Schäden an der Kaimauer

Pannensuche bei Jade-Weser-Port

+
Foto: An den neuen Spundwänden des Jade-Weser-Ports sind mehr als 220 Löcher.

Wilhelmshaven - Wer trägt die Schuld an den mehr als 220 Löchern in der Kaimauer des neuen Jade-Weser-Ports? Angeblich soll diese Frage in Kürze beantwortet werden. Weil eine eindeutige Klärung schwerfällt, gibt es Anzeichen für eine Verständigung.

Die Bauversicherung könnte einen Teil der Summe übernehmen, das Baukonsortium unter Leitung der emsländischen Firma Bunte einen anderen und die bremisch-niedersächsische Hafengesellschaft einen dritten Teil. Die Reparatur kostet insgesamt rund 50 Millionen Euro.

Mehrere Schlösser an den Verbindungsstücken der Spundwände sind offenbar beim Einbau aufgeplatzt. Die Versicherung Allianz müsste dafür aufkommen, sofern es nicht vorher Hinweise auf drohende Schäden gegeben hatte. Tatsächlich wurde schon 2008 über das Verfahren diskutiert, mit dem die Füllbohlen in den Boden gesetzt wurden.

Es gab auch Hinweise, der vom Baukonsortium geplante Verzicht auf den Einsatz eines teuren Gerätes, des „Mäklers“, könne zu Schäden führen. Allerdings: geht aus den meisten Bauprotokollen hervor, dass der Einsatz der Füllbohlen ohne Abweichungen geschah. Eine eindeutige Ursache ist hier wohl nicht zu sehen. Trotzdem prüft die Allianz kommende Woche noch einmal sämtliche Bauprotokolle.

Auf den „Mäkler“ wurde beim Bau verzichtet, da das Gerät nur mit Verzögerung zu beschaffen gewesen wäre. Weil der Zeitplan aber eingehalten werden musste und EU-Zuschüsse zu verfallen drohten, entschieden Baufirma und Hafengesellschaft gemeinsam, ein anderes Rammverfahren anzuwenden. Aus diesem Grund bezog man den Stahl auch – anders als geplant – nicht von Thyssen, da der Konzern nicht liefern konnte, sondern von Arcelor.

Dass mangelhafte Qualität des Stahls die Schäden verursacht haben könnte, gilt wohl als unwahrscheinlich. Lag es an der Beschaffenheit des Bodens? Auch diese Vermutung hat sich nicht erhärtet. Es könnte an den schrägen Ankern liegen, mit denen die Spundwand an Land befestigt wird. Da Rohre mit runden Profilen verwendet wurden, könnte der Energieaufwand beim Einbau zu hoch gewesen sein und die Schäden verursacht haben. Es gibt Hinweise, dass die Hafengesellschaft gegenüber der Baufirma auf den runden Rohren bestand. Wahrscheinlich ist diese Ursache aber auch nicht, da die Schäden gehäuft auf 400 Metern der 1000 Meter langen Kaimauer auftreten, die Anker sind aber überall gesetzt worden.

Verwundert ist man in Niedersachsens Regierungskreisen über Bremens Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD). Der hatte kürzlich ohne nähere Begründung erklärt, die Schuld für die Schäden trage das Baukonsortium.

Kommentare