Entscheidung am Freitag

Papst empfängt Tebartz-van Elst

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Foto: Tebartz-van Elst verfügt über wichtige Fürsprecher im Vatikan.

- Die Entscheidung von Papst Franziskus, den bisherigen Bischof vonLimburg nicht in seine Diözese zurückkehren zu lassen, hat dort den Weg für einen Neuanfang freigemacht. Tebartz-van Elst ist mit 54 Jahren allerdings zu jung für den Ruhestand.

Die weitere Verwendung des umstrittenen Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst dürfte im Mittelpunkt der Audienz stehen, die ihm Papst Franziskus an diesem Freitag gewähren wird. Möglicherweise wird der emeritierte Limburger Bischof die Gelegenheit auch nutzen, um Argumente zu seiner Verteidigung gegen die Vorwürfe gegen seine Person vorzubringen.

Der am Tag seiner Absetzung veröffentlichte Bericht der Prüfkommission der Deutschen Bischofskonferenz hatte diese im Wesentlichen bestätigt. Die Vatikanerklärung über den Rücktritt des Bischofs von Limburg hatte abweichend von der üblichen Praxis auch die Ankündigung enthalten, Tebartz-van Elst werde "zu gegebener Zeit" mit einer anderen Aufgabe betraut.

Diözesanbischöfe müssen bei Erreichen der Altersgrenze von 75 Jahren den Rücktritt einreichen. Davon ist Tebartz-van Elst noch weit entfernt. Unabhängig von seinen künftigen Aufgaben wird er weiter seinen Titel tragen, da die Bischofsweihe nicht an ein Amt gebunden ist und zeitlich unbegrenzt gilt. Wenn alle rechtlichen Fragen im Zusammenhang mit dem Bau des Diözesanzentrums in Limburg geklärt sind, dürfte der Papst den ehemaligen Limburger Bischof in einer Vatikankongregation oder einer anderen Institution unterbringen, in der er keine Verantwortung für Finanzen trägt.

Etwa mit dem Amt des Untersekretärs einer Kongregation im Vatikan wäre die Form gewahrt - denn es gilt, einen Posten zu finden, der der Bischofswürde entspricht. Tebartz-van Elst verfügt über wichtige Fürsprecher im Vatikan. Der Präfekt des päpstlichen Hauses und Privatsekretär des emeritierten Papstes Benedikt XVI., Georg Gänswein, hatte ihn in den vergangenen Monaten immer wieder verteidigt, zuletzt jedoch Skepsis angesichts der Kosten für das Bischofshaus geäußert. Der Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, ging bis zuletzt hingegen nicht auf Abstand zu dem umstrittenen Bischof. Der ehemalige Bischof von Regensburg sprach von einer Medienkampagne gegen Tebartz-van Elst. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Papst zwei slowenische Erzbischöfe wegen Finanzskandalen abgesetzt.

Auch in diesem Fall war die äußere Form durch die Annahme ihrer Rücktrittsangebote gewahrt worden. Die Oberhirten von Laibach und Maribor, Anton Stres und Marjan Turnsek, sollen mitverantwortlich für die Überschuldung der Diözese Maribor sein. Obwohl Turnsek erst 58 Jahre alt ist, stellte der Vatikan ihm bei Bekanntgabe seines Rücktritts jedoch keinen neuen Posten in Aussicht. Die von Papst Franziskus angekündigten Reformen für die katholische Kirche dürften auch an seinem Umgang mit zurückgetretenen Bischöfen gemessen werden.

In der Vergangenheit wurden in Misskredit geratene Bischöfe auf wenig einflussreiche, aber prestigeträchtige Posten in Rom befördert. Formal lagen sowohl im Fall der Slowenen als auch bei Tebartz-van Elst Rücktrittsgesuche vor, die der Papst annahm. Da alle drei jedoch weder aus gesundheitlichen Gründen noch wegen Erreichen der Altersgrenze, sondern laut Kirchenrecht aus "schwerwiegenden Gründen" nicht mehr in der Lage waren, ihr Amt auszufüllen, gilt diese Praxis allgemein als Absetzung.

epd

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