginnen die Ferien und in Niedersachsen, Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Brandenburg enden sie in Kürze. Der ADAC rechnet deshalb mit starkem Rückreiseverkehr von der Nord- und Ostseeküste.

Eng wird es vor allem in den Großräumen Hannover, Hamburg und Bremen. Im Großraum Hannover sorgt noch immer die Baustelle am Autobahnkreuz Hannover-Ost für Behinderungen. Auch die 18 Kilometer lange Großbaustelle auf der A 7 zwischen Rhüden und Echte sorgt weiter für stockenden Verkehr. Behinderungen sind auch auf der A 1 zwischen Bad Oldesloe und Reinfeld sowie im Bereich Lübeck zu erwarten.

Anne Grüneberg

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